Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
es muss an der Ostsee gewesen sein, ich saß mit meinen beiden Töchtern, damals im Teenageralter, an der Strandpromenade, wir aßen Eis. Plötzlich ging da ein junger Mann vorbei, muskulös, gut gekleidet, eitel, halblanges Haar, dunkle Sonnenbrille – und irgendwie unangenehm. Ich sah, wie meine Töchter ihn interessiert musterten. „Hütet euch vor solchen Männern“, entfuhr es mir. Und als ich die distanziert amüsierten Blicke meiner Töchter sah, bereute ich meinen Ausruf schon. Aber es entspann sich ein interessantes Gespräch – und heute ist der Ausruf ein geflügeltes Wort geworden, ein Insiderwitz unter uns.
Netflix-Doku zur Manosphere
Auf Netflix startet heute eine neue Info-Serie, in der Dokufilmer Louis Theroux dem losen, ultramaskulinen und frauenverachtenden Netzwerk „Manosphere" auf den Grund geht. Die Vorschau ist vielversprechend und es kommen jede Menge Männer vor, vor denen Frauen (und Männer) sich hüten sollten. Ich verspreche mir aber auch Einsichten, wo diese Männer falsch abgebogen sind. Und es sind ja offenbar viele, wie jüngst eine internationale Umfrage offenbarte.
Ich habe versucht, meinem Sohn ein gutes Vorbild zu sein. Und ihn gleichzeitig unterstützt, auch seine jungsige Seite auszuleben, das viele Rangeln (auch mit mir), martialische Videospiele, der Kampfsport. Das hat ihm nicht geschadet.
Vielleicht brauchen die jungen Kerle ein paar mehr Angebote, ihre Männlichkeit auf positive Weise auszuleben und zu entwickeln. In der Schule meiner Kinder zum Beispiel wurde selbst beim Sport jede Härte, jeder Wettbewerb völlig rausgenommen.
Jedenfalls gibt es da offenbar eine Lücke, in die die frauenfeindlichen Influencer der „Manosphere“ erfolgreich stoßen. Und so neben einem stolzen Männer-Selbstbild auch ihren Frauenhass verbreiten.
Neue Aussagen im Prozess gegen Marius Borg Høiby
Wer den Prozess gegen den Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit beobachtet, wünscht sich auch, vor diesem Mann hätte jemand gewarnt. Zuletzt sagte die anonym bleibende Ex-Freundin aus, die in norwegischen Medien die „Frogner-Frau“ genannt wird. Ihr Bericht ist verstörend, sie schildert, wie die Beziehung im Laufe der Zeit immer brutaler geworden sei. Besonders absurd: Trotz ihrer Rolle in dem gesamten Prozess und der Tatsache, dass Marius Borg Høiby seit einem mutmaßlichen Übergriff gegen seine Ex-Freundin in U-Haft sitzt, schickte er ihr trotzdem noch Blumen zum Valentinstag:
5-Minuten-Talk: Oder kommt heute doch der Tankrabatt?
Seit das Regime in Teheran im Irankrieg die Straße von Hormus blockiert, steigen die Energiepreise. Immer größer wird der Druck auf Wirtschaft und Konsumenten – der Druck auf die Regierungskoalition auch.
Sie will zwar keine milliardenteuren Geschenke verteilen, keine Preisbremsen, keine Finanzbazookas. Aber lässt sich das durchhalten? Oder braucht es doch irgendeine Form der Entlastung? Meine Kollegen Veit Medick und Jan Rosenkranz analysieren das im 5-Minuten-Talk:
Und sonst? Weitere Schlagzeilen
- Ehrenmord-Prozess: Bruder verweigert Mord an der Schwester – und belastet Vater vor Gericht
- In der Schweiz brennt ein Bus völlig aus, sechs Tote. Der schreckliche Verdacht: Ein Fahrgast hat sich und damit den Bus in Brand gesteckt
- Kulturstaatssekretär Weimer sortiert drei von einer Jury ausgesuchte linke Buchläden vom Buchhandlungspreis aus – und zieht den Protest der Kulturszene auf sich
Das passiert am Mittwoch, dem 11. März 2026
- Die Spitzen von Union und SPD beraten am Abend im Koalitionsausschuss über Maßnahmen, um die Folgen des Irankriegs für Deutschland abzufedern. Thema wird wohl auch das neue Klimaschutzprogramm sein, das bis Ende März vorliegen muss.
- Bei VW läuft es schlecht, bei Konzerntochter Porsche nicht minder. Andere Konzerne dagegen eilen von Rekord zu Rekord, nämlich die Rüstungsschmieden. Heute stellt Rheinmetall seine Bilanz vor, sie dürfte glänzen.
- Bayer Leverkusen empfängt heute ab 18.45 Uhr im Achtelfinale der Champions League den englischen Tabellenführer FC Arsenal zum Hinspiel.
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Mobbing im Job kann einem echt den Stecker ziehen. Wir verbringen alle viel Zeit im Beruf, er ist wichtig für unser Selbstwertgefühl. Das Problem: Es ist schwer, sich gegen Mobbing zu wehren. Manchmal, weil es oft nur Kleinigkeiten sind, die sich aber häufen. Manchmal, weil es vom Vorgesetzten ausgeht, man also am kürzeren Hebel sitzt: Da wird man zum Beispiel bewusst auf Aufgaben oder Positionen geschoben, die einem nicht liegen. Ich habe Freunde, die über solche Kränkungen nie hinweggekommen sind.
Gegen welche Arten von Mobbing man sich wie wehren kann und wann man lieber schnell den Job wechselt, das hat mein Kollege Leon Berent mit einem Arbeitsrechtler durchgesprochen:
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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag!
Matthias Urbach