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TV-Tipp 25.10.: "20 Jahre Feste - Silbereisen feiert": Schunkeln, bis der Notarzt kommt

Sie können es kaum erwarten, bis "The Walking Dead" am Montag endlich weitergeht? Dabei beginnt der wahre Horror schon heute Abend - mit "20 Jahre Feste - Silbereisen feiert". Unser TV-Tipp des Tages.

Kleinkariert? Aber der Florian doch nicht!

Kleinkariert? Aber der Florian doch nicht!

"20 Jahre Feste - Silbereisen feiert" 20.15 Uhr, ARD
HORROR Das Schreckliche, das Grausame, übt eine seltsame Anziehungskraft auf den Menschen aus. Wir gehen allein in dunkle Höhlen, obwohl uns jeder Instinkt davon abrät. Wir bezahlen auf dem Rummel viel Geld dafür, uns von Menschen in schlechten Kostümen erschrecken zu lassen. Wir gehen in Kinofilme, in denen Menschen andere Menschen foltern, ihnen Stück für Stück ihre Gliedmaßen abtrennen.

Dabei lauert der wahre Horror im Öffentlich-Rechtlichen: Wenn ich mal wieder richtig Gänsehaut spüren will, schalte ich "Die Feste mit Florian Silbereisen" ein. Nicht die Parodie von "Switch Reloaded", das schunkelnde, trällernde, dauergrinsende Original. Der Mann macht mir Angst, mehr Angst als Sauron, Freddy Krueger und Sadako es gemeinsam jemals könnten. Das hat auch viel mit Konfrontationstherapie und der eigenen Vergangenheit zu tun.

Schunkeln als Normalzustand

Ich bin in einem Volksmusikhaushalt sozialisiert worden. Als ich meine allererste CD von Uromi geschenkt bekam, prangte ein Perlweiß-grinsender Roy Black darauf. Namen wie Patrick Lindner, Marianne und Michael, Die Wildecker Herzbuben oder Stefan Mross waren mir geläufiger als Elvis, Kurt Cobain oder Campino. Schunkeln hielt ich noch weit bis in die Pubertät hinein für eine sozial akzeptierte Form des Musikgenusses.

Meine Eltern musizierten zwar nicht selbst, trugen auch keine seltsam berüschten Kleider und Lederhosen - aber sie hörten hin und schauten zu. Wann immer das "Musikantenstadl" lief, saßen sie (und damit auch ich) vor der Mattscheibe. Den Rest der Volksmusikindoktrination erledigte "NDR 1 - Radio Niedersachsen". Bis heute könnte ich den Text von "Hallo, Frau Nachbarin" Wort für Wort mitsprechen. Schon komisch, wie selektiv so ein Gedächtnis funktioniert.

Es brauchte ein paar gute Freunde vom Gymnasium und das Internet, um zu begreifen, dass dort draußen in der Welt noch andere Musik herumschwirrte. Musik, die auch ohne Dirndl, Trompete und Heimatschmalz funktioniert. Aber jedes Mal, wenn ich Florian Silbereisen sehe, immerhin mein Altersgenosse, führt mein Kopfkino diesen Film von "Jens, dem Gamsbart tragenden Dauerschunkler" auf. Und das ist wirklich der schlimmste Horrorfilm ever.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Pink Floyd"
21.45 Uhr, Arte
MUSIKDOKU „The Story of ,Wish You Were Here‘“. 1975 entstanden, gilt das Album als Hommage an Syd Barrett, der durch Drogen so fertig war, dass er Pink Floyd 1968 verließ. Sein Freund David Gilmour sprang ein. Hier berichten die Musiker u. a. von einer letzten Begegnung 1975. (bis 22.55)

"Space Tourists"
22.30 Uhr, Phoenix

DOKUMENTARFILM Während eine US-Milliardärin ins All startet, suchen kasachische Schrotthändler vom Himmel fallende Raketenteile, um sie nach China zu verkaufen. Geschichten über den Zusammenprall zweier Welten mit tollen Bildern vom verwaisten Raketenbahnhof Baikonur. (bis 23.50)

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