Der Moderatorencheck Werner S.-E. heißt jetzt Oli P.


Moderatorentrainer Michael Rossié beleuchtet für stern.de regelmäßig Moderatoren und ihre neuen Sendungen. Diese Woche hat er sich "5 gegen 5" mit Oli P. angesehen, das Remake des legendären Familienduells mit Werner Schulze-Erdel.

Ob es jetzt DIE Gameshow ist, die da ins deutsche Fernsehen zurückgekehrt ist, das darf bezweifelt werden. Sicher hat jeder Herrn Schulze-Erdel mal gesehen, aber ob man ihn vermisst hat? Man hat das Format verjüngt, indem man außer einem jungen Moderator alles beim Alten lässt. Die Begrüßung wird noch gebrüllt, weil es um etwas Großes geht. Aber dann führt Oli Petszokat gut gelaunt durch die Sendung. Übung hat er ohne Zweifel. Trotzdem kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Moderationstexte von demselben Autor stammen wie damals. Vielleicht hat Oli auch zu viele von den alten Shows gesehen.

Formulierungen, mit denen schon mein Großvater Turnübungen kommentiert hat wie "recht zügig", "wacker geschlagen" oder "das lob ich mir" deuten eher auf einen Urheber reiferen Jahrgangs hin. "Mein lieber Herr Gesangsverein – jetzt lass dich nicht lumpen!" Dazu wird ständig gesagt, was wir "gleich" sehen und damit gemeint, was wir "jetzt" sehen. Dann das Logo und die Nummer der Runde. Wieder sind 8 Sekunden Sendezeit vorbei. Der Moderator wiederholt grundsätzlich alles, was die Kandidaten von sich geben ("Du sagst also Surfbrett."). Als Trainer bezeichne ich so etwas als "Moderatorenecho" und würde es verbieten.

Kandidaten sind Nebensache

Sehr geschickt ist es, den Teamleiter seine Leute vorstellen zu lassen, so entfällt für den Moderator das lästige Ablesen der Namen mit den dazugehörigen Hobbys. Auf die Frage, wie viele Punkte der jeweilige Kandidat gerne holen würde, folgt abwechselnd die Frage, was sie mit dem Geld machen würde. Oder Oli P. bittet: "Kannst du mal was sagen!"

Man kann sich vorstellen, was das für spannende Dialoge ergibt. Aber die Antwort interessiert eben nicht, weder den Zuschauer noch den Moderator. Denn egal, was die Kandidatin sagt - nach einem einzigen Satz von ihr folgt der obligatorische Satz "kommen wir zur nächsten Runde". Die Teams applaudieren sich deswegen gleich selbst. Ich nehme an, dass hat sich der Kameramann gewünscht, weil er dann ein "bewegteres" Bild hat.

So spannend wie Tomaten beim Wachsen zu beobachten

Die wichtigste Aufgabe eines Moderators in einer Game-Show ist es natürlich, Spannung aufzubauen. Nicht zu vergleichen mit "Deutschland sucht den Superstar", wo die Spannungspausen Fernsehspiellänge erreichen - aber auch Oli macht es richtig dramatisch, wenn die Kandidatin bei einer falschen Antwort "dem Tod gerade noch mal von der Schippe gesprungen" ist. "Die beiden werden alles geben!" verspricht er und fragt dann in bangem Ton: "Werden wir ein Herzschlagfinale erleben?". Dabei ist das Ganze so aufregend wie Tomaten beim Wachsen zu beobachten.

Alles ist "unglaublich" und "unfassbar"

Die Sätze wiederholen sich mit einer beängstigenden Einfallslosigkeit. Nach der wahnsinnig innovativen Begrüßung "einen wunderschönen guten Abend" ist alles entweder "unglaublich" oder "unfassbar". Spielshows gleichen einem Schlachtfeld: Punkte werden ununterbrochen "eingefahren", Champions "vom Thron gestoßen" und es wird ins Finale "vorgedrungen". Wenn eine Gruppe Mädels die Köpfe zusammensteckt, dann "rotten sie sich zusammen". Floskeln wie "alle Klarheiten beseitigt" wechseln ab mit grammatikalischen Perlen wie "wir sehen uns an, wie viel Punkte er geleistet hat!" oder "wir gucken, was es noch auf unserer Wand verborgen hat." Schön ist auch "das sagen gar keine Leute." und "du könntest die Runde in euer Boot holen." Seine besondere Vorliebe gilt dabei dem Plusquamperfekt. "Bei welcher Sache warst du gar nicht sicher gewesen?"

Die linke Hand legt der Moderator so lange auf den Rücken seiner Kandidatinnen wie es geht. Erst wenn er die zweite Hand wieder zum halten der schreibheftgroßen Moderationskarte braucht, lässt er los. Bei falscher Antwort macht er auch mal gymnastische Bewegungen der Nase oder der Schultern. Wieder sind vier Sendesekunden um. Am Ende holt man die verlorene Zeit dann wieder rein. Beim Nachspann wird so gehetzt, damit die Nachrichten nur ja begonnen haben, bevor ich meine Fernbedienung wiedergefunden habe.

Wie sagte Herr Petszokat doch während der Sendung so richtig? "Das wird langsam ein kleines bisschen langweilig. - Aber auch egal." Also im Nachhinein betrachtet: So schlecht war Herr Schulze-Erdel nicht.

Michael Rossié

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