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Britische TV-Show: Liebe live in der "Sex Box"

Let's talk about sex: In einer Show in Großbritannien werden Paare unmittelbar nach dem Liebesakt interviewt. Porno? Nö. Mit überraschend wenig Nacktheit will "Sex Box" das Gespräch fördern.

Von Julia Holzapfel

Eine große Holzbox zum Liebemachen, eine Gruppe Sex-Experten und drei Pärchen in den unterschiedlichsten Lebensphasen: Das sind die Zutaten für "Sex Box", einer TV-Show, die demnächst auf dem britischen Fernsehsender Channel4 läuft. Dabei werden Paare, die im Fernsehstudio Sex haben, direkt nach dem Akt von Sexualberatern zu ihren intimen Erlebnissen interviewt. Durch ein markantes Detail ist die Sendung aber nicht die pornohafte Fleischbeschau, nach der sie zunächst klingt: Die "Sex Box", in der die Paare sich vergnügen, ist vollkommen schall- und blickdicht - und frei von Kameras. Weder Studiopublikum noch TV-Zuseher sehen irgendwelche intimen Szenen. Der Sender will mit der Show das Sexleben der Durchschnittsbriten - und vor allem das offene Gespräch darüber - zum Thema machen. Eine Absicht, die Kritiker nicht ganz nachvollziehen können.

In der aufgezeichneten einstündigen Sendung, die am 7. Oktober in Großbritannien ausgestrahlt wird, werden drei Pärchen miteinander schlafen und darüber reden: zwei frischverliebte Mittzwanziger, zwei homosexuelle Männer, die seit drei Jahren liiert sind, sowie ein Paar, das in Jugendtagen eine Beziehung hatte, viele Jahre getrennt lebte und schließlich wieder zusammenkam.

"Echte Empfindungen" in der Holzbox

Das Quartett, das sich nach der intimen Zeit in der "Sex Box" mit dem jeweiligen Paar unterhält, wird von Mariella Frostrup angeführt. Frostrup ist als "sexieste Stimme Großbritanniens" und vor allem als "Kummerkastentante" der Tageszeitung "The Guardian" bekannt. Die Briefe, die sie von Lesern erhalten habe, hätten ihr gezeigt, dass Sex zwar eine große Rolle im Leben vieler Menschen spiele, die Hemmungen, darüber zu sprechen aber größer seien, so Frostrup zu Channel4. Zum Expertenteam gehören außerdem ein Psychotherapeut, eine Beziehungsexpertin und ein Sex-Kolumnist.

Der Chefredakteur von Channel4, David Glover,will mit der Sendung eine ehrliche Diskussion anregen: "Der Sex findet vor Publikum, aber dennoch komplett privat statt. Das unmittelbare Gespräch danach soll echte Empfindungen zu Tage fördern." Bislang ist "Sex Box" als einmalige Show geplant. Sie ist Teil des Programmschwerpunktes "Real Sex", mit dem der öffentlich-rechtliche Sender "die Vorstellungen über Sex wieder von Pornografie entkoppeln" will. Moderatorin Frostrup meint dazu: "Den Sex, den wir von Bildschirmen und Magazinen kennen, hat kaum Ähnlichkeit mit den sexuellen Erfahrungen im wirklichen Leben."

Kritiker des Sendungskonzeptes, die unter anderem auch beim "Guardian" beschäftigt sind, für den Frostrup den Kummerkasten leert, bemängeln, dass die Show nichts mit alltäglichem Sex zu tun habe, obwohl sie dies vorgebe. Schließlich fände "normaler Sex" nur selten in einer Holzbox statt - und noch seltener vor Studiopublikum.

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