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The Thrills: Die Rückkehr des kalifornischen Sommers

Vor zwei Jahren überraschten die Thrills mit lauter luftigen Sixties-Popsongs. Auf ihrem neuen Album "Let's Bottle Bohemia" haben die Iren die sommerliche Stimmung des Debüts auf wundersame Weise konserviert.

Von Carsten Heidböhmer

War das ein Sommer, im Jahre 2003! Manch einer sprach gar vom Jahrhundertsommer. Wohl dem, der die richtige Musik am Start hatte. Den Soundtrack zu dieser Jahreszeit lieferte eine damals noch unbekannte Band namens The Thrills. Fünf junge Iren stellten sich damals - mit Unterstützung von Ex-Smith-Sänger Morrissey - erstmals der Öffentlichkeit. Doch ihre Musik klang weder irisch, noch ließ sie Verwandtschaft zu dem Misanthropen Morrissey vermuten. Es schien vielmehr, als hättendas Quintett auf "So much for the City" die Essenz eines kalifornischen Sommers direkt auf Platte gepresst. Hier ein Schuss Beach Boys, da eine Prise Byrds, dazu viel eigene Kreativität und Begeisterung, und fertig war ein frisches Album, das direkt ins Herz ging. Die Songs aus der Feder von Sänger Conor Deasy bewiesen eine für dessen Jugend weit fortgeschrittene Reife und Stilsicherheit.

Unbekümmert wie beim ersten Mal

Die Messlatte für den Nachfolger lag also denkbar hoch. Doch den fünf Iren gelang das kleine Wunder, die hohen Erwartungen einfach auszublenden und unbekümmert ans Werk zu gehen, als würden Sie ihr Debütalbum ein zweites Mal abliefern. Manch einer mag jetzt fehlende Innovationen bemäkeln und einwenden, die Band trete auf der Stelle. Dieser Vorwurf trifft tatsächlich in Schwarze, doch wer verlangt angesichts der zehn wundervollen Songs auf "Let's Bottle Bohemia" nach Weiterentwicklung?

Prominente Mitstreiter


Vom ersten Song an verströmt das Album die Fröhlichkeit und Leichtigkeit, die schon die erste Platte auszeichnete. Allein die Single-Auskoppelung "Whatever Happened To Corey Haim?" besitzt derart starke Ohrwurmqualitäten, dass einen die Musik auch dann noch begleitet, wenn der CD-Player schon lange ausgeschaltet ist. Die Band hat auch prominente Mitstreiter gewinnen können: R.E.M.-Mitglied Peter Buck trug zu zwei Titeln Gitarre und Mandoline bei. Der große Van Dyke Parks, der mit Brian Wilson an dem legendären "Smile" arbeitete, stellte bei einem Stück seine Arrangierkünste zur Verfügung und griff ein anderes Mal zum Akkordeon.

Einzig auszusetzen an dieser Platte ist das Cover: Ein Skelett mit Cowboyhut und Gitarre auf uringelbem Grund - nicht einmal Guns'n'Roses zu ihren besten Zeiten hätten das gebracht. Aber wer erwartet schon Perfektion von Menschen, die den lieben langen Tag vom kalifornischen Sommer träumen?

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