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Kinostart "Brautalarm": Was Sie immer schon über Frauen wissen wollten

Lassen Sie sich von dem öden Titel nicht schrecken: Dieser Film ist wild, dreckig und gnadenlos ehrlich. So wie Frauen "Hangover" geliebt haben, werden Männer "Brautalarm" lieben. Versprochen!

Von Sophie Albers

Eigentlich könnte man einfach schreiben: Gucken Sie diesen Film! Aber ein paar schlagende Argumente finden sich auch noch. Wenn Sie mit Zahlen zu überzeugen sind: Die kleine, für 32,5 Millionen Dollar produzierte Komödie "Brautalarm" hat an den internationalen Kinokassen bereits die 200-Millionen-Dollar-Grenze geknackt. Und das ganz ohne Stars und ohne aberwitzige Marketingaktionen. Offensichtlich ist dieser Film ein Beweis für den fast schon aufgegebenen Idealismus, dass sich durchsetzt, was gut ist.

Und gut sind vor allem die Schauspieler: "Saturday Night Live"-Comedian Kristen Wiig spielt Annie, eine magere Blondine, die sich in dem anstrengenden Lebensabschnitt Ende 30 eingerichtet hat, nachdem die ersten Lebensträume geplatzt sind: Die große Liebe hat sich anderweitig umgesehen, die eigene Bäckerei ist pleite, der neue Mann im Bett hat das Herz eines Kühlschranks. Aber da das Leben nun mal gnadenlos weitergeht, schleppt Annie sich mit. Hilfe bekommt sie dabei von ihrer besten Freundin Lilian (Maya Rudolph), die weit weniger Enttäuschungen verdauen musste und die nun heiraten will - mit Annie als Trauzeugin.

Als nächstes sitzt Annie vor dem Computer und scrollt sich durch eine scheinbar endlose Liste ihrer Aufgaben. In ihrem lakonisch-verzweifelten Lachen, das sie dabei in Wein zu ertränken versucht, liegt die Großartigkeit dieses Films: Er ist ehrlich. Manchmal sogar ein bisschen zu sehr.

Gnadenlos ehrlich

Es geht um Frauen, nicht um Leinwandmodels. Die, die nach Model aussieht, bringt auch die entsprechenden Neurosen mit. Es geht um Freundschaft. Nicht um Eitel-Sonnenschein-alles-wird-gut, sondern um Verlustängste und das Sich-zum-Affen-machen, wenn man am verwundbarsten ist. Es geht um große Nummern wie Schicksalsschläge, mit denen man klar kommen muss, und um kleinere wie eine Lebensmittelvergiftung, die ausgerechnet in einem hochvornehmen Brautkleidladen ausbricht. Es geht um die Achterbahnfahrt zwischen den Höhen und Tiefen, auf die sich Hollywood sonst so gern beschränkt. Es tut sehr gut, das auch mal in voller Leinwandbreite zu sehen. Natürlich geht es auch ein bisschen um Liebe. Aber es reicht eben nicht, dass Frau von einem breitschultrigen Kerl gerettet wird.

Apropos Kerl: Falls Sie einer sind und noch nicht überzeugt sein sollten: "Brautalarm" zeigt Frauen, wie Frauen sich selbst sehen. Dieser Film lässt Männer ein bisschen hinter den Vorhang schauen. Und Sie werden das dreckige Lachen Ihrer Freundin lieben.

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