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Rock-Hypnose: Radiohead in Montreux im Spielrausch

Thom Yorke drückt mit seinem klagenden und trauernden, dann wieder in Wut und Zorn umschlagenden Gesang das Lebensgefühl seiner Generation wie nur wenige sonst aus.

Thom Yorke hat der Ausflug nach Montreux gefallen: "Nice to be here, isn’t it?" sagte er in seiner Begrüßung zum Radiohead-Konzert am Samstagabend. Viel mehr Ansagen kamen nicht mehr, dafür aber ein mehr als zweistündiges Konzert, in dem sich Radiohead in einen Spielrausch steigerten. Und nicht nur eine, sondern sogar zwei Zugaben vor einem restlos begeisterten Publikum gewährten. Bis zu 3.500 Zuschauer passen in das Auditorium Stravinsky. Bei Radiohead standen die Leute bis in die Gänge davor. Für einen guten Stehplatz in der ersten Reihe hatten sich die ersten Fans schon gegen 16.00 Uhr - fünf Stunden vor Konzertbeginn - vor der Absperrung in der Eingangshalle niedergelassen.

Yorke im Mittelpunkt

Sie sollten nicht enttäuscht werden. Radioheads Experimente von Alternative bis Electronic haben der Band ein breites Fundament für nach den Regeln der Rockmusik perfekte Konzerte gegeben. Ob die neuen Stücke vom Album "Hail To the Thief", von dem der Opener "2+2=5" gleich als zweites Stück kam, ob die "Hits" von "Ok Computer", frühe Rocksachen der 1991 gegründeten Band oder die elektronischen Eskapaden von "Kid A" und "Amnesia": Im zweistündigen Konzert fügten sich die unterschiedlichen Teile wie in einem Puzzle zusammen. Yorke, der Texter mit dem exzentrischen lyrischen Ich, stand unbeschritten im Mittelpunkt, während die Rhythmusabteilung von Colin Greenwood (Bass) und Phillip Selway (Schlagzeug) noch treibender als von den Tonkonserven kommt. Die beiden Gitarristen Edward O’Brien und Jonathan Greenwood waren auch für die elektrische Abteilung im weitesten Sinne zuständig.

Das Lebensgefühl seiner Generation

Yorke drückt mit seinem klagenden und trauernden, dann wieder in Wut und Zorn umschlagenden Gesang das Lebensgefühl seiner Generation wie nur wenige sonst aus. Die Musik bewegt sich zwischen Rock, Hypnose und Trance, zwischen der Hitze des Rhythmus’ und einer im Gefiepe von electronic devices dargestellten automatisierten Welt, in der sich das Individuum verlieren kann. Aber aus jedem Kampf mit der elektronischen Unterwelt tauchen Radiohead immer wieder mit einer traumhaft schönen Sequenz auf. "Es kommt darauf an, dass man was macht", sagt Yorke zu einem Lied, in dem er zum Kampf gegen den Faschismus auffordert. "Sonst..."

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