Gar nicht so dumm
Es gibt Vögel, die gelten als klug oder gewitzt. Die Elster und der Rabe zum Beispiel. Tauben allerdings werden eher als dumm abgestempelt. Dabei weiß die Wissenschaft, dass Tauben bemerkenswerte Fähigkeiten besitzen. So können sie unter anderem die Gesichter von Menschen unterscheiden und auch Jahre später noch wiedererkennen, sagt Onur Güntürkün, Professor für Biopsychologie an der Ruhr-Universität Bochum in einem Interview. In Versuchen habe sich gezeigt, dass Tauben einfache Rechenzusammenhänge verstehen und sogar etwas Orthografie lernen können. Außerdem sind die Vögel geschickte Multitasker. Bei bestimmten Experimenten konnten sie kognitiv mit Affen und sogar Kleinkindern mithalten. Möglicherweise, so die Vermutung der Wissenschaftler, kann das Taubenhirn – es hat übrigens die Größe einer Walnuss – schneller Informationen verarbeiten. Im Vergleich zu Schimpansen haben sie etwa zwei- bis viermal so viele Nervenzellen, so Güntürkün. „In der Evolution haben Vögel alles in die Bereiche investiert, in denen komplexes Denken entsteht“, sagt der Biopsychologe. Und: „Vögel haben alles gegeben, um intelligent zu sein, und es ist ihnen gelungen.“
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