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TV Geschichte: Basteln mit Erika, zaubern mit Pan Tau

Ist es nicht völlig gleichgültig, wer bei Christiansen zu Gast ist? In Erinnerung bleiben doch eh nur die Helden der Kindheit

Nachmittags um fünf war die Welt in Ordnung. Fast. Wäre da nicht dieser kleine runde Junge in den Knickerbockern gewesen. Mit sechs anderen Kindern saß er in Tante Erikas Sendung "Erzählen - spielen - basteln". Und dauernd schoss sein Arm in die Luft: "Errrikaaa, i bin scho fertig!", "I weiß scho!", "Kann scho..." Altkluger Bengel! Er ist schuld an meiner jahrelangen Abneigung gegen alles Bayerische. "Erzählen - spielen - basteln" mit Erika Saucke war nicht viel mehr als abgefilmter Kindergarten - frühes Reality-TV. Wir Kinder fanden das toll. Genau wie "Sport - Spiel - Spannung": erst Sport mit Sammy Drechsel, danach ein Ratespiel. Und Spannung wurde dann oft mit Ausschnitten aus Disney-Produktionen erzeugt.

Schönes, schlichtes TV-Vergnügen! Ohne Aufwand und Firlefanz unterhielten auch die Augsburger Puppenkiste und Hase Cäsars "Schlager für Schlappohren". Im Vergleich dazu strotzte der animierte "Pan Tau" vor Special Effects. Das DDR-Fernsehen war zur gleichen Zeit "Zu Besuch im Märchenland". Pittiplatsch und Schnatterinchen sind heute Kult. Dicht machte das "Märchenland" erst nach der Maueröffnung.

Die Kinderstunde der ARD war anfangs tatsächlich kaum länger als 60 Minuten plus "Sandmännchen". Mittlerweile ist das Programmangebot auf durchschnittlich 316 Stunden pro Woche angeschwollen. Eine neue Zielgruppe erschloss sich das Fernsehen 1971 mit den "Lach- und Sachgeschichten" der Maus: Vorschulkinder. Zwei Jahre später folgte die deutsche Version der US-Serie "Sesame Street". Ausgerechnet das eher konservative ZDF konterte mit "Rappelkiste", wo es die antiautoritären Puppen Ratz und Rübe ganz im Geist der 68er ordentlich im Karton klappern ließen.

Bei "Maus" und "Sesamstraße" setzten auch wir Großen uns vor den Fernseher. Ähnlichen Erfolg in allen Altersklassen hatte 1978 "Neues aus Uhlenbusch" mit dem töffeligen Onkel Heini. "Löwenzahn" oder Quälgeist Pumuckl haben diesen Artensprung nie geschafft.

Mitte der 80er krempelten die Privatsender das Kinderprogramm um. Geplagte Eltern konnten ihre bettflüchtigen Gören am Wochenende schon vor sechs Uhr früh in die Röhre gucken lassen. Für besorgte Pädagogen waren billige Zeichentrick-Ware und die wenig zimperlichen "Power Rangers" ein rotes Tuch.

Heute heißen die TV-Idole der Kiddies Käpt?n Blaubär und Pok?mon. Doch auch die Kinderstuben-Helden der 60er sind bei ihnen noch angesagt. Wetten, dass selbst Tante Erika noch gut ankäme?!

Anke Kapels / print