HOME

Stern Logo DSDS - Deutschland sucht den Superstar

"DSDS": Die Super-Duper-Dieter-Show

Was sich schon abzeichnete, wurde in der ersten Mottoshow endgültig offenbar: Die meisten Kandidaten sind nicht gut genug für Liveauftritte vor großem Publikum. Um den Erfolg der Staffel nicht zu gefährden, kritisierten Bohlen und Co. jedoch wenig und lobten viel. Dabei hatte nur einer das Lob auch wirklich verdient.

Von Mark Stöhr

Immer dieser Lärm. Lieber zwei Wochen die Handwerker im Haus als zwei Stunden "Deutschland sucht den Superstar". Die Mottoshows sind ein einziger Junggesellenabschied. Das Publikum scheint über unsichtbare Schläuche an einen riesigen unterirdischen Sangria-Kessel angeschlossen zu sein. Völlig breit und außer Kontrolle johlt und brüllt es ohne Unterlass und hält seine selbstgedruckten T-Shirts in die Kamera. Der Capo dieser Hooligan-Meute heißt Marco Schreyl. Er ist eigentlich ein Netter, doch fünf Jahre "DSDS" haben ihm sein komplettes Vokabular gelöscht. Übrig geblieben sind nur noch drei Wörter: mega, Hammer und geil. Allesamt geschrieen. Sprechen ist in diesem Inferno nicht vorgesehen. Singen allerdings auch nicht.

Dieter Bohlen muss bei seinem Skikurs im österreichischen Ischgl die Woche über insgeheim gehofft haben, sich ein Ohr zu brechen. Am besten gleich beide. Denn was sich schon in den Recalls und bei der Sendung letztes Wochenende abgezeichnet hatte, wurde in der ersten Mottoshow nun endgültig Gewissheit: Der Kandidaten-Jahrgang 2010 ist mies. Bis auf ein, zwei Ausreißer halten die Vorsänger der Prime Time nicht stand und haben bestenfalls Karaoke-Niveau. Er habe bei seinen Zitterabfahrten im Paznauntal drei Kilogramm verloren, sagte Bohlen. Nach dem Après-Ski gestern kamen sicherlich noch ein paar Pfunde dazu.

Schlechte Darbietung, schamloses Lob

Was für eine verzweifelte Suche nach Tönen. "Mega-Hits von heute" lautete die Aufgabenstellung, Songs also, bei denen man den Radiosender wechselt. Kim Debkowski, die "Fachfrau für ergebnisorientiertes Gesichtsbemalen" (Schreyl), verknotete sich in den unteren Vokalregionen von Rihannas "Take It All" und stakste auf ihren meterhohen Schuhen über die Bühne wie ein Storch, der den Abflug ins Sommerlager verpasst hat. Marcel Pluschke, von allen nur "Plüschi" genannt, versuchte es ganz verwegen und setzte "Ein Kompliment" von den Sportfreunden Stiller konsequent einen Halbton zu hoch an. Vielleicht schlug dem gelernten Gabelstaplerfahrer auch nur das penetrante Gewiehere Schreyls auf die Stimme, er habe mit seinen 19 Jahren noch nie eine Frau geküsst. Darüber wiederum kann Helmut Orosz, der Älteste im Bunde der letzten Zehn, nur müde lächeln. Er sieht aus wie Willi Herren und singt auch so. Seine Interpretation von Lenny Kravitz' "I'll Be Waiting" klang mehr nach Bulldozer als nach Ballade.

Orosz war auch einer der wenigen, die eine realistische Einschätzung der Jury bekamen. Ansonsten war alles "super-duper". Je schlechter die Darbietung, desto schamloser das Lob. Thomas Karaoglan flegelte sich durch den Flegelsong "Monsta" von Culcha Candela, mit der dämlichsten aller Refrainzeilen: "Sie hat den Monster Body mit dem Monster Blick und ihr Monster Boom Boom gibt mir den Kick". Bohlen und Co. feierten den Auftritt des Dreikäsehochs. Von "Entertainerqualitäten" (Volker Neumüller) war die Rede und einer "Spitzen-Performance" (Nina Eichinger). Der Jurypräsident setzte noch einen drauf: "Du findest dich megageil, ich finde dich auch geil." Die Sprache ist bei "DSDS" so armselig wie die Kunst.

Der ehrlichste Satz des Abends

Immerhin einer stach aus dem allgemeinen Elend heraus: Menowin Fröhlich. In jeder Folge wird seine dunkle Vorgeschichte weiter ausgeweidet. Das jüngste Kapitel der Gefängnis-Soap: Er büxte bei einem Freigang aus und war zwei Jahre lang auf der Flucht. Doch sein Können überstrahlt die Kolportage. Er legte einen formidablen Auftritt hin und interpretierte "Change" fast besser als Daniel Merriweather im Original. Seine Choreografie war von ausgesuchter Finesse, kraftvoll und elegant. Der 22-Jährige war den anderen Kandidaten in einem solchen Maße überlegen, dass selbst Bohlen nicht um ein klare Positionierung herum kam: "Du warst der Beste heute". Fröhlich ist nun der erste Anwärter auf den Titel.

Das war Steffi Landerer, die Blondine mit dem Einser-Abitur, nie. Gestern rettete sie nicht einmal mehr ihre vielgepriesene Oberweite. Die Zuschauer wählten sie aus der Show. Landerer nahm das Votum gefasst auf und sagte: "Egal, scheiß drauf." Es war der ehrlichste Satz des Abends, und sie sagte ihn ganz leise.