ELEKTRO Moby - Dick im Geschäft


Mit seinem neuen Album »18« begeistert der US-Musiker Moby nicht nur Fans - vor allem die Werbeindustrie liebt seine eingängigen Elektro-Melodien.

Kennen Sie dieses sympathische, konturlose Bubigesicht mit Glatze da auf dem Bild? Noch nie gesehen? Aber gehört haben Sie den Mann mit Sicherheit schon einmal - seinen Songs kann man nicht entkommen, denn sie laufen im Fernsehen, im Kino, beim Friseur im Kaufhaus und auch abends in der Cocktailbar.

Mehr als Fahrstuhlmusik

Der amerikanische Musiker Moby komponiert Popsongs, die so unauffällig wirken wie er selbst. Patchworks aus Soul- und Blues-Samples, die von modernen House-Beats angetrieben werden. Es gibt Menschen, die so etwas »Fahrstuhlmusik« nennen, aber damit würde man Moby, der eigentlich Richard Melville heißt und dessen Ururgroßonkel tatsächlich der Schriftsteller Herman Melville (»Moby Dick«) war, nicht gerecht werden. Denn der 36-Jährige ist mehr als nur ein Lieferant für das Hintergrundrauschen im Supermarkt.

Laptop-Star

Moby repräsentiert einen neuen Typus von Popstar - er ist Produzent, Sänger und Komponist in einer Person. Eine Art Laptop-Star, der am Rechner daheim seine Musik im Alleingang produziert und das fertige Produkt der Plattenfirma dann zur hemmungslosen Vermarktung überlässt.

Konzept aufgegangen

Im Falle von Moby ging dieses Konzept hervorragend auf: Alle 18 Songs seines letzten Albums »Play« waren in Kinofilmen wie zum Beispiel »The Beach« oder in Werbespots von Microsoft zu hören. Das Album selbst verkaufte sich weltweit zehn Millionen Mal - ein sensationeller Erfolg für einen wie Moby, der sich zuvor jahrelang als Techno-DJ mit Auflagen von 150 000 CDs begnügen musste.

»Beim Komponieren nicht an Cornflakes denken«

Klar, dass große Erwartungen auf ihm lasten, wenn jetzt das Nachfolgewerk »18« erscheint. »Es war gar nicht so leicht«, scherzt Moby, »beim Komponieren nicht an den neuen Volkswagen oder Cornflakes zu denken.« Trotzdem klingt auch »18« wieder einmal wie der Traum von Komponisten für Filme und Werbeclips: hochpolierter Elektro-Pop mit allzu eingängigen Gesangsmelodien für ein Lebensgefühl irgendwo zwischen FDP und einem jährlichen Last-Minute-Urlaub auf Ibiza.

Vermarktung kann beginnen

Die Vermarktung in Film, Werbung und Kino kann nun also wieder beginnen. Die britische Musikzeitschrift »New Musical Express« stellte vorab bereits eine Liste von Produkten zusammen, für die Mobys Musik dieses Mal werben könnte: Haribo-Gummibärchen, Nike-Turnschuhe, Heinz Baked Beans und das BigMäc-Menü von McDonald's. Letzteres wird Moby vielleicht nicht so sehr erfreuen - immerhin ist der Mann seit seiner Jugend bekennender Veganer.

Hannes Ross


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