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"Bauer sucht Frau": Verfressen und verliebt

Allerhand schlechte Vibes diesmal auf den RTL-Bauernhöfen: Der "rüstige Hühnerwirt" wird von Zickenterror heimgesucht, und sein attraktiver Schweine-Kollege ist wieder allein mit Sau und Eber. Cholesterin-Bombe Georg dagegen hat sich in "Bauer sucht Frau" eine fette Portion Glück abgeschnitten.

Von Dirk Benninghoff

Hansi, der Hühnerwirt, hätte in Würde altern können. Wahrscheinlich war er früher mal ein kerniger Bursche und hat sich sexuell einigermaßen ausgelebt. Mit 57 wurde er dann geschieden. Der Liebes-Zug ist dann auf dem Land gemeinhin schon abgefahren, die Auswahl an adäquaten Partnerinnen gering. Da hätte sich der Landwirt also in aller Ruhe in seinen Gemüsegarten und zu seinen 150 Hühnern zurückziehen und seine hausgemachte Wurst mümmeln können. Stattdessen meldete sich der rüstige Hansi bei "Bauer sucht Frau".

Gestern konnten sich nun Millionen Menschen davon überzeugen, dass Hansi das Falsche gemacht hat. Denn der unentschlossene Nimmersatt hatte sich gleich zwei "Mädels" auf die Farm eingeladen. Eine davon, Ulla, entpuppte sich als dermaßen übellaunig, dass sich dem Gastgeber, der doch auf der Suche nach einer "fröhlichen" und "lebenslustigen" Frau ist, der Magen umdrehte. Hühner sehe sie am liebsten auf dem Grill, prustete die rothaarige Furie, aß statt hausgemachter Wurst lieber Meeresfrüchte ("Das ist kein Tintenfisch, das sind Calamaris") und nötigte mit ihrem Verhalten Konkurrentin Marianne gar zu Heulkrämpfen. Die fürchtete in schlimmster Not gar einen Mord. Sie hat Glück gehabt: Nach den Tintenfischringen quartierte sich Ulla selber aus.

Ohnehin war es der Tag der Auszüge. Auch Katharina, beim "attraktiven Schweinebauern" Torsten zu Gast, zog die Reißleine. Die bäuerlichen Späße waren so gar nicht nach dem Geschmack der Pädagogin, die wie bei Lehrern üblich auch mit 30 noch nach dem rechten Zugang zum Humor sucht und zudem ein etwas anderes Verhältnis zum Nutztier hat als ihr potenzieller Partner. Erst will sie sich nicht auf ein ausgewachsenes Schwein setzen, dann ist sie schlichtweg "schockiert", als Bauer Torsten lapidar erklärt: "Reif für den Schlachter." Folgen der Dissonanzen zwischen Stadt und Land: Großes Finale am See, Aussprache, Torsten "einfach nur wütend", Katharina weg.

Während Staffel-Star Schäfer Heinrich die übliche Mixtur aus linkischen Bewegungen und unbeholfenen Kommentaren liefert und Gast Anja offenbar heillos überfordert, klappt es wenigstens bei einem Paar. Das ist für eine solche Sendung schon viel und wird naiven Zuschauern – und davon wird es unter siebeneinhalb Millionen wohl eine ganze Menge geben – als Beleg dafür dienen, dass Shows wie "Bauer sucht Frau" eben doch Gefühle vermitteln und scheinbar aussichtslosen Fällen Hoffnung geben.

Denn Allesfresser Georg ist sicher einer der inkompatibelsten Fälle der aktuellen Staffel. Fett, verfressen, unsensibel, hohl, egoistisch, reaktionär - der unattraktive Nordhesse vereint alles, was einen Mann von den sexuellen Futtertrögen des Lebens ausschließt. Doch er hat Glück und Hofgast Carola offenbar überhaupt keine Ansprüche oder höchste soziale Not. Nachdem man beide eigentlich nur beim Futtern gesehen hat - beim großen Finale tischt sie ihm etwa 20 Frikadellen zum Mittag auf - verabschieden sich beide küssend. Dick sind sie und ganz dicke miteinander. Der clevere Attraktive scheitert, der dumme Dicke findet sein Glück. Immerhin: Für manche Zeitgenossen sicher eine schöne Botschaft.

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