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Sigourney Weaver: Bush, Gore und die Autisten

Sie spielt in ihrem neuen Film "Snow Cake" eine Autistin. Doch eigentlich lebt die Schauspielerin Sigourney Weaver gar nicht zurückgezogen - und leidet darunter, dass sich Amerika selbst isoliert. Schuld daran sei US-Präsident Bush.

Sie spielen in dem Film "Snow Cake" Linda, eine sehr ehrliche, sehr direkte Autistin.

Ja, sie ist erfrischend direkt. Ich mag das. Ich habe zur Vorbereitung meiner Rolle ein Jahr mit Autisten verbracht. Du weißt immer, woran du bei ihnen bist. Aus ihrer Sicht verbringen wir verdammt viel Zeit damit, uns zu verstellen. Dinge zu sagen, die wir nicht meinen. Dinge zu tun, die wir nicht tun wollen. Es war eine Art Erleuchtung, jemanden wie Linda zu spielen, der es egal ist, was andere von ihr denken.

Was tragen Sie bei zu einer besseren Welt?

Ich arbeite seit 20 Jahren für Menschenrechtsorganisationen, setze mich für den Umweltschutz ein und für Gorillas. Man bittet mich, eine Menge Dinge zu tun, und ich mache so viel, wie ich schaffe. Es sind schwere Zeiten und zugleich ausgefüllte. Ihr Europäer seht das vielleicht nicht so. Aber Amerika ist ein wenig in sich zusammengesunken. Wir sind isoliert. Ihr in Europa seid so lebendig, ihr führt Diskussionen: Was ist unser Schicksal, wie arbeiten und leben wir zusammen? Und wir? Bauen Mauern, um Immigranten aus Mexiko fernzuhalten.

Was werfen Sie Bush am meisten vor?

Diese Regierung hat so viel Schaden angerichtet - auf jedem Gebiet. Das Land ist polarisiert. Ich hoffe sehr, dass wir in zwei Jahren jemanden ins Weiße Haus bekommen, Republikaner oder Demokrat, der diesen Planeten liebt. Jemanden, der die USA als Teil des Ganzen sieht und wieder auf andere Nationen zugeht.

Wen hätten Sie denn gern?

Ich hoffe sehr, sehr, sehr, dass Al Gore noch einmal antritt. Mit ihm sähe die Welt heute anders aus. Dann hätten wir zum Beispiel das Kyoto-Protokoll unterzeichnet.

Interview: Michael Streck, Jan Christoph Wiechmann