HOME

FESTIVAL: Jazz in der Elb-Metropole

Diesen Donnerstag beginnt in Hamburg das alljährliche JazzPort Festival - jünger, flotter und mit handverlesen Stars. Neben den Indie-Göttern PJ Harvey und den Tindersticks spielen noch Größen wie Morcheeba, Gilbeto Gil oder Ben Harper auf.

Was tut ein gut eingeführtes Jazzfestival, um im zwölften Jahr seines Bestehens eine neue Besucherschicht zu erschließen? Ganz einfach: Es verjüngt sein Programm drastisch. So gerade geschehen beim Technics JazzPort Festival in Hamburg, das wieder vom 05. bis 13. Juli vor den Hamburger Deichtorhallen stattfinden wird. Tatsächlich liest sich auch das Programm wie eine Grätsche zwischen Altbewährtem und Neuem. Den Eröffnungstag bestreiten Talvin Singh - seines Zeichens begnadeter Tabla-Spieler und aktueller Favorit der Londoner Ambient-Szene - und Morcheeba. Diese Wegbereiter des TripHop haben mittlerweile die düstere Schwere ihrer Musik zugunsten eines leichtfüßigen Funk-Pops eingetauscht. Ein Erlebnis sind sie allemal - schon wegen der unnachahmlichen Stimme von Skye Edwards. Als Hommage an den grassierenden Cuba-Boom kann der Auftritt von Marc Ribot y los Cubanos Postizos gewertet werden. Ursprünglich bekannt aus dem Dunstkreis um Tom Waits oder John Lurie wird er mit seiner akustisch besetzten Combo am 06. Juli mit unnachahmlicher Coolness die Hüften rotieren lassen. Von Rae & Christian, welche den zweiten Teil des Abends bestreiten, darf man dann Großstadt-Soul erwarten, der Herz und Bein gleichermaßen bedienen wird. Samstag zündet dann ein veritabler Kracher: PJ Harvey, die Meisterin der theatralischen Live-Performance. Eigenwilliger Gesang, eigenwilliger Gitarrenstil und eigenwillige Outfits zementierten ihren Ruf als Konzertereignis. Dabei ist ihre Musik von einer urbanen Lässigkeit, die nicht nur Fans, sondern auch Kollegen und Duett-Partner wie Nick Cave ins Schwärmen bringt. Zur Einstimmung auf den Hauptact werden übrigens Mo Solid Gold in klassischer Motown-Manier ihren New Gospel-meets-Rock-meets-Soul anstimmen. Sonntag folgt mit den Tindersticks schon das nächste Highlight des Festivals. Die Männer um Sänger Stuart Staples spielen langsam - sehr langsam - eigentlich gaaaanz langsam. Und in dieser Langsamkeit kann man sich verlieren. Emotionen brechen auf, brechen weg, hypnotisieren einen. Einzigartig, wie das Sextett aufeinander eingespielt ist. Wunderschön, wie die Melodien orchestriert sind. Einfach ein Leckerbissen - übrigens auch optisch! Ebenso einmalig dürfte auch das Zusammenspiel der beiden großen Männer der Musica Popular aus Brasilien sein: Gilberto Gil & Milton Nascimento werden am Montag den Besuchern auf ihrem einzigen Deutschlandkonzert ein wenig südamerikanische Lockerheit nahebringen. Beide Musiker begannen ihre steile Karriere Anfang der 60er in Bahia und Minas Gerais, bei beiden liegen die Wurzeln im BossaNova. Und wenn man den Andrang auf die Karten berücksichtigt, könnten die beiden glatt eine ganze Woche durchspielen. Am 10. Juli entert dann Ben Harper samt den Innocent criminals die Bühne für sein einziges Gastspiel auf deutschem Boden. Seine unaufhörlich wachsende Fangemeinde begeistert vor allem die Musikmischung aus Blues, Rock, Folk, Soul, Jazz - und auch HipHop! Das alles vorgetragen von einer der sanftesten, samtigsten Stimmen überhaupt: intensiv, groovy, feurig und beschaulich zugleich... Mittwoch mischt Nils Petter Molvaer die Zuhörerschaft auf - nicht umsonst hat er sowohl in der Jazzszene als auch in den angesagten Dancefloor-Clubs für Furore gesorgt. Der Norweger fand schon beim letztjährigen Festival so viele Anhänger, dass man offenbar nicht umhin konnte, ihn nochmals einzuladen. Bill Laswell wird dann am 12. Juli aufspielen. Mit seiner Band »Material« noch Vertreter des FreeFunk ist er mittlerweile nebenbei einer der meistbeschäftigten Produzenten seines Genres: Bob Marley, Miles Davis, Herbie Hancock und Laurie Anderson - alle haben sie mit ihm gearbeitet. Trotzdem lässt es sich Laswell nicht nehmen, regelmäßig selbst auf die Bühne zu steigen und eine Handvoll Gastmusiker um sich zu versammeln, um ein Jazz-Feuerwerk der Extra-Klasse zu zünden. Zum Ausklang des zehntägigen Festivals tritt Blues-Legende und Clapton-Freund Robert Cray auf. Der bekennende »sixties soul loverman« wird mit seinem Quartett in bester »dirty« Memphis-Tradition auftreten und für einen relaxten Schlussakkord sorgen. Karin Spitra