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TV-Tipp 19.11.: "Zwölf Uhr mittags": Der Western, den John Wayne hasste

Spannung pur - auch nach 60 Jahren noch: Gary Cooper wartet als zaudernder Sheriff auf sein Schicksal. "High Noon" ist zu Recht ein Klassiker der Filmgeschichte. Unser TV-Tipp des Tages.

Marshall Will Kane (Gary Cooper) erwartet die Ankunft Frank Millers, der vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wurde, wo er eine Strafe wegen Mordes zu verbüssen hatte.

Marshall Will Kane (Gary Cooper) erwartet die Ankunft Frank Millers, der vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wurde, wo er eine Strafe wegen Mordes zu verbüssen hatte.

"Ich muss hierbleiben." - Marshal Kane (Gary Cooper)

"Zwölf Uhr mittags" 18.30 Uhr, Einsfestival


WESTERN Ich finde ja nichts schlimmer als Warten. Schon als Kind war das so. Diese nervenaufreibenden Stunden, bevor der Lehrer endlich die Klassenarbeitshefte ausgeteilt hat. Einfach schrecklich! In "High Noon" (so der Originaltitel von "Zwölf Uhr mittags") sehen wir Marshall Kane beim Warten zu. Klingt erstmal langweilig, ist aber auch nach 60 Jahren irre spannend. Denn Kane, gespielt von einem grandiosen Gary Cooper, wartet auf sein Schicksal. Und wir warten mit. In Echtzeit. Erleben die verzweifelten Versuche des Sheriffs, in anderthalb Stunden einen Trupp zusammenzustellen, um nicht allein der Miller-Gang gegenüber zu stehen, die ihm tödliche Rache geschworen hat.

Einen 60 Jahre alten Schinken zu schauen, erfordert Überwindung - selbst, wenn der Film längst als Klassiker gilt. Die Sehgewohnheiten haben sich verändert, die Techniken weiter entwicklet. Ein Kameratrick, der vor einem halben Jahrhundert als revolutionär galt, gehört heute zum Standardrepertoire jeder drittklassigen Sitcom. Und zweifelnde, gebrochene Helden wie Kane gibt es zuhauf. Trotzdem kann man "High Noon" im Jahre 2014 noch immer nägelkaunend und nicht nur aus filmhistorischem Interesse schauen. Nicht nur, weil die Echtzeiterzählung noch immer packt (siehe Jack Bauer und "24"), sondern weil wir von Anfang an mit allen Charakteren mitfühlen können.

Jede Person in diesem Kammerspiel folgt einer nachvollziehbaren Motivation: Kane, der sich seiner Vergangenheit stellt, nicht, weil er ein Held ist, sondern weil er weiß, dass er seinem Schicksal nicht entfliehen kann. Der Richter, der glaubt, dass ihn nur eben diese Flucht vor der Rache der Ganoven retten kann. Kanes frischgebackene Frau (Grace Kelly), die sich im Stich gelassen fühlt von ihrem Ehemann und mit den moralischen Werten ihrer Religion zu kämpfen hat. Hilfssheriff Harvey, der sich ausgebootet fühlt und aus Frust nicht im Team Good mitkämpfen will. Selbst die Rachegelüste der vier Ganoven sind absolut nachvollziehbar: Schließlich hätte Frank Miller (Ian MacDonald) am nächsten Ast gebaumelt, wäre es nach dem Willen von Kane und dem Richter gegangen.

Mit soviel Grau kamen die alten Recken gar nicht klar: Westernlegende John Wayne hasste den Film, weil er den Helden-Mythos und den so häufig beschworenen Gemeinsinn der Siedler im Wilden Westen gnadenlos demontierte. Ich liebe ihn genau dafür.

PS: Wer an Hintergründen und einer tieferen Analyse dieses Klassikers interessiert ist (es lohnt sich), schaue auf dieser Seite vorbei. Aber vorher den Film gucken!

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Das Ende der Geduld"
20.15 Uhr, ARD
DRAMA Die Presse nennt sie "Richterin Gnadenlos": Jugendrichterin Corinna Kleist (Martina Gedeck) tritt für ein konsequenteres Handeln bei jungen Straftätern ein und kämpft gegen die Trägheit der Bürokratie. Nicht nur bei ihrem Kollegen (Jörg Hartmann) trifft sie damit auf Widerstand. Sie selbst macht es sich nicht leicht, wenn sie mit Polizist Hück den Neuköllner Kiez erkundet. Ihr Bemühen um Rafiq, jüngsten Sohn eines kriminellen libanesischen Clans, scheitert tragisch. - Das eindringliche Porträt basiert auf dem Sachbuch der 2010 durch Suizid verstorbenen Kirsten Heisig und ist eine klare Mahnung, den Ansatz der engagierten Berliner Richterin fortzuführen. (bis 21.45)

"Die Kinder des Monsieur Mathieu"
23.15 Uhr, Hessen

DRAMA 1949 tritt der gescheiterte Komponist Mathieu (Gérard Jugnot) eine Stelle als Lehrer in einem berüchtigten Erziehungsheim an. Statt auf Strafen setzt er auf die Macht der Musik und erreicht die Herzen seiner Schüler, nicht aber das des Direktors. Berührendes für Auge und Ohr. (bis 0.45)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo