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Tv-Kritik

Dschungelcamp, Tag 14: "Seh dich später, Krokodil": Wegen Panne bei RTL fliegt erstmal keiner raus

Jawollski! RTL hatte Serverprobleme und konnte die Zuschaueranrufe nicht auswerten. Das bedeutete: Der Lagerkoller zu sechst geht noch einen Tag weiter. Gestern pestete Yotta wieder gegen Chris und Peter spürte plötzlich eine Copyright-Verletzung in sich.

Von Mark Stöhr

Chris Töpperwien (l.) und Peter Orloff

Chris Töpperwien (l.) und Peter Orloff können ihr Glück nicht fassen: RTL kredenzte ihnen Cola und Eiskaffee

Chris fährt also mit einem Behindertenausweis durch Los Angeles. Soso. Behauptet wer? Der Mann, der ein älteres Ehepaar um 1,6 Millionen Euro übers Ohr gehauen haben soll. Behauptet wer? Das ältere Ehepaar. Egal, wer recht hat oder lügt, Yotta, die Senioren oder alle zusammen. Fakt ist: Inklusion ist ein ganz großes Thema im Dschungelcamp dieses Jahr.

Nehmen wir Evelyn. Das blanke kognitive Chaos. Gedankengänge wie ein gurgelnder Abfluss nach einem Schaumbad. Das Leben ein ewiges Quiz ohne Antworten. Und wie geht‘s ihr damit? Mega, sie ist "hilti" durch und durch – dank Inklusion. In der Schule wurde sie bis zum Fachabi mitgeschleppt. Und auch im Dschungel kümmern sich Fachleute rührend um das Basis-Brain. Time-out-Technik mit Chris (Stille Treppe) und Literarisches Duett mit Yotta (Buch-Rezensionen per WhatsApp). Schlauheit kann man lernen. Und wenn Evelyn am Ende doch doof bleibt: Stein drüber.

Orloff trinkt den "besten Eiskaffee meines Lebens" im Dschungelcamp

Bei Peter kommt zur inklusiven Disposition noch ein echtes Jahrhundertthema dazu: Geriatrie. Der 74-Jährige kombiniert das Orloff-Syndrom mit seinen typischen Symptomen – urplötzliche Brüllattacken, garderobenartig abgewinkelte Oberarme, 50 Liegestützen am Stück – mit Verhaltensweisen, die seinem Alter geschuldet sind. Dass zum Beispiel ein Eiskaffee nicht nur ein Eiskaffee ist, sondern immer "der beste Eiskaffee meines Lebens". Im Zweifel ist ein Eiskaffee auch immer einem Treffen mit seiner Ehefrau vorzuziehen.

In der gestrigen Folge musste die komplette Dschungel-Crew zur Schatzsuche antreten, immer zwei zusammen. Peter hatte sich Chris als Partner ausgesucht, was ja, wie wir jetzt wissen, absolute Vorteile hat, weil er einen immer direkt vor die Tür bringt. Im vorliegenden Fall: vor fünf Türen. Wie weiland in der Game-Show "Geh aufs Ganze!" verbarg sich hinter jedem Eingang eine Überraschung. RTL hatte sogar heimlich die jeweiligen Begleiter der Kandidaten hinter der Kulisse geparkt, was bei Sandra und Felix zu wirklich rührenden Wiedersehensszenen führte ("Das ist besser als Essen, besser als Trinken, er ist mein großer Bruder!").

Außerirdischer Besucher vom Planeten Gema

Peter und sein offenbar photoshopbegabter Begleiter Chris entschieden sich für das erstbeste Simsalabim: ein Tablett mit einer Coke und einem Eiskaffee. Schon nach dem ersten Schluck erlitt Orloff einen "Power!"- und "Energy!"-Schock. Seine gefürchtete Rechte durch die Luft fuchtelnd, schrie er: "Ich weiß nicht, was hinter den anderen Türen war. Scheißegal! Das, was ich hier habe, ist das, was ich mir gewünscht habe. Was Besseres hätte nicht kommen können!" Gut, da wusste er noch nicht, dass seine Frau Linda zum Greifen nahe war. Wahrscheinlich war sie froh, dass es nicht zur offenen Entscheidung kam.

Dschungelcamp 2019, Tag 14: Freudentänze im Schneesturm
Dschungelcamp 2019

Diesmal kümmern sich Sandra und Felix um die Essensversorgung im Dschungelcamp. Die beiden müssen in die "Stresslimousine". Dabei gilt es, zwölf halbe Sterne aus einer weißen Limousine zu holen, die in einer Waschstraße steht. Oder wie die Moderatoren Daniel Hartwich und Sonja Zietlow sagen: in einer "Waschstrafe". 

Zurück im Camp schüttelte Peter sein von der ganzen Hyperaktivität vollgekrümeltes Hirn aus und spürte plötzlich eine Copyright-Verletzung in sich. Hatte er nicht auf dem Weg zum Schatz "Let's get ready to rumble“" gerufen? Ja, darf man das denn? Oldschool-Orloff, der außerirdische Besucher vom Planeten Gema – völlig ahnungslos, dass Klauen heutzutage längst das neue Kreieren ist.

"Falls der Satz eine geschützte Marke von Michael Buffer sein sollte", wies der altgediente Songwriter die Rechtsabteilung und den Cutter von RTL an, "und es gar nicht erlaubt ist, das zu zitieren – bitte kurz vorher abschneiden oder beim Ton an der Stelle kurz runterziehen." Ein Urheberrechtsprofi durch und durch. Und eine nicht müde werdende Hitfabrik. Die Bill-Haley-Zeile "See You Later, Alligator", fester Bestandteil von Orloffs täglichem Aufsager fürs Weiterkommen, deutschte er gestern gnadenlos und geradezu ikonisch ein: "Seh dich später, Krokodil". Das ist fast so gut wie Eiskaffee. Enjoy es.

Woher kennt man eigentlich Evelyn Burdecki?
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