Was treibt einen Mann an, der längst alles erreicht hat? Der seit Jahrzehnten singt, fast von der Bühne verschwand, zurückkam - und seitdem einfach nicht mehr aufgehört hat? Antworten darauf liefert "50 Jahre Roland Kaiser - Ein Leben für die Musik". Der Dokumentarfilm über sein 50. Bühnenjubiläum feiert am 6. März seine Streaming-Premiere bei Sky und Wow. Und wer ihn sieht, versteht: Hier geht es weniger um Nostalgie und Abschied, sondern mehr um eine echte Rampensau.
Der Film war in den vergangenen Monaten schon auf der großen Leinwand zu erleben: Als erster Künstler seines Genres brachte Roland Kaiser (73) - bürgerlich Ronald Keiler - einen Konzertfilm à la Taylor Swift ins Kino. 145.000 Menschen sahen ihn und machten ihn damit zum erfolgreichsten Konzertfilm eines deutschen Musikers überhaupt. Nun bekommen alle Fans eine zweite Chance.
Der Mensch hinter dem Schlagerstar
Was genau steckt also in diesem gut zweistündigen Werk? Im Kern ist es eine Hommage an eine außergewöhnliche Karriere und an einen noch außergewöhnlicheren Menschen. Der französische Regisseur Hans Pannecoucke begleitete Kaiser während der ausverkauften "RK50 I 50 Jahre - 50 Hits!"-Tournee mit der Kamera, vor der Bühne, hinter den Kulissen, mittendrin im Touralltag. Das Ergebnis ist eine ehrliche Mischung aus Konzertfilm und Porträt, die den Sänger so nah wie selten zeigt.
Gedreht wurde beim Konzert in der "Red Bull Arena" in Leipzig. Wegbegleiterinnen und -begleiter aus Band und Crew kommen ebenso zu Wort wie Fans im Publikum und Kollegen und Kolleginnen aus der Schlagerwelt. Darunter Sängerin Christiane Eiben, Saxofonistin Tina Tandler und Duettpartnerin Maite Kelly, die Kaiser im Film ein unumwundenes Kompliment macht: "Roland ist aktuell besser denn je. Eine solche Karriere gibt es ganz selten. Musikalisch war er schon mehrfach tot. Aber Roland setzt sich immer neue Ziele und will immer das Beste erreichen."
Ein zweites Leben
Wer Roland Kaiser sagt, sagt Schlager-Geschichte. Seit mehr als 50 Jahren prägt der Berliner die deutschsprachige Musik mit Hits wie "Santa Maria", "Dich zu lieben" oder "Joana". Neuere Songs wie "Extreme" oder das Maite-Kelly-Duett "Warum hast du nicht nein gesagt?" mit über 170 Millionen Klicks auf YouTube beweisen, dass Kaiser beliebt wie eh und je ist. Insgesamt 90 Millionen Tonträger hat er verkauft, besonderen Kultstatus genießt er mit den alljährlichen Open-Air-Konzerten in Dresden, der "Kaisermania".
Dass Kaiser aber überhaupt noch auf der Bühne steht, ist keine Selbstverständlichkeit. 2006 wurde bekannt, dass er an der Lungenkrankheit COPD leidet. Weil diese ihm das Singen zunehmend schwer machte, verkündete er sein Karriereende. Erst eine Lungentransplantation vier Jahre später ebnete den Weg zurück - und wenige Monate später stand Kaiser schon wieder am Mikrofon. Der Beginn eines zweiten Lebens, das musikalisch reicher wurde als manches erste: 2022 erreichte er mit dem Platin-Album "Perspektiven" zum ersten Mal seit 40 Jahren wieder Platz eins der deutschen Charts.
Album und die nächste Tour
Weil ein Jubeltag offenbar nicht reicht, hat Roland Kaiser den 6. März gleich doppelt besetzt. Mit "Marathon+" erscheint am selben Tag die erweiterte Edition seines letztjährigen Albums "Marathon" mit sechs neue Songs. Besonderes Highlight ist "Weit ist der Weg", eine bislang unveröffentlichte Komposition von Udo Jürgens, die Kaiser als musikalischen Gruß an seinen Freund und Mentor begreift.
Und als wären Album und Streaming-Premiere noch nicht genug Programm, steht mit der "Open Airs 2026!"-Tournee schon die nächste Live-Runde in den Startlöchern. Kaiser reist von Juni bis August wieder quer durch Deutschland. 2025 hatte er bei 40 ausverkauften Shows rund 400.000 Besucher begeistert, mehr als jeder andere deutsche Livekünstler. Man darf davon ausgehen, dass er auch 2026 keine Ausnahme machen wird - und vom Aufhören nach wie vor meilenweit entfernt ist.