HOME

Stern Logo "Bauer sucht Frau" - Landwirte suchen ihr Liebesglück

RTL-Sendung "Bauer sucht Frau": Die Zunge muss leider draußen bleiben

Die ersten Bauern haben die Kennenlernphase hinter sich, da wird es Zeit für den ersten richtigen Kuss. Um den zu ergattern, müssen sich die Kandidaten richtig ins Zeug legen. Das ist mitunter ein sehr schmerzhaftes Erlebnis für die Frauen - und die Zuschauer.

Von Mark Stöhr

Bauer müsste man sein. Dann könnte man den ganzen Tag verrückte Sachen machen. Zum Beispiel das lose Klo festschrauben wie Gerold, der Friese mit dem Prinz-Charles-Gesicht, damit seine Petra einen stabilen Sitz hat. Oh, da kommt sie ja schon, die schlanke Lilie - Pamm! Pamm! Pamm! - zum Probesitzen: Rauf auf den Thron, richtig mit Schwung, den Hintern reingewuchtet, und siehe da: Die Schüssel hält.

Andere überlegen sich für ihre Auserwählte ein Willkommensgeschenk, das todsicher einschlägt. Bauer Dirk zum Beispiel. Er hat für seine Melanie zwei Fläschchen Kräuterschnaps auf dem Bett deponiert. Sie hat noch nicht abgelegt, da ist der Kopf schon im Nacken und rein mit dem Zeug! Die Zunge muss leider draußen bleiben. Denn dafür ist der Maximaleinsatz nötig. Ein Lied. Uwe, der Romantiker mit dem Carport als Nase, sang für seine Iris "Du bist das Beste, was mir je passiert ist" von Silbermond. Das war sehr, sehr schrecklich. Fast so schrecklich wie der Rührmaschinen-Kuss danach.

"Ich hab' da noch so 'ne kleine Überraschung"

Wenn bei "Bauer sucht Frau" einer der Kandidaten sagt: "Ich hab' da noch so 'ne kleine Überraschung vorbereitet", sollte man sofort die Toilette aufsuchen und zweimal abschließen. Dann haben die Fernsehleute nämlich ein ganz fieses Drehbuch geschrieben und ein paar Strohballen mit einem Meer aus Kerzen aufgebaut. Überhaupt ein Wunder, dass noch kein Hof abgebrannt ist bei diesem inflationären Einsatz von Kerzen. Wahrscheinlich steht nicht nur ein Dutzend Kameramänner und Kabelträger um die Turteltäubchen herum, wenn sie sich tief in die Augen schauen müssen, sondern auch noch eine Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr. Für sie gab es allerdings bisher nur eins zu löschen: die Erinnerung an mordsmäßig peinliche Momente ("Ich sag's dir viel zu selten, es ist schön, dass es dich gibt").

Die Motivation der Landwirte, bei dem ganzen Zirkus mitzumachen, ist klar: Sie brauchen eine Haushaltshilfe, weil ihre Mütter langsam in die Jahre kommen, und eine Geschlechtspartnerin. Letztere dringender als Erstere, was nicht verwundert, wenn buchstäblich jedes Schwein mehr Sex hat als man selbst.

Wie groß die Not der Junggesellen ist, zeigt sich besonders deutlich, wenn sie die Frauen kurz nach deren Ankunft durchs Haus führen. Es gilt die Regel: Immer erst das Schlaf- dann das Gästezimmer. Das wirkt wie eine unausgesprochene Zielvereinbarung. Vielleicht hoffen die Gastgeber auch, dass die Damen sich direkt ins gemachte Nest legen. Dagegen spricht aber meistens Regel Nummero zwei: Das Schlafzimmer ist eine grauenvoll geschmacklose Butze mit einem 90er-Bett, während die Mutter das Gästezimmer halbwegs wohnlich hergerichtet hat.

"Fleißig, kräftig, flott, stabil"

Bleibt die Frage, was die Frauen antreibt. Darauf kann es nur eine Antwort geben: Geld. Sie müssen von RTL gekauft worden sein. Anders lässt es sich kaum erklären, dass sie sich an solche Flitzpiepen ranschmeißen. Oder ihre bisherigen Beziehungserfahrungen waren so dermaßen katastrophal schlimm, dass selbst der Friesen-Gerold und der Niedersachsen-Friedrich ein Fortschritt sind.

Petra, die "patente Oberbayerin", etwa, die als potentielle Gespielin eben jenes Gerolds in den Norden transportiert wurde, kann es offenbar gar nicht erwarten, unter die Haube zu kommen. Und bei "Bauer sucht Frau" heißt das: unter die Abzugshaube. "Zum Frausein", sagte sie, "gehört für mich, dass ich mich um den Haushalt kümmere." Bei so einem Satz tippt sich sogar die Frauen-Union der CSU an die Stirn. Gerold gefiel's. Später charakterisierte er Petra in einer irren Ansammlung von Adjektiven als "fleißige Frau, kräftig, flott und stabil." Darauf muss man erst mal kommen, so vom Melkschemel weg.

Nur mit dem Kuscheln klappt es noch nicht zwischen der Bayerin und dem Friesen. Sie krault den Hund, aber das Herrchen nicht. Dabei hat der doch schon den Plan A parat: "Jetzt zu zweit kann man zusammen was machen." Dieses Was will man sich beim besten Willen nicht ausmalen.

Themen in diesem Artikel