Wenn das Tier nicht so spurt, wie es dem Menschen beliebt, wird es schnell zum Ärgernis. Ein junger Braunbär wird dann zu Problembär Bruno und der zu zahme Wolfsrüde zu Problemwolf Kurti. Es gibt Tiere, die nicht einmal vermeintlich auffälliges Verhalten zeigen müssen, um unter die Kategorie "Problem" zu fallen. Für manche ist es die dicke Hauswinkelspinne, die im Schlafzimmereck auf Beute lauert. Für andere sind es Ratten, die den Kompost im Garten zu ihrem persönlichen All-you-can-eat-Buffet machen. Und dann gibt es noch Tauben, genauer: Stadttauben.
Gefühlt sind die Vögel überall: im Bahnhof, zwischen Cafés-Tischen, auf dem Balkon – aber so richtig willkommen ist die Stadttaube kaum irgendwo. Für viele sind die Vögel nicht mehr als ein auszumerzendes Übel im urbanen Raum.
Das Image der Stadttauben ist denkbar schlecht. Sie werden als Ratten der Lüfte und aufdringliche Futterschmarotzer diffamiert, gelten als wandelnde Keimschleudern und Krankmacher. Ihr Kot ist regelrecht gefürchtet – nicht nur, weil die Vögel damit den öffentlichen Raum inflationär besudeln. Die Exkremente sollen sogar schon Löcher in Motorhauben geätzt haben.
Die Stadttaube, ein missverstandenes Tier
Dabei sind Tauben an sich eigentlich nicht verhasst. Unter anderem der Maler Picasso hat dafür gesorgt, dass die Taube zum Symbol für den Frieden wurde. Sie steht außerdem für die Liebe und die Hoffnung. Das traditionelle Auflassen weißer Tauben bei einer Hochzeit soll dem Brautpaar Glück bescheren.
Für Stadttauben jedoch scheint all das nicht zuzutreffen. Dabei haben sie durchaus Fürsprecher. Einer von ihnen ist der Influencer und Tieraktivist Malte Zierden, der sich mit der Stadttaube Oßkar anfreundete, ihr auf dem Fensterbrett ein kleines Wohnzimmer einrichtete und auf Social Media von den gemeinsamen Erlebnissen berichtete. Er ermöglichte damit einen positiveren Blick auf die städtischen Täubinnen und Täuberiche. Sein Leben mit Oßkar wurde zu einer Art Imagekampagne für die verhassten Vögel.
Trotz allem: Die Vorurteile gegen die Tiere haben sich hartnäckig in den Köpfen festgesetzt. In der Fotostrecke klären wir über die gängigsten Missverständnisse auf und zeigen, warum die Stadttaube besser ist als ihr Ruf.