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TV-Kritik "Let’s Dance" - Wechselschritt und Zungenkuss

Patricija Belousova strahlt, sie hat Micky Krause abbekommen.
Patricija Belousova strahlt, sie hat Micky Krause abbekommen.
© Andreas Rentz / Getty Images
Endlich macht zu Hause bleiben wieder Spaß, das Motto beim Auftakt zur neuen Abtanzball-Staffel auf RTL. Jorges Haare, Llambis loses Mundwerk, dazu die milde Motsi und Kandidaten zwischen Schränkeschieben und Siegesambitionen - die 14. Staffel von "Let’s Dance" ist aus dem Stand auf Betriebstemperatur.

Ein gutes Jahr ist es her, da ließ sich am Verlauf der ersten "Let’s Dance"-Folgen von Staffel 13 der anschwellende Bannstrahl der Pandemie ablesen. Die ersten Shows hatten unter normalen Bedingungen stattgefunden, mit der vierten Sendung schließlich zunächst Zuschauer-Reduzierung, danach wurde vor völlig leerem Saale weitergetanzt. Mit Beginn der 14. Staffel ist vom morbid-exotischen Novum mit Plexi-Wänden, leeren Stuhlreihen und trotzigem "Wir ziehen das weiter durch" kaum noch etwas zu spüren, Geistershows gehören mittlerweile zum Alltag. Und mit eben jener Selbstverständlichkeit gerät der Auftakt, die "Kennenlern"-Show, zu einem Selbstgänger ohne Selbstzweifel. Hinein ins Vergnügen. Der Kongress tanzt. Und mit ihm die neuen Kandidaten.

Das Prozedere ist traditionell ein Warmlaufen für alle Beteiligten, die einen schneller, andere etwas langsamer im Akklimatisieren. Einer, der grundakklimatisiert ist, wie gewohnt: Jorge Gonzalez, diesmal in einer Art gelb-rotem Kimono-Anzug, dazu ein Staubbürsten-Scheitel mit Dutt, eine Mischung aus Swiffer und im Halbschlaf selbstgeschnittenem Pony. Beisitzer Joachim Llambi setzte auf Glam und silbermetallic, Motsi Mabuse in gewohnt klassisch-edler Optik.

Joachim Llambi über Let's Dance

Fast so schön wie "Bauer sucht Frau"

Mögen die kommenden Runden in zunehmend strikteren Bahnen verlaufen, so ist diese Kennenlern-Sause das Pendant zum ersten Scheunenschwof bei "Bauer sucht Frau". Vierzehn frische Kandidaten sind es zum Auftakt, da geht nicht viel mehr als schlaglichterndes Eindrücke-Sammeln. Rúrik Gíslason hat mal bei Sandhausen gekickt, ist bei dieser Show "weit weg von seiner Komfortzone" und sieht mit offenen Haaren aus wie David Garrett ohne Geige. Valentina Pahde tänzelt sonst durch "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", holt mit 21 Punkten am Ende nicht nur die beste Wertung beim Gruppentanz, sondern schwitzt aus jeder Pore Siegeswillen aus. Ilse DeLange, 2014 mit den Common Linnets für die Niederlande beim ESC angetreten, im letzten Jahr bei "Sing meinen Song" dabei, sieht es entspannter. Sie sei "kein Glamourgirl" und überhaupt, "Treppe, Treppe, Treppe und dann auch noch sexy gucken", so leicht ist das ja nun nicht.

Auf die Gruppe Cha-Cha-Cha folgte die Tangotruppe, ein vogelwild durchmischter Haufen mit Auma Obama, der Schwester des einstigen US-Präsidenten, ihr Motto "Man lebt nur einmal". Dazu Boxer Simon Zachhuber, der sich zur Vorbereitung gerade erst "Dirty Dancing" angeguckt hat und das Boxenluder a.D, Kai Ebel. Ein Mann mit klaren Vorstellungen von seiner zukünftigen Partnerin: "Appetit und Durst muss die Tänzerin mitbringen, der Rest ist egal". Nun denn, musikalisch ist Ebel ähnlich klar visioniert: Heavy Metal, NDW und wenn es gut läuft, auch mal das Lied der Schlümpfe. Ebel kommt wie gewohnt in Klamotten, die den Geissens zu schrill wären und tanzt am Ende wie ein nasser Sack am Hang, kurzum: Hoffentlich bleibt der Mann dieser Show noch ein paar Runden erhalten.

Alles, was Spaß macht

In der Salsa-Gruppe mit Moderatorin Lola Weippert, Model Kim Riekenberg und Ex-Monrose-Mitglied, jetzt Spiegel-Bestseller-Autorin Senna Gammour herrscht durchweg eine Laune wie in der Konfetti-Fabrik, auch wenn sich Jorge und Meister Llambi einig sind, dass "unten mehr Bewegung kommen muss". Zum Quickstepp von "Ich will `nen Cowboy als Mann" schwofen Nicolas "Prince Charming" Puschmann, der als erster "Let’s Dance"-Tänzer Teil eines rein männlichen Tandems sein wird, und Sängerin Vanessa Neigert, die "noch nie einer Tanzschule war". Im Segment der Best Ager schließlich der langsamste Walzer aller Zeiten, zu dem ein echtes Trio Infernale eine erste Visitenkarte unter der Tür durchschiebt: Mickie Krause, der "Wechselschritt und Zungenkuss" beherrscht, Jan Hofer, der einstige Mister Tagesschau, der jetzt nur noch machen möchte, was ihm Spaß macht. Und Erol Sander, tänzerisch vielversprechend, jedoch mit allzu streng sitzender Haarpracht. Das Urteil über dieses "deutsche Rat Pack": Motsi spürte "ganz viel Nerven" und Joachim Llambi sah in Jan Hofer "ein Männlein im Walde". So viel zur Sache mit dem Spaß. Zwischendurch schweben die Vorjahressieger Lilli und Massimo noch einmal durch den Saal, werden in dezent undurchsichtigem Prozedere die Profis an die Amateure vermakelt, bis es schließlich so wohlig-traditionell wird wie einst beim Kuli und Butler Martin Jente: Die Show ist erst vorbei, wenn Frauke Ludowig in den Saal stakst. Nächste Woche ist Schluss mit lustig, dann geht es zum ersten Mal ans Eingemachte.


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