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Britney Spears: Pop-Prinzesschen piepst und strippt

Ein Popkonzert als Striptease-Show: Britney müht sich redlich mit Küssen und Korsagen die Sex-Fantasien ihrer Fans zu stimulieren. Strapse und Korsagen überdecken dabei Schwächen im Gesang.

Ein Popkonzert als Striptease-Show: Gemäß ihrem neuen Image als Sexsymbol ließ Britney Spears am Freitagabend beim Auftakt ihrer Deutschlandtournee nach und nach fast alle Hüllen fallen. Nach dem Start im hautengen Lederdress schlüpfte die 22-jährige US-Sängerin schon bald in eine Korsage und Hotpants mit Rüschen. Den Höhepunkt erreichte die Glittershow in der Frankfurter Festhalle aber erst später, als sich die Blondine nur mit Unterwäsche und halterlosen Strümpfen bekleidet mit einem halb nackten Mann auf einem Bett räkelte - zur Belohnung bekam der Tänzer dann auf offener Bühne einen Zungenkuss.

Zwei Stunden lang tanzte und trällerte sich Britney tapfer durch ihre mit Lichtspielen und Bildschirmanimationen aufgepeppte Mammut-Produktion "Onyx Hotel Tour". Fast immer war sie dabei von ihren acht Tänzern umringt, die wie ihre Chefin alle paar Lieder die Garderobe wechselten. Für die Zuschauer, die weit über 40 Euro Eintritt gezahlt hatten, entstand der Eindruck, einem stundenlangen, perfekt durchgestyltem Videoclip zuzusehen - für einen persönlichen Kontakt zwischen Star und Fans blieb kein Raum.

Doch an einer Stelle, und nur für einen kurzen Augenblick, durchbrach Spears den akribischen Ablaufplan und wandte sich, am Klavier sitzend, direkt an die Fans in der längst nicht ausverkauften Halle: "Die letzten Monate war mein Leben wie eine Achterbahnfahrt, ich habe eine Menge Höhen und Tiefen durchlebt, dazu gehörte auch Liebeskummer. Aber alle diese Erfahrungen zeigen einem doch am Ende, wie schön das Leben eigentlich ist, oder?"

Das Bekenntnis wurde mit Jubel quittiert, denn auch die Frankfurter Fans wissen genau, dass die heile Welt der Pop-Prinzessin in jüngster Zeit etwas ungemütlich geworden ist: Die Presse lästert seit Tagen über ihre Affäre mit einem bereits anderweitig verlobten Familienvater und viele Fans rätseln über ein angebliches Burn-Out-Syndrom der 22-Jährigen, das Anfang Mai zu einem Weinkrampf und fast zum Abbruch der Welttournee geführt haben soll.

22 Jahre und schon lustlos und hüftsteif

Liebe kann wehtun - dies war auch die Botschaft des ersten Songs "Toxic" aus dem aktuellen Albums "In The Zone", zu dem Spears auf dem Dach eines kleinen Busses auf die Bühne rollte. Hier wie auch während der folgenden Stücke zeigte sich aber, dass der Schwerpunkt ihrer Show auf den Tanzeinlagen liegt und weniger auf dem Gesang: Meist war ihre Stimme kaum zu hören und mehr als ein Mal bewegte sie lediglich den Mund zum Playback vom Band.

Der schlecht abgemischte Sound, aus dessen Brei lediglich die Bässe hervorwummerten, verschlimmerte diesen Eindruck noch. Auch gute Ideen, wie eine Jazz-Coverversion ihres Mega-Hits "Oops...I Did It Again", zündeten wegen der mangelhaften musikalischen Umsetzung kaum.

Den Fans blieb jedoch der visuelle Genuss einer äußerlich makellosen Ikone, die sich in tausend und einer Popstar-Pose feiern ließ. Doch blieb auch hier bei einigen Tanzeinlagen der Eindruck hängen, dass Spears trotz ihrer 22 Jahre etwas lustlos und hüftsteif agierte. Vielleicht zeigt sich darin die aufkeimende Widerborstigkeit eines seit ihrer Kindheit auf Karriere getrimmten "All-American-Girl".

Torsten Holtz/AP