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Ariana Rivoire in "Die Sprache des Herzens": Ohne Worte, mit Gefühl

In dem französischen Film "Die Sprache des Herzens" spielt sie die Hauptrolle. Doch Ariana Rivoire ist keine gewöhnliche Schauspielerin. Begegnung mit einer Künstlerin, die von Geburt an gehörlos ist.

Von Andrea Ritter

Ariana Rivoire, 19, ist gehörlos und spielt die Hauptrolle in dem französischen Film "Die Sprache des Herzens"

Ariana Rivoire, 19, ist gehörlos und spielt die Hauptrolle in dem französischen Film "Die Sprache des Herzens"

Ariana Rivoire ist 19 Jahre alt und sehr entschieden. Sie hat schon einige Interviews hinter sich, darum erklärt sie die Sache lieber gleich: "Sie sehen zu mir, wenn Sie sprechen, ok? Und Sie hören zu, was Sandrine sagt, ohne sie anzuschauen. Verstanden?" Verstanden. Ariana Rivoire ist gehörlos, von Geburt an. Sandrine ist die Gebärdensprachendolmetscherin, die mit am Tisch sitzt. "Gehörlos - naja, ich bevorzuge den Begriff 'taub'", sagt Ariane Rivoire, "ich bevorzuge es generell, die Dinge beim Namen zu nennen."

Ariana Rivoire spielt die Hauptrolle in dem französischen Film "Die Sprache des Herzens" von Jean-Pierre Améris. Der deutsche Titel mag etwas schwülstig klingen, im Original heißt der Film "Marie Heurtin": Erzählt wird die auf historischen Fakten basierende Geschichte eines Mädchens - Marie -, das von Geburt an nicht sehen, nicht hören und daher nicht kommunizieren kann. Marie Heurtin hat es wirklich gegeben. Sie war, so heißt es, eine passionierte Domino-Spielerin und wohnte von 1885 bis 1921 im katholischen Institut Larnay in der Nähe von Poitiers. Dort, in einer klosterähnlichen Anlage, kümmerten sich die "Schwestern der Weisheit" um die Betreuung und Ausbildung tauber und taubblinder Mädchen. Marie Heurtins Krankheitsgeschichte und die Methodik, mit der sie die Zeichensprache erlernte, sind genau dokumentiert: "Seelen im Gefängnis" heißt das Buch, in dem der französische Autor Louis Arnould um 1900 ihren Fall und das Leben der Gemeinschaft von Larnay beschrieb.

Ein hoffnungsloser Fall

Eine Seele in einem Gefängnis aus Angst und Abwehr - so sieht die Nonne Marguerite das Mädchen, das eines Tages bei ihr abgeliefert wird. Für die überforderten Eltern der völlig verwilderten Marie ist es der letzte Versuch, die Tochter vor dem Irrenhaus zu bewahren. Und auch der droht zu scheitern: Marie beißt, läuft weg, wäscht sich nicht, isst mit den Händen, schlägt um sich; ein hoffnungsloser Fall. Doch die Schwester spürt eine besondere Bindung zu dem wilden Mädchen. Sie beginnt, mit Marie zu arbeiten, unermüdlich. Sie macht auch dann noch weiter, wenn alles sinnlos erscheint, monatelang. Nach und nach lernt Marie, Gegenstände mit Berührungen und Handbewegungen zu koppeln. Lernt, dass sich die Dinge der Welt durch verabredete Zeichen abbilden lassen - lernt Sprache.

Anfangs sei es schwierig gewesen, ihre Mimik ruhig zu halten, so wie Blinde es tun, sagt Ariana Rivoire. Zur Vorbereitung auf die Rolle ist sie ins Taubblinden-Institut nach Larnay gefahren, das es auch heute noch gibt. Sie wollte wissen, wie die Menschen kommunizieren - und dann war da diese Frau im Rollstuhl. "Ganz zurückgezogen in einer Ecke saß sie dort, verschlossen. Und ich habe gelernt, wie behutsam man sein muss. Erst die Hände berühren, Kontakt aufnehmen, warten. Die Frau wurde dann zugänglicher und ich merkte: Sie öffnet sich der Welt - aber nur, wenn die Welt ihrem Tempo folgt und sich ihr zuwendet."

Die Begegnung sei wichtig gewesen, sagt Ariana Rivoire, genau wie das Treffen mit dem Mädchen, das sie sofort überall im Gesicht berührt habe, 20, 30 Minuten lang. "Dieses milimetergenaue Abtasten ohne Scheu, das ist, wie eine Blinde dich ansieht."

Die Frau im Rollstuhl, das erzählte man ihr später, habe erst als Jugendliche die taktile Gebärdensprache der Taubblinden gelernt. Wie ihre Welt wohl aussah, hat Ariana sich seither oft gefragt. Dunkel vielleicht, einfarbig, still - aber man weiß ja nicht, dass es Geräusche und Farben gibt, es ist normal, wie es ist. Und dann dieses Drumherum. Hände, die einen berühren. Essen, das riecht. Stoffe, die man anziehen soll, rau, glatt, heiß, kalt. Eine Welt, die man anfassen kann. Riechen.

"Als hätte jemand eine Tür geöffnet"

"Und wenn man dann lernt, dass man sich mitteilen kann, dass von der Umgebung etwas zurück kommt, dass man verstanden wird, dann tritt man aus der Isolation. Dann eröffnet sich diese ganze Welt plötzlich noch einmal neu. Als hätte jemand das Licht angemacht", sagt Ariana. "Naja, oder eine Tür geöffnet."

Im Film beschreibt Schwester Marguerite Maries Erwachen im Tagebuch: "Eine Explosion der Sprache." Ein Zeichen steht für ein Ding - nachdem das Mädchen dieses Prinzip einmal begriffen hat, ist alles anders. Es ist wie eine zweite Geburt. Ariana Rivoire wohnt in einem Gehörlosen-Internat in Chambéry, Region Rhônes-Alpes. Sie ist kurz vor dem Abitur, danach möchte sie in Paris studieren, sie will Gebärdensprache unterrichten, als Fremdsprache für Hörende. "Es gibt zu wenig gute Gebärdensprachendolmetscher", sagt sie. "Sandrine ist eine Ausnahme, sie ist perfekt" - Sandrine übersetzt und bedankt sich abwehrend - "Wir sind auf die Dolmetscher angewiesen. Ihre Qualität entschiedet darüber, ob wir unserem hörenden Gegenüber als eloquent erscheinen oder als dumm."

Die Schauspielerei sei für sie wohl eine einmalige Erfahrung, sagt sie - Ariana Rivoire stand noch nie zuvor vor der Kamera, noch nicht einmal Schultheater hat sie je interessiert, sie ist sehr ernsthaft, gradlinig, auf eine natürliche Art selbstbewusst. Als Kind, sagt sie, musste sie daran arbeiten, ihre Ungeduld und ihr Temperament in den Griff zu kriegen: Die Filmszenen, in denen Marie um sich schlägt, seien ihr also nicht besonders schwer gefallen. Sie hat von Beginn an Gebärdensprache gelernt hat und weiß, wie wertvoll das ist. "Hörende Babys lernen die Sprache über das Hören, während sie aufwachsen. Bei mir war das genauso, nur, dass ich ein nicht hörendes Baby war. Ich habe die Gebärdensprache gelernt, indem ich sie um mich hatte." Aber in der "Gemeinschaft der Gehörlosen", wie sie sagt, hat sie auch jene kennengelernt, bei denen das noch anders war. Die Medikamente bekommen haben, Hörgeräte, oder die gezwungen worden waren, zu oralisieren - Laute zu bilden, die sie selbst nicht hören können - "Was für ein Unsinn."

"Auch Sie haben ja schon was gelernt, nicht wahr?"

Für Ariana Rivoire ist die Sache so: Es gibt die Kultur der Hörenden, der Tauben oder Taubblinden - und jede Kultur hat ihre eigene Kommunikationsform. "Ob die Kommunikation auf Geräuschen, Gesten oder dem Tastsinn beruht, ist ja egal." Viel wichtiger sei es ihr, vor allem den Hörenden deutlich zu machen: Auch diese Sprachen sind ausgereifte Kommunikationsformen, facettenreich, da geht es nicht nur um Verständigung, sondern auch um Syntax und Grammatik. Was ist für sie das wichtigste an dem Film? Die Antwort kommt sofort. "Verständnis für die kulturellen Unterschiede. In der Kultur der Hörenden zum Beispiel berühren sich Fremde gegenseitig nicht. Das gilt als unhöflich. Aber Taubblinde müssen berühren. Gemäß den kulturellen Regeln der Hörenden gilt die Kommunikation der Taubblinden also als unschicklich. Finden Sie das gerecht?"

Ihre Eltern hätten die Gebärdensprache erst später gelernt, erzählt Ariana. "Vorher haben wir uns mit Gesten verständigt." Gern würde man nun wissen, ob das anstrengend für sie war. Für ein Kind mit so schnellem Verstand und Hang zur Ungeduld, das immer wieder an Grenzen stößt, weil es sich nicht angemessen ausdrücken kann - aber solche "Psycho-Fragen" lässt sie nicht zu. "Privat." Auf jeden Fall jedoch habe sie eine Ahnung, wie sich dieser "Moment des Erwachens", die "Explosion der Sprache" anfühlt. "Als ich in der Schule meinen ersten gehörlosen Lehrer bekam, konnte ich erleben, welches Niveau Ausdruck haben kann. Die Gebärdensprache auf hohem Level habe ich bei ihm gelernt. Bei Tristan. Wir haben heute noch Kontakt. Er war damals ein bisschen wie mein Papa, der die selbe Sprache spricht."

Als der Filmregisseur Jean-Pierre Améris im Gehörlosen-Internat von Chambéry nach einem Mädchen für die Hauptrolle suchte, hätte er Ariana beinahe verpasst. Sie hatte nämlich das Casting vertrödelt, fand es auch gar nicht so interessant. "Jean-Pierre hat mich dann in der Kantine angesprochen. Wir haben uns unterhalten und ich dachte, klingt doch nach einer guten Sache. Zwei Monate später war dann alles klar." Sie möchte "das Maximale" dafür tun, die Kultur der Hörenden auf dem Laufenden zu halten. "Auch Sie haben ja schon was gelernt, nicht wahr? Am Anfang haben Sie einmal in der dritten Person über mich und direkt zu Sandrine gesprochen. Sie haben das dann korrigiert. Aber eine gute Dolmetscherin übersetzt auch das." Und genau solche Leute möchte sie später einmal ausbilden.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(