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PORTRÄT: Sehr manierlich

Musicalstar, Mutant, Macho: Der Australier Hugh Jackman ist der neue Held in Hollywood - zu Recht

Von Bianca Lang

Das also ist der neue Herzensbrecher. Groß. Starke Schultern. Lachende Augen. Ihm werden die Frauen nicht nur auf der Leinwand, sondern auch davor erliegen. Und wenn Hugh Jackman seinen Oberkörper entblößt, ist jede Szene zu kurz. In der Geschlechterkampf-Komödie »Männerzirkus« spielt der 32-Jährige den charmanten Schwerenöter Eddie, der seiner gehörnten Kollegin Jane (Ashley Judd) Unterschlupf gewährt. Mit der Wut einer Verlassenen entwickelt sie die »Alte-Kuh-neue-Kuh-Theorie«, nach der sich Männer wie Stiere benehmen, die eine Kuh nur einmal besteigen und sich dann die nächste suchen. Eddie ist ein guter Beleg für ihre These, und Jackman mit Abstand das Beste am Film.

Dann steht man vor dem attraktiven Australier, der in akzentfreiem Englisch nach dem Befinden fragt und was man denn trinken möchte und so strahlt, als hätte er nur auf dich gewartet. Hat er aber leider nicht, denn auf dem Gang des Londoner Hotels spaziert seine um einige Jahre ältere Frau Debbie mit dem Adoptivbaby Oscar entlang, das offenbar gerade Spaghetti verputzt hat, und Oma Jackman ist auch dabei. Papa Hugh erzählt von Vaterfreuden und ständig von der Gattin. »Meine wilden Zeiten liegen hinter mir - als ich meine Frau traf, wusste ich sofort, der Kampf ist vorbei«, sagt er. Jackman ist braver als sein Landsmann Russell Crowe und reifer als Heath Ledger, dazu frisch rasiert und auch sonst glatter als erwartet, mehr Normalo als Hero, einer mit vielen Talenten und wenig Allüren. Er hat Philosophie und Journalismus studiert, hat eine Gesangs- und Tanzausbildung, spielt Piano, Golf, Gitarre und kann wie alle echten Australier surfen. »Ich lerne eben schnell«, sagt der Newcomer.

»Männerzirkus« ist Jackmans zweite Hollywood-Produktion. Über seine heimatlichen Grenzen hinaus bekannt wurde er als Mutant Wolverine in der Comic-Verfilmung »X-Men«. Regisseur Bryan Singer entdeckte ihn auf einer Londoner Musical-Bühne. »Er ist nur noch einen Hit vom Mega-Star entfernt«, schrieb die »New York Times« über den Darsteller, in dem »eine Kreuzung aus dem jungen Clint Eastwood und dem jungen Mel Gibson« sieht. Mit dem Actionthriller »Passwort: Swordfish«, in dem Jackman ab Herbst als Hacker neben John Travolta auftritt, könnte der Jungstar in Hollywoods A-Liste aufrücken. Oder mit der Romanze »Kate & Leopold«, die Jackman und Meg Ryan gerade in New York abgedreht haben. Für diese Rolle als englischer Gentleman bekam er einen Stil-Crash-Kurs, und er meint: »Das war das beste Training, das ich je hatte, Manieren sind so wichtig.« Deshalb isst er heute keine Pizza mehr vor dem Fernseher und schaut seinem Gesprächspartner stets tief in die Augen: »Alles muss von Herzen kommen,« sagt er und guckt, als würde er dich nie vergessen.

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