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INDIANERATTACKE: Bullys Paradestück

Mit »Der Schuh des Manitu« verbeugt sich Michael Herbig alias Bully vor dem Western - und veräppelt ihn gleichzeitig total.

Da lief also irgendwann eine dieser alten »Winnetou«-Folgen im Fernsehen, und Michael Herbig saß gerade mit seinen Kumpels zusammen, dem Alfons, dem Rick, dem Murmel. Sie schauten eine Weile zu. Diskutierten dabei die wichtigsten ungeklärten Fragen des Wilden Westens: »Was, wenn der Winnetou einen schwulen Bruder hätte, der irgendwo inmitten der einsamsten Prärie eine Beautyfarm betreibt?« - »Braucht nicht jeder Indianerstamm ein Stammlokal?« - »Was vergraben die Schoschonen, wenn ihnen ihr Kriegsbeil kaputtgegangen ist?« Schließlich noch: »Kriegen Cowboys eigentlich eine Morgenlatte?«

Und dann kaute Michael Herbig, den außer seiner Mama alle Welt schon so lange »Bully« ruft, dass er seinen richtigen Namen selbst manchmal vergisst, eine Weile auf diesen Fragen rum. Immer wieder, wie ein Cowboy auf seinem Kautabak. Überlegte, wann er zuletzt einen brauchbaren Western im Kino gesehen hatte. Und ob es nicht langsam Zeit sei, dem Winnetou ein Bully-Denkmal zu setzen.

Viele absurde Gedanken, viele Meter Film, zwei Jahre und neun Millionen Mark später ist jetzt »Der Schuh des Manitu« fertig. Nach »Erkan und Stefan« der zweite Kinofilm von Michael Herbig und eine irre Mischung aus »Indiana Jones«, »Die nackte Kanone« und »Der Schatz im Silbersee«. Bisschen »Nonstop Nonsens« und bisschen Clint Eastwood, liebevolle Hommage an ein ganzes Genre und gleichzeitig völlige Verarsche, jenseits der vielen angestrengten Tiefsinn-Taucher im deutschen Film ein Stück wohltuend entspannten Gaga-Popcorn-Kinos. Kurz: ziemlich albern. Ziemlich verrückt. Und saulustig.

»So stelle ich mir eben einen Western vor«, erklärt Michael Herbig, Regisseur, Produzent und zweifacher (!) Hauptdarsteller im »Schuh des Manitu«. Grinst. Legt seinen Kopf zur Seite, schaut mit Augen groß wie Suppenteller aus einem Gesicht irgendwo zwischen Brad Pitt kurz nach dem Aufstehen und Balou, dem Bär. Sogar wenn er die Showtreppe seiner wöchentlichen »Bullyparade« auf Pro 7 runtergeht, sieht der 33-jährige Münchner noch ein bisschen verwirrt aus - immer so, als wartete er eigentlich nur darauf, dass ihn seine Eltern gleich aus dem Kinderparadies abholen werden. »Ich finde es immer noch völlig skurril, diese Treppe runterzukommen, und da sitzen dann 300 Leute im Publikum und brüllen mich an«, erzählt er lächelnd.

Dabei sollte der gelernte Fotograf, der nie eine Schauspiel- oder Filmhochschule besucht hat und sich das Filmen mit der Videokamera seines Nachbarn beigebracht hat, doch langsam an Applaus gewöhnt sein. Schon »Erkan und Stefan« war ein Riesenerfolg, für seine Synchronisation der Hauptfigur in Disneys Zeichentrickfilm »Ein Königreich für ein Lama« wurde Herbig hoch gelobt, seine »ewige Suche nach dem perfekten Sketch« kann er bald in der sechsten Staffel der erfolgreichen »Bullyparade« fortsetzen, seine Münchner Filmproduktionsfirma »herb X« gedeiht prächtig. Und an einen Misserfolg vom »Schuh des Manitu« an der Kinokasse mag eh niemand glauben. Warum auch.

Von Michael Ebert

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