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"Fuller House" auf Netflix: Eine Überdosis 90er-Jahre-Nostalgie

"Full House" ist zurück, und zwar genau so kitschig und schablonenhaft wie früher: Das Netflix-Revival der Familien-Sitcom trieft vor Rührseligkeit und schafft den Sprung zur Modernisierung leider nicht.

Fuller House

Ab dem 26. Februar startet Netflix mit "Fuller House": Kimmy (Andrea Barber), D.J. (Candace Cameron Bure) und Stephanie (Jodie Sweetin) stehen nun im Mittelpunkt.

Wie viel Nostalgie aus den 90ern ist zu viel? Das Serien-Revival von "Full House" wirkt jedenfalls wie eine Überdosis. hat die Erfolgs-Sitcom mit einer Show namens "Fuller House" wieder zum Leben erweckt, doch die Pilotfolge dürfte selbst für eingefleischte Fans schwer zu ertragen sein. Beim Vorspann kann dem Zuschauer vielleicht noch etwas warm ums Herz werden, wenn sich zu den altbekannten Kinderfotos von damals aktuelle Bilder gesellen. Doch schnell trieft das große Wiedersehen vor Sentimentalität.

Jeder Auftritt der Stars von damals wird mit riesigem Szenenapplaus gefeiert, jeder darf seine alten Sprüche loswerden. Und sie sind alle da: Bob Saget (Danny Tanner), (Onkel Jesse), Dave Coulier (Onkel Joey) und Lori Loughlin (Rebecca Katsopolis) nur für Gastauftritte, Candace Cameron Bure (D.J. Tanner), Jodie Sweetin (Stephanie Tanner) und Andrea Baber (Kimmy Gibbler) als neue Hauptdarsteller.  Die Prämisse wurde einfach umgekehrt: Statt Witwer Danny und seine Kumpels, müssen sich nun seine ebenfalls verwitwete Tochter D.J. , deren Schwester Stephanie und Freundin Kimmy um kleine Kinder kümmern. Die sind vorlaut und niedlich - wenn auch nicht ganz so entzückend, wie es die Olsen-Zwillinge alias Michelle Tanner damals waren. Sie sind die einzigen, die nicht zur Reunion auftauchen. Dafür gehört ein kleiner Welpe zum Ensemble, der wenig subtil bezaubern soll.

Zu viel Sentimentalität, wenig Innovation

Überhaupt bleibt die Serie stark schablonenhaft und so rührselig wie bereits das Original: Die Produzenten schrecken nicht davor zurück, den Serien-Schmachtfetzen "Forever" einzubauen, teilweise werden Szenen von früher exakt nachgestellt und das Original per Split-Screen eingeblendet. Damit ist die Fremdschäm-Latte ziemlich niedrig angelegt.

Es ist schade, dass der Sprung zur Modernisierung nicht klappt, denn Ende der 80er war es zumindest konsequent, endlich auch Männer in Erzieher-Rollen zu zeigen. Immerhin werden jetzt Themen wie Dating als alleinerziehende Mutter gelegentlich aufgegriffen und im Laufe der Staffel greift die Show auch weniger auf Altbewährtes zurück.  In Zeiten von Familien-Comedys wie "Modern Family" oder "Türkisch für Anfänger" wirkt "Fuller House" jedoch schlicht reaktionär.

Das fühlt sich auch deshalb komisch an, weil wir uns als Zuschauer daran gewöhnt haben, dass Netflix für innovative, qualitativ hochwertige steht. Und eben nicht für einfache Gags mit Lachern vom Band. Der Schlüssel zu "Fuller House" liegt sicherlich in der Zielgruppe. Kinder und Jugendliche, die sich gern Klamauk- und Familienserien von "Hannah Montana" bis "Hund mit Blog" ansehen, werden auch über die Windel-Witze in "Fuller House" lachen können. Und die Eltern, die mit der Show groß geworden sind, setzen sich aus nostalgischen Gründen dann vielleicht lieber dazu. Onkel Jesse würde sagen: Erbarme dich meiner!

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