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Shakira: "Ich würde vieles anders machen"

Shakira kennen wir als die Frau, die sich auf MTV mit Erdöl übergießt. Im NEON-Interview spricht sie über Stolz und Politik, Rebellen und Milizen - und darüber, wohin es führt, wenn ein Land drei Millionen Kinder nicht zur Schule schickt.

In einer kolumbianischen Zeitung huldigte der Nobelpreisträger Gabriel García Márquez Ihrer "unschuldigen Sinnlichkeit" - und schwärmte, dass "niemand so singen und tanzen kann". Warum werden Sie dort dermaßen verehrt?

Keine Ahnung. Ich weiß auch gar nicht, ob Sie nicht etwas übertreiben. Was mich mit Stolz erfüllt, ist einfach, wenn ein Lied von mir gespielt wird, in dem ich auf Spanisch singe. Vor allem, wenn es auf einem englischsprachigen Radiosender läuft. Dann ist es, als würden tausend freundliche kleine Hände über meinen Rücken krabbeln, und mein Herz schlägt unheimlich schnell.

Warum, meinen Sie, eint gerade Ihre Musik so viele Menschen?

Ich glaube, die Leute spüren, dass ich ein wirklicher Mensch bin, der versucht, es so aufrichtig wie möglich durch den Tag zu schaffen. Das kommt zum Beispiel dadurch zum Ausdruck, dass ich mich nicht für Mode interessiere. Ich bin kein Model. Das mögen die Menschen.

Dabei ist Ihr Gesangsstil recht eigenwillig - in Deutschland wurde er bisweilen als "Jodeln" bezeichnet. In einem Ihrer Videos übergießen Sie sich sogar bauchtanzend mit Erdöl, um eine Horde Büffel zum Rasen zu bringen. Und damit sollen sich so viele Menschen identifizieren können?

Es gibt fünfhundert Millionen Hispanics auf der Welt, und nur wenige haben es in wirklich erfolgreiche Positionen gebracht. Ich glaube, dass sich diese Gemeinschaft einfach über eine junge Frau aus ihren Reihen freut, die auf der ganzen Welt bekannt ist. Und ja, ich liebe den Bauchtanz. Das Bauchtanzen ist mein bevorzugtes Fortbewegungsmittel.

Wenn Sie eine Sache an der kolumbianischen Gesellschaft verändern könnten, was würde das dann sein?

Eine Sache? Sie sind ja verrückt! Ich würde vieles anders machen. Zuerst würde ich drei Millionen Kinder in die Schule schicken. Wenn in einem Land wie Kolumbien drei Millionen Kinder außerhalb eines Schulsystems leben, dann weiß ich nicht, ob man überhaupt von einem Schulsystem sprechen kann. Und ich würde ihnen zu essen geben, mit leerem Magen kann man nicht lernen. Das würde ich machen. Das ist mein größter Traum. Nur gibt es bei der Verwirklichung dieses Traums leider ein Problem - niemand denkt an die Kinder. Kinder, das ist etwas, wovon sie selten sprechen, die gelehrten Herren Soziologen und Anthropologen. Sie sprechen über die Drogen und die Waffen, über den Bürgerkrieg und die Gewalt. Dass Millionen und Abermillionen Kinder im Kreuzfeuer der rechten und linken Milizen im Bürgerkrieg sterben, und das seit vierzig Jahren, dass wir es in Kolumbien mit der drittgrößten humanitären Katastrophe der Welt zu tun haben, neben dem Kongo und dem Sudan, dafür scheint es keine Öffentlichkeit zu geben.

Sie könnten diese Thematik in Ihren Songs verarbeiten. Sie könnten Ihrem Publikum viel mehr davon erzählen.

Und Sie würden sich im Ernst mit dieser jungen Frau aus Kolumbien treffen und ein Interview mit ihr führen, wenn ich in meinen Videos nicht mit dem Po wackeln würde, sondern über die Gewalt, die Ungerechtigkeiten, die Krankheit und den Tod singen würde, die mein Land prägen?

Das vollständige Interview ist in der aktuellen Ausgabe von NEON nachzulesen, dem jungen Magazin vom stern

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