HOME

ARD setzt "Marienhof" ab: Über 100 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeit

Sie war die erste "Daily Soap" im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und schrieb damit Fernseh-Geschichte. Jetzt steht die ARD-Serie "Marienhof" vor dem Aus. Die Quoten kamen einfach nicht aus dem Keller.

Nach fast zwei Jahrzehnten und über 4000 Folgen ist für die ARD-Soap "Marienhof" im kommenden Jahr Schluss. Gerüchte gab es bereits seit längerem, am Donnerstag verkündete der Sender nun das Ende der 1992 gestarteten Serie. Voraussichtlich im Mai 2011 wird die 4053. und letzte Episode im Ersten ausgestrahlt. ARD-Programmdirektor Volker Herres sagte im dapd-Interview, die Zuschauerakzeptanz für den "Marienhof" sei zurückgegangen, "und trotz aller Bemühungen haben wir eine Trendwende nicht geschafft". Die Bavaria Fernsehproduktion, die die Serie produziert, reagierte mit großem Bedauern. Zugleich kündigte Geschäftsführer Matthias Esche an: "Es ist für uns alle sehr schmerzlich, dass jetzt mehr als 100 Kündigungen ausgesprochen werden müssen."

Das Aus der 1992 gestarteten Daily Soap steht nach Senderangaben im Zusammenhang mit einer Neustrukturierung des Vorabendprogramms. Dessen "Markenzeichen" sollen neben der zweiten Vorabendsoap "Verbotene Liebe" und "wissensorientierter Unterhaltung regionale, humorvolle Krimis wie das 'Großstadtrevier'" sein.

Die Quoten des "Marienhofs" sind im Laufe der Jahre deutlich schlechter geworden. So hat sich seit 1999 der Marktanteil fast halbiert. "Marienhof" sei lange Zeit eine "großartige Erfolgsgeschichte" gewesen, sagte Herres. "Aber wir hatten den Eindruck, dass er dann doch an einem Punkt angekommen ist, wo es richtig ist, nicht weiterzumachen", fügte er hinzu.

Herres: "Verbotene Liebe" hat deutlich höheren Zuschaueranteil

"Verbotene Liebe" habe einen deutlich höheren Zuschaueranteil als "Marienhof", sagte Herres. Der Vorabend sei ein besonders umkämpfter Platz. Man habe sich für ein Format entscheiden müssen. "Und dann nimmt man natürlich eher das, das den größeren Zuschauerzuspruch hat, um dort noch mal einen Anlauf zu machen und künftig in einer 44-minütigen Variante und mit einem Relaunch dieses Format zu stabilisieren und nach vorne zu bringen", sagte der Programmdirektor.

Esche betonte: "Wir, das 'Marienhof'-Team und auch ich, haben uns in den vergangenen Monaten darum bemüht, die Serie zu überarbeiten, zu verbessern, zu aktualisieren, für die Serie zu werben." Leider habe die Zeit nicht gereicht, bis diese Neuerungen sich in der schwierigen Konkurrenzsituation durchsetzen konnten. Seit mehr als 18 Jahren gehöre der "Marienhof" als fester Bestandteil zum Programm des Ersten, er sei in dieser Zeit eine der etablierten Marken der ARD geworden. "Da darf es nicht verwundern, dass ich auch ganz persönlich enttäuscht bin, dass sich Das Erste gegen eine Fortsetzung des 'Marienhof' entschieden hat", sagte er.

"Marienhof"-Fans wollen mit einer Demonstration und einer Kampagne im Internet gegen das Aus der Soap protestieren. "Anfang Januar, wenn wieder gedreht wird, müssen wir vor den Bavaria-Studios demonstrieren", sagte der Fanclub-Vorsitzende Grischa Baumeister. Zudem wolle er im Internet eine Kampagne für den Erhalt starten. Er sei schockiert und empört, dass die Serie nicht weiterlaufen solle, sagte Baumeister.

Die Serie hatte am 1. Oktober ihren 18. Geburtstag gefeiert. Die Soap dreht sich um die Schicksale der Bewohner aus dem fiktiven Kölner Stadtviertel "Marienhof". Seit Folge 1 ist Schauspielerin Viktoria Brams als Inge Busch dabei. Die Serie wird auf dem Gelände der Bavaria Film in Geiselgasteig bei München produziert. Letzter Drehtag wird laut Bavaria Mitte Februar 2011 sein. "Marienhof" läuft montags bis freitags um 18.25 Uhr. Davor wird die ARD-Soap "Verbotene Liebe" ausgestrahlt. Sie wird nun im Anschluss an das Ende des "Marienhofs" beide Sendeplätze besetzen.

Serie erreicht 2010 im Schnitt 1,63 Millionen Zuschauer

2010 erreichte der "Marienhof" bis zum 14. Dezember durchschnittlich 1,63 Millionen Zuschauer, das entspricht einem Marktanteil von 8,6 Prozent. 1997 war das beste Jahr mit im Schnitt 3,05 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 17,6 Prozent. In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen waren es 18,2 Prozent. Heute liegt dieser bei 7,2 Prozent. 1999 betrug der Gesamtmarktanteil 16,6 Prozent. 2008 waren es 10 und im vergangenen Jahr 9,4 Prozent.

Die Daily Soap "Verbotene Liebe" erreichte im laufenden Jahr 10,8 Prozent Marktanteil (14-49: acht Prozent). Im besten Jahr der Serie 1997 waren es 19,8 Prozent und bei den 14- bis 49-Jährigen 19,6 Prozent.

DAPD/DPA / DPA
Themen in diesem Artikel