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"Underworld Evolution": Von Vampiren und Vamps

Sie trinken es, sie verströmen es, sie bringen es zur Wallung: Blut ist das Lebenselixier von Vampiren. In "Underworld Evolution" geht der Kampf zwischen den Blutsaugern und den Werwölfen in die nächste Runde.

Von Jens Lubbadeh

Len Wiseman hat wieder die Blaufilter vor die Kamera geschraubt und eine Fortsetzung des 2003-Überraschungserfolgs "Underworld" gedreht. Wer sich damals bei dem hochästhetischen blassbläulichen Gemetzel zwischen Vampiren und Werwölfen amüsiert hat, wird auch in "Underworld Evolution" nicht enttäuscht werden. Besonders erfreulich sind an dem Film drei Dinge: Die Optik des Films, die Optik von Kate Beckinsale und Kate Beckinsale selbst.

Doch zunächst zum Inhalt. War schon die Story im ersten Teil etwas wirr, wird's im zweiten Teil nun leider richtig kompliziert. Dabei ist alles erst einmal recht simpel: Vampire töten Werwölfe, Werwölfe töten Vampire und alle wollen Rache für etwas, was weit weit in der Vergangenheit liegt. So war's im ersten Teil. So ist's auch im zweiten. Dass sie so nachtragend sind, ist eigentlich nicht verwunderlich, bedenkt man, dass man es hier mit potenziell unsterblichen Geschöpfen zu tun hat.

Kaum ein Untoter bleibt lebendig

Lange Zeit glaubte Vampira Selene (Kate Beckinsale), ihre - einstmals menschliche - Familie sei von Werwölfen dahingerafft worden. Bis sie jedoch in "Underworld" einer Verschwörung ihrer eigenen Vampir-Chefs auf die Spur kommt. Dementsprechend fürchterlich fällt ihre Rache aus: Am Ende des Films bleibt kaum ein Untoter lebendig. Dabei behilflich war ihr der "Hybrid" Michael, der erst Mensch ist, dann Werwolf und zum Schluss zum ersten Wer-Vampir wird.

Eingemotteter Vampir-Chef kommt aus dem Tiefschlaf

"Underworld Evolution" beginnt mit einem Rückblick ins tiefste Mittelalter, als Werwölfe und Vampire noch nicht in zwei Linien getrennt waren. So wirklich versteht man diese Einleitung aber erst mal nicht. Dann wird ein weiterer eingemotteter Vampir-Chef aus dem sauer verdienten Tiefschlaf geholt. Der macht - wie sollte es anders sein - mächtig Stress. Dabei soll ihm sein Bruder behilflich sein, der quasi die Mutter aller Werwölfe ist. Oder auch wieder nicht - denn die frühen Werwölfe waren mehr Wolf als Werwolf, weil sie sich nicht mehr in Menschen zurückverwandeln konnten. Ein erster zarter Hinweis darauf, dass dieser Film "Underworld Evolution" heißt. Leider wird nicht so recht erklärt, woher die beiden Brüder kommen und vor allem: wie sie zu dem wurden, was sie sind. Ihren Papa lernt man dann auch noch kennen, aber auch seine Herkunft bleibt im blassblau-Dunklen.

Oberkiefer mit Schädelanhang fein püriert

Trotz Mängeln in der Story - der Look ist in "Underworld Evolution" wieder düster und schaurig schön geraten. Sonnenlicht ist nun mal nicht gut für die feine Vampirhaut. Die Effekte? Deluxe. Die blitzschnellen und optisch sehr gelungenen Verwandlungen von Menschen in geschwürige vampirige oder muskelsehnige werwolfige Monster machen den ernormen Reiz der "Underworld"-Filme aus. So stellt man sich die Übersetzung des alten Sagenstoffs um Vampire und Werwölfe mit aktueller Tricktechnik im 21. Jahrhundert vor. Doch auch wenn die Kämpfe zwischen Vampiren und Werwölfen vor mondenbeschienener transsylvanischer Gemäuerkulisse Spaß machen - bei dem einen oder anderen Oberkiefer mit Schädelanhang, der entweder abgerissen, fein püriert oder gleich ganz über die Leinwand gespritzt wird, beginnt man sich ab und an doch zu fragen, ob weniger manchmal nicht vielleicht doch mehr gewesen wäre.

Von Latex umspannter Vampir-Vamp

Ein Highlight in all der Düsternis ist auf jeden Fall die schöne Kate Beckinsale als Vampir-Vamp. Wie sie mit trotzigem Blick ihren von Latex umspannten Astralkörper auf hohen Absätzen durch die Unterwelt bewegt und nebenbei neue Magazine in ihre Wumme schiebt, ist nicht nur für die männliche Zuschauerschaft ein Hingucker. Doch Kate Beckinsale überzeugt auch mit Schauspielkunst - mit ihrem leicht melancholischen Zug nimmt man ihr die einsame Rächerin gerne ab.

Auch Untote haben Gefühle

"Underworld" bricht mit einigem Althergebrachten, das man bislang von Vampiren und Werwölfen kannte. Nicht nur lernt der "Underworld"-Zuschauer, dass Vampire sehr wohl von Spiegeln reflektiert werden, mit Knoblauch und Kreuzen offenbar kein Problem haben, Werwölfe sich nicht nur an Vollmond verwandeln und von rumänischem Essen echte Bauchkrämpfe kriegen - er lernt auch, dass Untote Gefühle haben. Worauf man schon im ersten Teil sehnlichst wartete: Selene und der stramme Hybrid Michael finden - trotz ständigen Rumhetzens und Kämpfens - doch nun endlich zueinander.

Der aufmerksame Zuschauer wird sich bei der Liebesszene und dem ziemlich langen Kamera -Closeup auf Selenes Bauch (und der wohl auch bei Vampiras darunter liegenden Gebärmutter) fragen, ob hier nun der Titel "Evolution" zu seiner endgültigen Bestimmung gelangt. Können wir uns etwa im nächsten "Underworld"-Teil über ein kleines Vampir-Baby freuen? Wenn das Bram Stoker geahnt hätte...

Ein Vampir-Baby für den 3.Teil?

Lassen wir uns überraschen, ob auch Vampirfrauen schwanger werden, ob schon Vampir-Babys Blut oder doch lieber Milch trinken und vor allem: ob in "Underworld" die Mendelschen Regeln gelten. Streng genommen müsste das Kind einer Vampira und eines Wer-Vamps zu drei viertel Vampir und zu einem viertel Werwolf sein. Ob das passt? Auf jeden Fall wird es der Beginn von etwas Neuem sein. Kündigt doch auch der Urvater der Unsterblichen kurz vor seinem Ableben Selene an: "Du bist die Zukunft".

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