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Diskussionen um "Slumdog Millionär": Die indische Seele ist gespalten

Viele Menschen in Indien sind stolz auf den Oscar-Erfolg von "Slumdog Millionär", tausende tanzten während der Verleihung der Filmpreise auf den Straßen. Doch es gibt auch heftige Kritiker. Die stört der "typisch westliche Blickwinkel" von Regisseur Danny Boyle, sie sprechen von "Armuts-Porno" und "Slum-Voyeurismus".

Von Irina Fernandes

Wer durch die staubigen Straßen Mumbais fährt, vorbei an Sehenswürdigkeiten, modernen Hotels, kleinen Läden und Slumsiedlungen, der kann sie kaum übersehen: An jeder Straßenecke blicken die beiden "Slumdog Millionaire"-Hauptdarsteller von riesigen Plakatwänden auf das hektische Gewusel in den Straßen herab. In großen Lettern fragen sie: "Die ganze Welt spricht darüber - haben Sie den Film schon gesehen?" Im Fernsehen läuft immer wieder der Film-Trailer, die lebendigen Klänge des Titelsongs "Jai Ho" werden schnell zum Ohrwurm.

Indien ist im "Slumdog-Millionär"-Fieber. Als der Film bei der Oscar-Verleihung gleich acht Mal ausgezeichnet wurde, tanzten viele Menschen vor Freude auf den Straßen. "Kein anderer Film hat in der jüngeren Vergangenheit mehr Aufmerksamkeit in den Medien bekommen", sagt Shradha Sukumaran, stellvertretende Chefredakteurin der in Bombay erscheinenden Sonntagszeitung "Sunday MiD DAY". Als Film-Expertin hält sie das Werk des britischen Regisseurs Danny Boyle über einen Jungen aus Bombays größtem Slum Dharavi, der in der indischen Ausgabe von "Wer wird Millionär?" kurz vor der 20-Millionen-Rupien-Frage steht, für sehr gelungen: "Es ist eine Geschichte über einen Underdog, der die Zufälle des Lebens unerschrocken annimmt", so Sukumaran.

Es gibt aber auch heftige Kritik an der Verfilmung des Romans "Q and A" ("Rupien, Rupien") des indischen Autors Vikas Swarup. "Poverty porn" (Armuts-Porno) und "Slum-Voyeurismus" war in Filmkritiken und Lesebriefen in indischen Zeitungen zu lesen. Und selbst "Big B", der beliebte indische Schauspieler Amitabh Bachchan, ließ sich in seinem Blog über die übertriebene Darstellung der Schattenseiten Indiens als armes Dritte-Welt-Land aus. Wenige Tage und ein großes Medienecho später ruderte er zurück: Er habe nur verschiedene Meinungen zitiert. Dennoch: Die Diskussion über den vermeintlich "typisch westlichen Blick" des britischen Regisseurs hält an.

Zu Unrecht, wie Sukumaran findet: "Boyle präsentiert keine typisch westliche Betrachtungsweise. Er filmt einfühlsam und zeigt in Einblendungen auch das moderne Indien, beispielsweise Call-Center und Hochhäuser." Dennoch konzentriere sich der Film auf das Leben in den Slums. Sukumaran gibt zu bedenken: "Eines ist klar: Slums existieren in Indien und sind Teil unserer Wirklichkeit. Aber sie sind nicht unsere einzige Wirklichkeit."

Rechte Hindu-Gruppierungen stört vor allem die ihrer Meinung nach negative Darstellung ihrer Glaubensanhänger - beispielsweise in der Film-Szene, als ein Hindu-Mob einen muslimischen Teil des Dharavi-Slums stürmt und wahllos Menschen tötet. Die verbale Kritik gipfelte in Panjim, der Hauptstadt des Bundesstaats Goa, in gewalttätigen Protesten: Wie die dort ansässige Zeitung "O Heraldo" berichtete, demolierten Demonstranten das moderne Inox Multiplex-Kino. Einer der aufgebrachten Männer sagte dem Bericht zufolge: "Sogar so viele Jahre nach der Unabhängigkeit Indiens hat sich die Einstellung der Engländer gegenüber Indern nicht geändert." Anlass zu Kritik gab auch ein Teil des Filmtitels: "Slumdog" stieß bei manchen Slumbewohnern auf Widerstand. Zeitungsberichten zufolge gab es Demonstrationen mit Plakaten: "Ich bin kein Hund."

Sukumaran will das Ausmaß dieser Kritik nicht überbewerten: "Wie mit so vielen Diskussionen über Filme ist es auch mit diesen: Sie sterben eines natürlichen Todes und die Medien ziehen weiter zur nächsten Kontroverse." Zum Beispiel zu der über Loveleen Tandan, die indische Co-Regisseurin des Films. Eine US-amerikanische Frauenrechtlerin hatte gefordert, dass auch Tandan die Oscar-Ehre gebührt hätte und nicht nur Danny Boyle. Das Thema hielt sich nach Bekanntwerden der Nominierungen für einige Tage in den indischen Medien, vor dem Hintergrund eines Vorfalls, der die Frauenrechte stark in Frage stellte: Fanatische Hindus hatten in Mangalore mehrere Frauen an den Haaren aus einer Kneipe geschleift und verprügelt - aus Protest gegen deren westlichen Lebensstil. Indische Frauenrechtlerinnen wandten sich medienwirksam gegen die "Talibanisierung" Indiens. Loveleen Tandans Nicht-Nominierung geriet darüber schnell in Vergessenheit.

Nicht jedoch das Schicksal von Azhar und Rubina: Sie gehören zu den sechs Kinderdarstellern des Films. Beide leben in den Slumsiedlungen von Bandra, einem ansonsten wohlhabenden Stadtteil Mumbais, in dem auch Bollywood-Superstars wie Shahrukh Khan wohnen. Gerüchten zufolge bekamen die beiden Kinder nur wenige Hundert Euro Gage für ihre Rollen - obwohl der Film Millionen eingespielt hatte. Danny Boyle persönlich musste Stellung beziehen: Er habe einen Fonds für die Kinder angelegt, damit sie nach ihrer Schulzeit davon profitieren könnten.

Bei aller Kritik: Lange Schlangen vor den Kinokassen und ausverkaufte Vorstellungen zeugen vom Stolz der Inder auf "ihren" Film. Der irgendwo sogar eine indische Seele hat: "Er zollt dem indischen Bollywood-Kino Anerkennung, da er dessen Format der Liebesgeschichte und das typische Happy-End der Hindi-Filme übernimmt", analysiert Sukumaran. Sie ist überzeugt: "Im Großen und Ganzen hat den Indern dieser Film gefallen." Doch in wie weit der Oscar-Triumph die Lager von Anhängern und Kritikern versöhnen wird, muss sich erst noch zeigen. Eines steht für Sukumaran fest: "Letzten Endes ist 'Slumdog Millionaire" auch nur ein Film, dessen Reichweite begrenzt ist." Das Leben in Indien wird auch nach dem Achtfach-Erfolg bei den Oscars weitergehen.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(