Eine tote Frau in der Badewanne, eine Blume auf dem Fensterbrett - und endlich doch noch eine Lösung für ihren ersten Fall? Im "Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen" (15. Februar um 20:15 Uhr im Ersten) gehen die Kommissare Henry Koitzsch (Peter Kurth, 68) und Michael Lehmann (Peter Schneider, 51) zum dritten und letzten Mal auf Verbrecherjagd. Und offenbar wollen die beiden keine offenen Fragen zurücklassen: Der Krimi nimmt sehr gelungen Rückbezüge auf ihre erste Folge "An der Saale hellem Strande" aus dem Jahr 2021.
Darum geht es im "Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen"
Koitzsch und Lehmann werden zu einer Toten in der Badewanne gerufen. War es tatsächlich der klassische Stromschlagunfall, nachdem ein Radio ins Wasser gefallen ist? Natürlich nicht, denn zahlreiche Indizien weisen darauf hin, dass hinter dem Tod der alten Dame ein Verbrechen steckt. Dazu zählt auch die Blume auf der Fensterbank der Ermordeten, die Kommissar Koitzsch an den Mord an Uwe Baude aus dem Fall "An der Saale hellem Strande" erinnert. Der Mann war vor seiner Haustür erstochen worden, ein Täter konnte trotz umfangreicher Befragungen nicht ermittelt werden.
Koitzsch vermutet jetzt, dass hinter beiden Morden ein Serientäter stecken könnte. Den Zusammenhang sieht er in der Einsamkeit der beiden alleinstehenden Opfer. Außerdem stoßen Kollege Lehmann und er noch auf weitere Taten, die dazu passen könnten. Eine Verbindung könnte aber auch Uwe Baudes Ex-Liebschaft Katrin Sommer (Cordelia Wege, 49) sein, die sie schon im ersten Fall in Atem hielt und sich jetzt selbst beobachtet fühlt. Koitzsch inhaftierter Freund bringt ihn dann auch noch auf die Spuren der Legende des "Schlüsselmachers", die bis in die DDR zurückführt. Allerdings ist auch der Kommissar selbst seit Jahren einsam - und befindet sich deshalb in großer Gefahr.
Lohnt sich der Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen"?
Auf jeden Fall. Und am besten direkt den ersten Fall auch noch mal anschauen! Peter Kurth und Peter Schneider verkörpern ihre beiden Kommissare so wunderbar eigenbrötlerisch und doch liebenswert, dass das Zusehen eine helle Freude ist. Henry Koitzsch in der Trostlosigkeit seines Seins zuzusehen, mal weinend, mal stoisch, ist schmerzhaft menschlich. Dann kann man sich auch damit abfinden, dass die beiden Nuschler manchmal schlecht zu verstehen sind.
Dass der Fall den bislang ungeklärten ersten Mord der Ermittler wieder aufgreift, dürfte alle Gegner von offenen Enden extrem freuen. Drehbuchautor Clemens Meyer hat die drei Filme mit ihren Figuren und Handlungen sehr geschickt miteinander verknüpft und findet so auch für den bislang ungelösten ersten Fall noch Antworten. Wie in den vergangenen Folgen wird auch die Stadt Halle selbst zum Spielpartner der Kommissare und bietet ihnen ob in Detailaufnahme oder Totale eine perfekte Heimat.
Man kommt nicht umhin, sich bei den halleschen "Polizeirufen" an den viel gefeierten "Tatort: Borowski und der stille Gast" (2012) sowie die beiden Nachfolger mit Lars Eidinger (50) in der Hauptrolle zu erinnern. Das liegt nicht nur an der Trilogie und den Rückbezügen, sondern natürlich auch am Inhalt: ein Serienkiller, der still und heimlich in die Wohnungen seiner Opfer eindringt - und für den Kommissar selbst sehr gefährlich und nicht zu fassen ist. Dennoch ist der "Polizeiruf" aus Halle kein Abklatsch, sondern eine ganz eigene spannende Geschichte mit eigener Dynamik, eigenem Reiz und eigenen Geheimnissen.
Die melancholische Grundstimmung des Falls passt gut zu dem Fakt, dass man sich nach den beiden erwähnten Folgen und "Der Dicke liebt" von 2024 schon wieder von Kurth und Schneider verabschieden muss. Ihr Auftritt in der Sonntagskrimi-Welt sei von Anfang an als Trilogie ausgelegt gewesen, erklärte der MDR, auch wenn die beiden Schauspieler das etwas anders sehen und selbst gerne weitermachen würden. Jetzt ziehen sie also von dannen - und man wird Koitzsch und Lehmann nicht nur in Halle an der Saale schmerzlich vermissen.