Gestrandeter Buckelwal
Angeblicher Insider nennt neue Details zu „Timmys“ Freilassung

Buckelwal "Timmy" in der Barge, mit der er in die Nordsee gelangte
Buckelwal "Timmy" in der Barge, mit der er in die Nordsee gelangte
© Jens Schwarck / Rettungsinitiative / DPA

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Eine angeblich an der Freilassung von Buckelwal „Timmy“ beteiligte Person liefert neue Infos zur Aktion. Und widerspricht dabei auch Vorwürfen der privaten Rettungsinitiative.

Knapp eine Woche ist seit der Freilassung des mehrfach an der Ostsee gestrandeten Buckelwals vergangen. Das Tier war am Samstagmorgen (2. Mai) etwa 70 Kilometer vom dänischen Ort Skagen ins Meer gesetzt worden, seitdem wurde der von vielen Beobachtern als „Timmy“ getaufte Wal nicht mehr gesehen. 

Die anfängliche Freude über die Freilassung wich jedoch schnell Ärger und Kritik – auch, weil die für die Aktion verantwortliche Privatinitiative unverändert Details zum Ablauf am vergangenen Samstag sowie Informationen zum Verbleib des Tiers schuldig bleibt.

Nicht nur gab es, entgegen der Vereinbarung mit dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern, keine Foto- oder Videoaufnahmen von der Freilassung. Auch seien bislang keine Daten zur Ortung oder zum Gesundheitszustand des Wals übermittelt worden, kritisierte Umweltminister Till Backhaus am Mittwoch. „Ich hätte mir hier deutlich mehr Transparenz gewünscht“, sagte der Politiker.

Die Privatinitiative wiederum hatte schon Tage zuvor wütend auf Kritik reagiert und ihrerseits gegen die Besatzungen der an der Freilassung beteiligten Schiffe geschossen. Man distanziere sich „ausdrücklich von den Geschehnissen und der Art und Weise, welche zur Aussetzung des Wales führten“, hieß es in einem Statement. Man sei an der Freilassung nicht beteiligt gewesen und habe diese nicht aktiv begleitet. 

Angeblich sollen Crewmitglieder den Wal mit Seilen in die Nordsee gezogen haben, um die Freilassung zu beschleunigen. Die Seeleute wiederum bestritten dies und wehrten sich gegen Vorwürfe der Tierquälerei. Seither schweigen sie und die Schiffsbetreiber. Auch an der dünnen Informationslage um „Timmys“ Verbleib hat sich nichts geändert. 

Augenzeuge offenbar direkt an Buckelwal-Rettung beteiligt 

Nun aber packt ein angeblicher Augenzeuge in einem Interview mit der „Ostsee Zeitung“ über den Ablauf der Freilassung aus. Darin widerspricht die Person auch Angaben der privaten Rettungsinitiative. Das Gespräch soll aufgrund der aufgeheizten Stimmung um den Buckelwal unter der Bedingung stattgefunden haben, dass der „Insider“ anonym bleibt. Die Angaben lassen sich somit nicht unabhängig überprüfen, sie erwecken jedoch den Eindruck, dass die Person direkt an der Aktion beteiligt war.

Nach Ausführungen zum zunächst angeblich reibungslosen Verlauf der Fahrt in Richtung Nordsee berichtet der Zeuge auch von Gefahren. Demnach hätte sich der Wellengang schnell auf eineinhalb Meter erhöht. Helfer, die sich vom Schlepper zur Barge absetzen wollten, hätten beim Überklettern der Reling abrutschen und zwischen Boot und Barge im Wasser landen können, mit der Gefahr, zerquetscht zu werden. Dem Wal sei es unterdessen mit voranschreitender Fahrt immer besser gegangen. Der steigende Salzgehalt des Wassers habe das Tier agiler gemacht und auch sein Hautbild verbessert. „Er fand es unter anderem schön, wenn er in der Barge Besuch von Helfern bekam“, behauptet der Augenzeuge.

„Timmy“ rutschte angeblich rückwärts aus Barge

Dem Vorwurf, „Timmy“ sei mit Seilen ins Meer gezogen worden, widerspricht die Person. Das Tier sei weder mit Seilen an der Schwanzflosse gezogen noch von Menschenhand geschubst worden. Vielmehr könne die tonnenschwere Barge durch ein Absenken ihren Tiefgang verändern. Der Wal habe so nicht mehr auf dem Boden des Transportkrans gelegen, sondern sich bewegen können. Weil er sich jedoch nicht eigenständig drehen konnte, habe die „Fortuna B“ beschleunigt, wodurch das Tier rückwärts aus der Barge gerutscht sei. „Ähnlich wie bei einer Tischdecke, auf der ein Teller liegt, und man schnell an der Decke zieht.“

Dass in Videos zu sehen war, wie mit Seilen am Wal hantiert wurde, erklärt der Augenzeuge damit, man habe verhindern wollen, dass das Tier aufgrund der Wellen mit dem Kopf gegen die Wand knallte. Sein Maul sei da schon verletzt gewesen, angeblich hatte die Wunde die Größe eines Gullydeckels.

Privatinitiative soll Zeitpunkt der Freilassung bestimmt haben

Auch beteuert der „Insider“ – entgegen Angaben der Privatinitiative – die Schiffsbesatzungen hätten den Zeitpunkt der Aussetzung bestimmt. Demnach habe es einen Ablaufplan der Retter gegeben und das Tier sei nach eben diesen Plänen der Experten freigelassen worden. Das Startsignal dafür sei durch die private Rettungsinitiative erfolgt.

Warum aber gab es dann keine Aufnahmen, die die Freilassung dokumentieren? Angeblich, weil nicht fotografiert werden durfte, sagt der Augenzeuge der „Ostsee Zeitung“. Auch ein TV-Team sei von Drohnenaufnahmen abgehalten worden. Demnach sollte der Wal ohne Medientrubel in die Freiheit gelangen. Zuvor sei ihm ein Peilsender an der Flosse angebracht worden.

„Timmy“ sei dann auch sofort losgeschwommen und innerhalb weniger Minuten bis auf sein Ausatmen nicht mehr zu sehen gewesen. Es sei „wunderschön“ gewesen, den Wal wieder schwimmen zu sehen, so der Augenzeuge.

Fehlende Klarheit, ob Buckelwal noch lebt

Ob „Timmy“ noch lebt, und falls ja, wo aktuell er unterwegs ist, bleibt indes unklar. Nach Aussage von Karin Walter-Mommert, einer Geldgeberin der Initiative hinter dem Transport, soll der Sender zwar Signale liefern, eine Ortung des Tieres sei aber unmöglich. Das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern forderte diesbezüglich am Donnerstag Klarheit von den Rettern, warum keine Daten übermittelt würden. Sollte dies nicht geschehen, werde das Ministerium rechtliche Schritte prüfen, so eine Sprecherin.

Quellen: „Ostsee Zeitung“  mit Material der Nachrichtenagenturen DPA und AFP

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