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TV-KRIMI: Blut für die Welt?

Was dem deutschen TV-Krimi zum internationalen Erfolg fehlt, sind mehr Angst- und Actionszenen - das behauptet einer, der es wissen sollte...

Mehr Angst- und Actionszenen könnten nach Ansicht des Mainzer Filmwissenschaftlers Bernd Kiefer deutsche TV-Krimis international erfolgreicher machen. Deutsche Filmkommissare fungierten meist nur als »Sozialingenieure« zur einfühlsamen psychologischen Aufarbeitung von Konflikten sowie zur Heilung der Welt, sagte der Kiefer in einem Gespräch mit der Nachrictenagentur dpa. »Aber die Auseinandersetzung mit menschlichen Urängsten vor dem Bösen - auch aus der Kindheit - fehlt«, meinte Kiefer vor dem am Mittwoch in Daun beginnenden ersten deutschen Krimiforum »Tatort Eifel«.

»An der Faszination über Gewalt und Action hat sich auch nach dem Terror am 11. September in den USA nichts geändert«, stellte Kiefer fest. Der Konsum von ruhigeren Filmen habe entgegen den Erwartungen mancher Experten nicht zugenommen. »Videotheken erleben einen wahren Ansturm auf Actionfilme, als ob jeder nach noch schlimmeren und brutaleren Bildern sucht, um das Gefühl von dem Terror-Anschlag wieder zu erleben«, sagte Kiefer.

Krieg als Unterhaltung

Besonders Jugendliche im Alter von 15 bis 25 Jahren konsumieren nach Darstellung des Filmwissenschaftlers Action-Thriller. »Damit glauben sie, Abenteuer zu erleben, die ihnen in ihrem meist eintönigen Leben sonst nicht zugänglich sind«, erklärte Kiefer. Die Filmindustrie wird nach seiner Ansicht in den nächsten Monaten das Sujet Terrorismus stärker kommerziell ausbeuten. Krieg werde weiter zur Unterhaltung beitragen - fernab realer und für die meisten erfahrbarer Erlebnisse. »Traumata werden jedoch mit der Suche nach perversem Kitzel nicht bewältigt.«

Action-Inhalte seien am einfachsten zu verstehen und versprächen daher Erfolg, sagte Kiefer. »Die Bilder vom 11. September werden bald schon vergessen sein, dann werden wir nach neuen Sensationen und Steigerungen des Schreckens suchen«, meinte er. Der Fantasie seien keine Grenzen gesetzt. »Und die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit werden auch weiter verschwimmen«, sagte der Wissenschaftler.

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