Nach der umstrittenen Freilassung des Buckelwals Timmy Anfang Mai verschärft sich der Streit zwischen der privaten Rettungsinitiative und der Crew des beteiligten Schleppers „Robin Hood“. Während die Initiatoren der Aktion den Seeleuten schwere Vorwürfe machen, weist die zuständige Reederei diese nun entschieden zurück – unterstützt durch eine Anwältin.
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Frage, wie die Freilassung des Wals am Übergang zwischen Nord- und Ostsee tatsächlich ablief. Kirsten Tönnies, Tierärztin der privaten Initiative um Mediamarkt-Millionär Walter Gunz und Trabrennpferdebesitzerin Karin Walter-Mommert, hatte erklärt, die Crew habe Timmy mit Seilen brutal an der Schwanzflosse aus der Barge gezogen. Außerdem sei der Wal gegen den ausdrücklichen Wunsch der Initiative zu früh ins offene Meer gelassen worden.
Wal-Rettung: Kritik an Schiffsbesatzung
Bei der JEB Bereederungsgesellschaft mbH & Co KG, der Eignerin der „Robin Hood“, schildert man die Ereignisse ganz anders. In einem am Samstag veröffentlichten Schreiben erklärt die von der Reederei beauftragte Rechtsanwältin: „Die Rettungsaktion erfolgte nach einem festen, vorgegebenen Konzept in enger Abstimmung mit Frau Walter-Mommert und dem Landwirtschaftsministerium.“ Zudem sei „die Einleitung der Freilassung … auf Anweisung der Privatinitiative“ erfolgt.
Weitere Kritikpunkte werden ebenfalls bestritten: „Darstellungen Dritter, wonach Frau Dr. Tönnies ohne berechtigten Grund (bestehendes Sicherheitsrisiko) an Bord zurückgelassen worden sei, die Crew dem Wal gegenüber gleichgültig oder tierverachtend aufgetreten sei oder die Freisetzung gar eigenmächtig oder aus sachfremden Motiven erfolgte, sind allesamt unwahr.“
Auch den Vorwurf, die Seeleute hätten Timmy verletzt, weist die Anwältin zurück. Nach Darstellung der Reederei habe sich der Wal seine Verletzungen zugezogen, als er wegen starken Seegangs gegen die Längsschotten der gefluteten Barge stieß, mit der er transportiert wurde.
Timmys Freilassung sei nach Absprache erfolgt
Zum Ablauf der geplanten Freilassung am 1. Mai heißt es, Timmy sei nach dem Entfernen des Netzes am Heck der Barge nicht wie gehofft hinausgeschwommen. Daraufhin habe man ihm mit Schläuchen eine Schlinge gebaut – ausdrücklich „in Umsetzung der Vorgaben durch die Privatinitiative“. Der Versuch sei schließlich bei Einbruch der Dunkelheit beendet worden.
Am 2. Mai folgte ein weiterer Versuch, bei dem dieser frei kam. Die Schläuche seien sofort gelöst worden. Anschließend habe Timmy geatmet, so die Besatzung des Schiffes, sei vorbeigeschwommen und schließlich abgetaucht.
Seitdem wurde der Buckelwal nicht mehr gesehen. Experten befürchten inzwischen, dass das Tier tot sein könnte. Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns fordert weiterhin die Daten des am Wal befestigten GPS-Senders von der privaten Initiative an. Bisher hat es sie offenbar nicht erhalten.