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ELEKTRO-POP: DONNA REGINA: Northern Classic

Donna Reginas siebte Scheibe bringt das Blut nicht zum Kochen, aber die Sinne zum Schweben. »Northern Classic« lädt ein zu einer kühlen Reise ins Zentrum der Entspannung.

Eiswasserblau und Schwarz – auf diese Farbkombination beschränkt sich das Layout. Der verträumte Blick eines jungen Mädchens verlässt das Cover. Ein bläulich glänzender Meeressilberling füllt die Hülle. Man meint, diese Beschreibungen der äußeren Ästhetik hätten keine Aussagekraft für eine CD-Kritik. Nicht so bei Donna Reginas neustem Werk »Northern Classic«. Die Stimmung trifft den Stil der CD – kühl, klar und entspannt. Selten hatte der sanfte Trip-Hop oder Elektro-Pop eine klarere Botschaft: Keine Drum and Bass-Experimente, keine avantgardistischen Ausflüge zum House. Träumen sollt ihr!

Vorfreude auf den Frühling

Erster Garant für bestes Schwebegefühl ist Regina Janssens sphärische Stimme. Sie lädt ein zu einer Reise über die Wolken, wenn ihr Gesang über die dezenten Beats und Bassschleifen gleitet. Regina bildet eine perfekte Einheit mit ihrem Mann und kongenialen Partner Günther Janssen. Wie eine zarte Knospe pflegt er ihren Gesang mit allerlei elektronischem Dünger. Es entsteht ein Strauch voller liebevoll herangezogener Songblüten, deren Duft keine Party zum Kochen bringt. Nein, sie verzaubern an grauen Wintertagen, wenn schon ein Sonnenstrahl ausreicht, um sich auf den Frühling zu freuen. Besonders gut gelingt das bei »Let?s Get Slow«, dem Titel-Song und bei »When I Was Younger«.

Das Duo tritt bei weitem nicht als Neueinsteiger auf die Ton-Bühne. Bereits 1992 ist ihr erstes Album »Lazing Away« herausgekommen. Sechs weitere Werke sollten folgen. Seitdem konnten sich die beiden Sound-Virtuosen einer kleinen, dennoch stetig wachsenden Fan-Gemeinde erfreuen. Ihre größten Erfolge feierten sie aber nicht in Deutschland sondern im fernen Japan, wo elektronische Musik schon lange einen massentauglichen Status erreicht hat. Ausschlaggebend war sicherlich ein Nissan-Werbespot, der mit den Klängen von Regina und Günther unterlegt wurde. Wer würde nicht gerne mit seinem Auto schweben?

Wunderbarer Elektro-Pop

Mit »Northern Classic« sollte ihnen jetzt auch der endgültige Durchbruch in Europa gelingen. Zahlreiche ältere Remixe - etwa von Herbert oder Mouse On Mars - zeugen von der Ehrerbietung, die ihnen aus der Musik-Szene bereits seit längerem entgegenschlägt. Nun scheint ihnen auch der Weg zu einer breiteren Zuhörerschaft geebnet, erfreut sich Elektro-Pop doch steigender Beliebtheit. Bereits letztes Jahr haben Lali Puna und Björk Fans und Kritiker mit wunderschönen Produktionen verwöhnt. Damit wären wir auch beim einzigen Kritikpunkt angelangt: Revolutionär ist das Album von Donna Regina nicht, aber wunderbar umgesetzt.

Philip Stirm

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