Lebt der Buckelwal noch? Und falls ja: Wie geht es ihm? Ob die Rettungsaktion ein Erfolg war, bleibt unklar. Der stern-Newsblog.
Seit Anfang März irrte ein Buckelwal vor der deutschen Ostseeküste umher und strandete dabei mehrmals – erst in Schleswig-Holstein vor Timmendorfer Strand – daher der Name „Timmy“ – und schließlich am 31. März endgültig vor der Insel Poel in der Wismarer Bucht (Mecklenburg-Vorpommern). Von dort startete eine groß angelegte Rettungsaktion. Der Buckelwal wurde in einer Transport-Barge Richtung Nordsee gebracht. Er sollte bereits am 1. Mai freigelassen werden. Doch der Seegang war stark und Wal „Timmy“ drehte sich nicht in seiner Barge. Am nächsten Morgen klappte es, seit Samstag, 2. Mai ist „Timmy“ frei. Mitten auf der Nordsee vor der norwegischen Küste schwamm er ins offene Meer.
Buckelwal „Timmy“ ist frei: Wie es nun weitergeht
Alle Entwicklungen im stern-Newsblog:
Wichtige Updates
Phil Göbel
Wo ist der Wal? Initiative liefert noch immer keine Daten
Das Landesumweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern wartet weiter auf belastbare Informationen zum Wal. Die für den Transport verantwortliche Privatinitiative habe entgegen ausdrücklicher Vereinbarungen bisher keine Daten zu Ortungen oder Gesundheitszustand bereitgestellt, so Umweltminister Till Backhaus.
Er kritisierte das Verhalten der von den Behörden geduldeten Initiative scharf: „Ich hätte mir hier deutlich mehr Transparenz gewünscht.“ Er wolle sich aber auch weiterhin nicht an „Spekulationen“ über einen etwaigen Tod des Meeressäugers beteiligen, fügte er hinzu.
Sollte sich die Situation nicht ändern, erwäge das Ministerium gar rechtliche Schritte gegen die Initiative, wie der „Spiegel“ berichtet.
Sollte sich die Situation nicht ändern, erwäge das Ministerium gar rechtliche Schritte gegen die Initiative, wie der „Spiegel“ berichtet.
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Kai Müller
Rückblick: Die Artgenossen des Walbullen
Tierschicksale könnten helfen, Aufmerksamkeit für ökologische Probleme zu generieren – in diesem Fall sei das aber kaum gelungen, meint Politikwissenschaftler Kai Arzheimer von der Universität Mainz. Vermutlich werde das Geschehen schnell vergessen sein, nimmt der Politikwissenschaftler Arthur Benz an. „Lernen könnte man daraus nur, wie man nicht Politik betreiben soll. Aber es gibt leider viele andere Fälle, aus denen man das auch könnte.“
Von Whale and Dolphin Conservation hieß es, die Organisation werde sich für ein Strandungsprotokoll in Deutschland einsetzen, das im Falle einer Walstrandung offiziell regelt, was zu tun ist. „Auch wenn der Fall dieses Buckelwals extrem traurig und tragisch ist – die Realität ist, dass jedes Jahr rund 300.000 Wale und Delfine weltweit einen ähnlich langen Leidens- beziehungsweise Sterbeweg haben, da sie sich in Fischereigeräten verstricken.“
Von Whale and Dolphin Conservation hieß es, die Organisation werde sich für ein Strandungsprotokoll in Deutschland einsetzen, das im Falle einer Walstrandung offiziell regelt, was zu tun ist. „Auch wenn der Fall dieses Buckelwals extrem traurig und tragisch ist – die Realität ist, dass jedes Jahr rund 300.000 Wale und Delfine weltweit einen ähnlich langen Leidens- beziehungsweise Sterbeweg haben, da sie sich in Fischereigeräten verstricken.“
„Auch wenn der Fall dieses Buckelwals extrem traurig und tragisch ist – die Realität ist, dass jedes Jahr rund 300.000 Wale und Delfine weltweit einen ähnlich langen Leidens- beziehungsweise Sterbeweg haben, da sie sich in Fischereigeräten verstricken“Whale and Dolphin Conservation
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Kai Müller
Rückblick: Der Wal
Verwest das Tier längst auf dem Grund der Nordsee? „Da sich der Wal in einem extrem geschwächten Zustand befand und nach früheren Rettungsversuchen innerhalb kurzer Zeit immer wieder strandete, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er nicht genug Kraft besaß, um längerfristig im tiefen Wasser zu schwimmen und nicht mehr lebt“, heißt es von Experten des Deutschen Meeresmuseums.
Vor seiner Freisetzung war der Wal bei hohem Wellengang im Lastkahn hin und her geschwappt und gegen die Bordwände geprallt. Er habe sich dabei nur etwas am Maul verletzt, hieß es von der Initiative. Durch unabhängige Quellen verifizieren ließ sich diese Angabe ebenso wenig wie etliche andere.
„Am Kopf ist die Blubberschicht extrem dünn, deshalb kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Blubber die Stöße abgefangen hat“, erklärt das Meeresmuseum. Jeder Stoß habe ungedämpft auf den Kopfbereich eingewirkt. Der Wal habe sehr geschwächt gewirkt, habe sich den Livestream-Bildern zufolge in dem Stahlbecken kaum bewegt.
Fehlen die Daten weiter, ließe sich nicht einmal sagen, ob das letztlich einen Sinn hatte: „Ohne zu wissen, wo sich das Tier befindet, und ohne zu wissen, dass es sich bewegt, lässt sich unmöglich sagen, ob es tot ist – womit die gesamte Aktion umsonst und Tierquälerei gewesen wäre“, sagt der dänische Meeresbiologe Peter Madsen von der Universität Aarhus.
Vor seiner Freisetzung war der Wal bei hohem Wellengang im Lastkahn hin und her geschwappt und gegen die Bordwände geprallt. Er habe sich dabei nur etwas am Maul verletzt, hieß es von der Initiative. Durch unabhängige Quellen verifizieren ließ sich diese Angabe ebenso wenig wie etliche andere.
„Am Kopf ist die Blubberschicht extrem dünn, deshalb kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Blubber die Stöße abgefangen hat“, erklärt das Meeresmuseum. Jeder Stoß habe ungedämpft auf den Kopfbereich eingewirkt. Der Wal habe sehr geschwächt gewirkt, habe sich den Livestream-Bildern zufolge in dem Stahlbecken kaum bewegt.
Fehlen die Daten weiter, ließe sich nicht einmal sagen, ob das letztlich einen Sinn hatte: „Ohne zu wissen, wo sich das Tier befindet, und ohne zu wissen, dass es sich bewegt, lässt sich unmöglich sagen, ob es tot ist – womit die gesamte Aktion umsonst und Tierquälerei gewesen wäre“, sagt der dänische Meeresbiologe Peter Madsen von der Universität Aarhus.
„Ohne zu wissen, wo sich das Tier befindet, und ohne zu wissen, dass es sich bewegt, lässt sich unmöglich sagen, ob es tot ist – womit die gesamte Aktion umsonst und Tierquälerei gewesen wäre“Meeresbiologe Peter Madsen
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Kai Müller
Rückblick: Die Selbstdarsteller bei der Walrettung
Mit einem Selfiestick lässt sich ein Wal zwar schwerlich retten, zum Accessoire von Menschen direkt am leidenden Tier zählte er dennoch. Der Influencer Robert Marc Lehmann hatte einen dabei, als er vor Timmendorfer Strand zum Walbullen schritt. Auch in den Wochen danach war er immer wieder bei Leuten zu sehen, die sich dem Wal näherten.
Generell waren, vor allem als die Privatinitiative aktiv wurde, regelmäßig Menschen direkt am Wal. Mindestens einmal dümpeln Männer auf einem SUP, Päuschen-machend, direkt neben ihm. Im Sinne des Tierwohls ist das Experten zufolge nicht: Es werde zu so viel Abstand wie möglich geraten, hieß es von der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC).
Generell waren, vor allem als die Privatinitiative aktiv wurde, regelmäßig Menschen direkt am Wal. Mindestens einmal dümpeln Männer auf einem SUP, Päuschen-machend, direkt neben ihm. Im Sinne des Tierwohls ist das Experten zufolge nicht: Es werde zu so viel Abstand wie möglich geraten, hieß es von der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC).
Robert Marc Lehmann. Felix Koenig / Imago Images
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Kai Müller
Rückblick: Die rechte Ecke bei der Walrettung
Ausgerechnet die AfD und Naturschutz? Die Partei lehnt Klimaschutzmaßnahmen ab, hält an fossilen Brennstoffen fest, will Düngereinschränkungen lockern und auch Einschränkungen der Fischerei abschaffen. Wie passt das zusammen?
„Hervorragend“, sagt Politikwissenschaftler Kai Arzheimer von der Universität Mainz. Das Wal-Schicksal werde genutzt, um vom notwendigen, aber eher technischen Umweltschutz abzulenken. Die Tatsache, dass jährlich tausende Wale und Delfine in Fischernetzen verenden, werde ausgeblendet. „Stattdessen haben Rechtspopulisten hier einmal mehr die Möglichkeit, sich als Vertreter des Volksempfindens gegenüber den unfähigen, korrupten und nun auch noch grausamen Eliten zu inszenieren.“
Parteien neigten generell dazu, emotionale Themen aufzugreifen und zu instrumentalisieren, sagt der Medienforscher Philip Baugut von der Macromedia University of Applied Sciences.
„Hervorragend“, sagt Politikwissenschaftler Kai Arzheimer von der Universität Mainz. Das Wal-Schicksal werde genutzt, um vom notwendigen, aber eher technischen Umweltschutz abzulenken. Die Tatsache, dass jährlich tausende Wale und Delfine in Fischernetzen verenden, werde ausgeblendet. „Stattdessen haben Rechtspopulisten hier einmal mehr die Möglichkeit, sich als Vertreter des Volksempfindens gegenüber den unfähigen, korrupten und nun auch noch grausamen Eliten zu inszenieren.“
Parteien neigten generell dazu, emotionale Themen aufzugreifen und zu instrumentalisieren, sagt der Medienforscher Philip Baugut von der Macromedia University of Applied Sciences.
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Kai Müller
Rückblick: Die Menschen voller Hass
Angetrieben von populistischen Stimmungsmachern gab es auf Facebook, X, Instagram oder Tiktok rund um den Wal viel Druck und Hetze. Experten, Walschützer, das Ministerium, am Ende auch die Schiffsleute: Alle bekamen schlimme Hass- und Drohmails, mitunter sogar Todesdrohungen.
Die Emotionalisierung von Politik sei kein neues Phänomen, sagt Politikwissenschaftler Kai Arzheimer von der Universität Mainz.. „Die unsachlichen, persönlichen und bedrohlichen Attacken auf Expertinnen und Experten erinnern an die Pandemie.“
Vehemenz und Bedrohlichkeit von Diskussionen verschärften sich generell, sagt auch Kommunikationsforscher Sven Engesser von der TU Dresden.
Politiker sollten nicht dem Irrtum erliegen, dass die lautstark geäußerten Meinungen repräsentativ für die Bevölkerung seien. „Wir wissen aus der Forschung, dass sich vorwiegend eine radikale und stark emotionalisierte Minderheit an den öffentlichen Debatten beteiligt“, so Engesser. „Sehr viele Menschen haben sich jedoch vermutlich ein weitgehend sachliches Urteil über den Wal gebildet.“
Die Emotionalisierung von Politik sei kein neues Phänomen, sagt Politikwissenschaftler Kai Arzheimer von der Universität Mainz.. „Die unsachlichen, persönlichen und bedrohlichen Attacken auf Expertinnen und Experten erinnern an die Pandemie.“
Vehemenz und Bedrohlichkeit von Diskussionen verschärften sich generell, sagt auch Kommunikationsforscher Sven Engesser von der TU Dresden.
Politiker sollten nicht dem Irrtum erliegen, dass die lautstark geäußerten Meinungen repräsentativ für die Bevölkerung seien. „Wir wissen aus der Forschung, dass sich vorwiegend eine radikale und stark emotionalisierte Minderheit an den öffentlichen Debatten beteiligt“, so Engesser. „Sehr viele Menschen haben sich jedoch vermutlich ein weitgehend sachliches Urteil über den Wal gebildet.“
Politikwissenschaftler Kai Arzheimer. Johannes Gutenberg-Universität Mainz / Sämer / DPA
„Die unsachlichen, persönlichen und bedrohlichen Attacken auf Expertinnen und Experten erinnern an die Pandemie“Politikwissenschaftler Kai Arzheimer
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Kai Müller
Rückblick: Die Tier-Fans mit menschelnden Deutungen
Viele Menschen verfolgen die Wal-Saga aufmerksam und leiden merklich mit. Allerdings wird der schwerkranke Wal von vielen offensichtlich nicht als scheues Wildtier wahrgenommen, das sehr viel Angst und Stress empfinden kann. Geldgeber Gunz meint gar, der Wal erinnere ihn an einen Hund, generell ein Haustier. „Für mich ist das Schönste, dass der Wal sich hat streicheln lassen und die Flosse gehoben hat und ein liebes und soziales Wesen ist.“
„So ruhig und friedlich ist er“ dürfte in verschiedenen Abwandlungen die meistgepostete Bemerkung zum Zustand des Walbullen sein. „Pudelwohl“ fühle der Wal sich in der Barge, verlautbart auch Umweltminister Till Backhaus, nachdem das geschwächte Tier erfolgreich in das Stahlbecken getrieben war. Experten warnen vor einem gefährlichen Trugschluss: Tatsächlich wurde der geschwächte Wal vermutlich deshalb immer ruhiger, weil er schlichtweg nicht mehr konnte.
Das beobachtete Verhalten des Buckelwals sei insgesamt stark passiv gewesen, heißt es vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund. „Im Vergleich dazu zeigen gesunde Bartenwale, insbesondere Buckelwale, ein deutlich aktiveres Bewegungs- und Verhaltensrepertoire, einschließlich dynamischer Schwimm- und Sprungbewegungen.“
„So ruhig und friedlich ist er“ dürfte in verschiedenen Abwandlungen die meistgepostete Bemerkung zum Zustand des Walbullen sein. „Pudelwohl“ fühle der Wal sich in der Barge, verlautbart auch Umweltminister Till Backhaus, nachdem das geschwächte Tier erfolgreich in das Stahlbecken getrieben war. Experten warnen vor einem gefährlichen Trugschluss: Tatsächlich wurde der geschwächte Wal vermutlich deshalb immer ruhiger, weil er schlichtweg nicht mehr konnte.
Das beobachtete Verhalten des Buckelwals sei insgesamt stark passiv gewesen, heißt es vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund. „Im Vergleich dazu zeigen gesunde Bartenwale, insbesondere Buckelwale, ein deutlich aktiveres Bewegungs- und Verhaltensrepertoire, einschließlich dynamischer Schwimm- und Sprungbewegungen.“
„Für mich ist das Schönste, dass der Wal sich hat streicheln lassen und die Flosse gehoben hat und ein liebes und soziales Wesen ist“Geldgeber der Walrettungsinitiative Walter Gunz
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Kai Müller
Rückblick: Die missachteten Experten
Bei Themen wie dem Nahostkonflikt gibt es durchaus mal verschiedene Ansichten unter den ausgewiesenen Experten. Und beim Wal? Gar nicht. Als der rund zwölf Meter lange Buckelwal vor der Ostsee-Insel Poel zum mindestens vierten Mal in einer Flachwasserzone liegenbleibt, wird nach einem Gutachten dazu geraten, das geschwächte Tier in Ruhe zu lassen und keine weiteren Bergungs- oder Motivierungsversuche zu unternehmen.
In den wiederholten Strandungen sehen die Experten übereinstimmend einen Hinweis darauf, dass es dem Tier nicht gut ging. Der Buckelwal ist Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zu seinem Transport liegt er zu rund zwei Dritteln der Zeit in Flachwasserzonen.
Ausgewiesene Experten, Institute, Organisationen weltweit, die der Einschätzung widersprechen: null. Das verändert sich auch in den darauffolgenden Wochen nicht. Es gehe nicht um Zweifel an der technischen Machbarkeit, betont das Deutsche Meeresmuseum. Bei der Bewertung gehe es um das Wohl des Tiers und die Vermeidung jeglichen weiteren Leidens.
In den wiederholten Strandungen sehen die Experten übereinstimmend einen Hinweis darauf, dass es dem Tier nicht gut ging. Der Buckelwal ist Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zu seinem Transport liegt er zu rund zwei Dritteln der Zeit in Flachwasserzonen.
Ausgewiesene Experten, Institute, Organisationen weltweit, die der Einschätzung widersprechen: null. Das verändert sich auch in den darauffolgenden Wochen nicht. Es gehe nicht um Zweifel an der technischen Machbarkeit, betont das Deutsche Meeresmuseum. Bei der Bewertung gehe es um das Wohl des Tiers und die Vermeidung jeglichen weiteren Leidens.
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Kai Müller
Rückblick: Der Wal-Minister
Mittendrin im Spektakel steht ein SPD-Politiker, der die Wal-Rettung augenscheinlich über Wochen hinweg zur obersten Priorität seines Minister-Daseins erklärt. Mehrfach läuft Backhaus selbst zum Wal, fasst das geschwächte Wildtier sogar an. Einen Termin zum Schutz von Schweinswalen in der Ostsee schwänzt er hingegen einem „Spiegel“-Bericht zufolge. Er werde den Wal bis zum Ende begleiten, betont Backhaus mehrfach und zitiert und verteidigt die Eindrücke beteiligter Tierärztinnen.
Am Ende zeigt sich allerdings auch er unzufrieden mit der Initiative: Vereinbarte Daten und Angaben seien bisher nicht geliefert worden. Auch ein abgesprochenes Videosystem auf dem Lastkahn mit dem Wal habe gefehlt.
Backhaus' Beziehung zum Wal möge Ausdruck persönlicher Tierliebe sein, sagt der Politikwissenschaftler Arthur Benz, ehemals an der Technischen Universität Darmstadt. „Sie ist aber kein gutes Argument für irgendeine Entscheidung in seiner Funktion als Minister.“ Backhaus habe versucht, aus einer schlechten Situation das zu machen, was er für das politisch Beste hielt, glaubt der Politikwissenschaftler Kai Arzheimer von der Universität Mainz.
Der Kommunikationsforscher Sven Engesser von der TU Dresden sieht taktische Überlegungen angesichts der bevorstehenden Landtagswahl als einen Grund an. Eine spektakuläre Tierrettung erzeuge starke Bilder, die Fürsorge, Verantwortungsbereitschaft, Heimatverbundenheit und staatliche Handlungsfähigkeit signalisierten.
Am Ende zeigt sich allerdings auch er unzufrieden mit der Initiative: Vereinbarte Daten und Angaben seien bisher nicht geliefert worden. Auch ein abgesprochenes Videosystem auf dem Lastkahn mit dem Wal habe gefehlt.
Backhaus' Beziehung zum Wal möge Ausdruck persönlicher Tierliebe sein, sagt der Politikwissenschaftler Arthur Benz, ehemals an der Technischen Universität Darmstadt. „Sie ist aber kein gutes Argument für irgendeine Entscheidung in seiner Funktion als Minister.“ Backhaus habe versucht, aus einer schlechten Situation das zu machen, was er für das politisch Beste hielt, glaubt der Politikwissenschaftler Kai Arzheimer von der Universität Mainz.
Der Kommunikationsforscher Sven Engesser von der TU Dresden sieht taktische Überlegungen angesichts der bevorstehenden Landtagswahl als einen Grund an. Eine spektakuläre Tierrettung erzeuge starke Bilder, die Fürsorge, Verantwortungsbereitschaft, Heimatverbundenheit und staatliche Handlungsfähigkeit signalisierten.
Till Backhaus, der Agrar-, Umwelt- und Klimaschutzminister von Mecklenburg-Vorpommern. Jens Büttner / DPA
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Kai Müller
Rückblick: Die Privatinitiative hinter dem Transport
Mitte April gibt Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus überraschend bekannt: Der Versuch einer privaten Initiative für einen Transport in die mehr als 400 Kilometer entfernte Nordsee werde geduldet. Finanziert wird das Vorhaben von der aus dem Pferdesport bekannten Unternehmerin Karin Walter-Mommert und dem Mediamarkt-Gründer Walter Gunz.
Fachleute renommierter Institutionen wie dem Deutschen Meeresmuseum sind nicht beteiligt, dafür unter anderem ein peruanischer Schriftsteller, Kleintierärztinnen ohne Erfahrung mit Walen und mehrere AfD-Sympathisanten. Auch der Initiator der Rettungsaktion, Jens Schulz, soll der AfD nahestehen. Es gibt viel Fluktuation, immer wieder gehen sich Teammitglieder öffentlich gegenseitig an, zuletzt werden beteiligten Schiffsunternehmen schwere Vorwürfe gemacht.
Solange der Wal noch vor der Insel Poel lag, ließ sich über Bilder nachvollziehen, wie am Wal gewerkelt wurde. Die Initiative selbst informierte nur spärlich – wesentlich häufiger ist es Backhaus, der Auskunft gibt. Sein Engagement endet mit der Abfahrt des Transports am 28. April.
Nun zeigen nur noch Drohnenaufnahmen des Livestream-Anbieters News5 den Stand beim Wal. Von der Freisetzung des Tiers am 2. Mai wurden dann gar keine Bilder mehr öffentlich. Ein GPS-Sender zur weiteren Ortung liefert nach Angaben der Initiative vorerst keine Daten.
Fachleute renommierter Institutionen wie dem Deutschen Meeresmuseum sind nicht beteiligt, dafür unter anderem ein peruanischer Schriftsteller, Kleintierärztinnen ohne Erfahrung mit Walen und mehrere AfD-Sympathisanten. Auch der Initiator der Rettungsaktion, Jens Schulz, soll der AfD nahestehen. Es gibt viel Fluktuation, immer wieder gehen sich Teammitglieder öffentlich gegenseitig an, zuletzt werden beteiligten Schiffsunternehmen schwere Vorwürfe gemacht.
Solange der Wal noch vor der Insel Poel lag, ließ sich über Bilder nachvollziehen, wie am Wal gewerkelt wurde. Die Initiative selbst informierte nur spärlich – wesentlich häufiger ist es Backhaus, der Auskunft gibt. Sein Engagement endet mit der Abfahrt des Transports am 28. April.
Nun zeigen nur noch Drohnenaufnahmen des Livestream-Anbieters News5 den Stand beim Wal. Von der Freisetzung des Tiers am 2. Mai wurden dann gar keine Bilder mehr öffentlich. Ein GPS-Sender zur weiteren Ortung liefert nach Angaben der Initiative vorerst keine Daten.
Mediamarkt-Gründer Walter Gunz. DPA
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Kai Müller
Kaum jemand kommt Walen regelmäßig so nahe wie Patrick Dykstra. Hier erzählt der Kameramann, warum wir die Tiere so faszinierend finden – und wie er den Wirbel um den kürzlich in der Ostsee gestrandeten Buckelwal einschätzt (Geo+):
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Kai Müller
Timmy, ein Rettungsmärchen – Was bleibt vom Wal-Trubel?
Viele Wochen fiebern etliche Menschen mit dem Schicksal des mehrfach an Ostseeküsten gestrandeten Buckelwals mit. Doch das vermeintliche Rettungsmärchen endet – zumindest vorerst – mit Ungewissheit und hässlichen Anschuldigungen. Bilder von der Freisetzung des schwer geschwächten Walbullen gibt es nicht. Ob er noch lebt, in welchem Zustand und wo – alles völlig unklar.
Und das womöglich für immer, sollte das Tier nicht noch einmal stranden oder doch noch die bislang fehlenden GPS-Ortsdaten auftauchen. Ein Blick zurück auf die, die dabei waren:
Und das womöglich für immer, sollte das Tier nicht noch einmal stranden oder doch noch die bislang fehlenden GPS-Ortsdaten auftauchen. Ein Blick zurück auf die, die dabei waren:
Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal in dem für seinen Transport vorgesehenen Lastkahn. Stefan Sauer / DPA
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Tim Schulze
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus zu der Behauptung, der Wal sei bereits tot:
„Ich nehme die aktuelle Diskussion und die Einschätzungen des Deutschen Meeresmuseums zur Kenntnis. Den Spekulationen über den möglichen Tod des Wals schließe ich mich zum jetzigen Zeitpunkt ausdrücklich nicht an. Ich richte mein Urteil an Fakten aus. Sollte das Deutsche Meeresmuseum Erkenntnisse haben, die wir nicht haben, bitte ich um entsprechende Herausgabe.“
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Kai Müller
Ministerium: Warten immer noch auf Daten zum Wal
Zum Zustand des in der Nordsee freigesetzten Buckelwals liegen dem Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns noch immer keine Daten vor. Sie müssten zügig vorgelegt und die offenen Fragen aufgeklärt werden, teilt Landes-Umweltminister Till Backhaus mit. Es bestehe berechtigtes Interesse an Transparenz. Schon am Samstag hatte eine Sprecherin des Ministeriums gesagt, die Peildaten seien mehrfach angefordert worden, lägen aber nicht vor.
„Mit der privaten Initiative ist vereinbart, dass sie sich bis heute mit den angeforderten Informationen zurückmeldet. Dazu gehören insbesondere die Daten der Peilsender sowie aktuelle Erkenntnisse zum Zustand des Tieres“, sagt der Minister nun.
Er verweist darauf, dass zentrale Punkte vorab mit der privaten Initiative verbindlich vereinbart worden seien – etwa das Anbringen eines Peilsenders sowie das Bereitstellen der Daten für einen vertraulichen Kreis. „Diese Punkte dienen der Nachvollziehbarkeit des Einsatzes und der weiteren Einordnung des Geschehens.“
„Mit der privaten Initiative ist vereinbart, dass sie sich bis heute mit den angeforderten Informationen zurückmeldet. Dazu gehören insbesondere die Daten der Peilsender sowie aktuelle Erkenntnisse zum Zustand des Tieres“Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus
Till Backhaus, Umweltminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Bernd Wüstneck / DPA
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Eugen Epp
Das Meeresmuseum fordert die Privatinitiative zur Aufklärung auf. Unabhängig überprüfbare Erkenntnisse zum Verbleib des Wals seien zur Aufarbeitung des Falls von großer Bedeutung. Es gehe auch um den Umgang mit etwaigen künftigen Lebendstrandungen von Walen, eine Klärung liege im „wissenschaftlichen und öffentlichen Interesse“.
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DPA