Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
in den kommenden Wochen bin ich für den morgendlichen Newsletter zuständig. Ich freue mich sehr darauf, mit Ihnen gemeinsam in den Tag zu starten. Gestern bin ich für eine Dienstreise in Tokio angekommen. Und ich muss sagen: Es war ein sehr erstaunlicher Flug. Schuld daran sind der Iran- und der Ukrainekrieg. Zahlreiche Flugräume weltweit sind gesperrt oder werden von den Airlines gemieden. Das sorgte im Fall meines Fluges dafür, dass unsere Maschine einen weiten Bogen um Russland machte. Und wir über den Nordpol flogen.
Das war faszinierend, aber durch den Umweg hat sich die Flugzeit seit Kriegsbeginn in der Ukraine auf meiner Strecke von Helsinki in die japanische Hauptstadt von neuneinhalb auf etwa 13 Stunden erhöht. Nicht nur das: Zahlreiche Flüge, die über den Nahen Osten führen würden, wurden gestrichen. Mein Flug war derart überbucht, dass am Gate Freiwillige gesucht wurden, die auf ihren Platz verzichten wollten – gegen Entlohnung.
Der Irankrieg wird zum weltweiten Stressfaktor
Sollte der Krieg im Iran noch länger weitergehen, wird das natürlich auch Folgen für den Sommerurlaub haben. Zahlreiche Regionen fallen schlichtweg als Ziel für entspannte Ferien aus. Andere erleben einen Ansturm. Die Ferienwelt ist dramatisch geschrumpft.
Aber auch bei alltäglichen Dingen werden die Folgen immer spürbarer. Vor allem der Irankrieg wird zum internationalen Stressfaktor. Die Nahrungsmittelpreise steigen weltweit ebenfalls, unter anderem weil Dünger knapp wird. Hier in Japan fürchtet man sich vor weiter steigenden Sprit- und Nahrungsmittelpreisen. In den USA kostet die Gallone Benzin fast vier Dollar. Trumps Anhänger verzeihen ja unglaublich viel, aber bei hohen Spritpreisen hört für viele der Spaß auf. Aber das kennen Sie auch aus Deutschland.
Apropos Spaß: Heliumballons, ein beliebtes Party-Accessoire, könnten bald knapp werden. Ein Drittel der weltweiten Heliumproduktion aus Katar fällt gerade wegen des Irankrieges weg, so berichtet die American Chemical Society. Klar, auf bunte Geburtstagsballons kann man verzichten. Aber das Edelgas wird auch gebraucht, um die Magnetspulen von MRT-Geräten zu kühlen. Die Herstellung von Computer-Chips läuft ebenso nicht ohne Helium.
Aber auch Jogginghosen könnten bald deutlich mehr kosten. Polyester ist eigentlich eine Billigfaser, aber basiert auf Erdöl. Steigen die Preise dafür wie gerade, wird auch die Herstellung teurer. Die New York Times stellte fest, dass in Indien das beliebte Butter-Hähnchen aus den Küchen verschwindet. Das Land importiert große Mengen des zum Kochen benutzten Petroleumgases aus dem Nahen Osten. Die Inder greifen zu Lebensmitteln, die schneller garen.
Auch Südkorea spart. Dort soll die Bevölkerung kürzer duschen, mehr mit dem Rad fahren und nur noch am Wochenende staubsaugen. Das Land importiert all sein Gas und Öl, 70 Prozent davon müssen durch die Straße von Hormus transportiert werden. Auch in Thailand will man weniger Energie verbrauchen. Klimaanlagen sollen dort, so der Wunsch der Regierung, auf 26 Grad eingestellt werden. Derzeit herrschen im Land Temperaturen um die 40 Grad. Im Fernsehen folgten drei Moderatoren direkt der Aufforderung des Premierministers, weniger Kleidung zu tragen. Sie legten ihre Krawatten und Sakkos ab und sagten: „Ziehen wir uns aus und halten uns an die Maßnahmen.“
Wenn es Sie tröstet: Auch Präsident Trump kommt der Krieg teuer zu stehen. Laut Ökonomen kostet er die USA durch die Kampfhandlungen allein bis zu drei Milliarden Dollar pro Tag.
Der syrische Übergangspräsident als Abschiebehelfer?
Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa kommt heute nach Deutschland und wird von Bundeskanzler Merz empfangen. Der ehemalige Islamistenführer ist umstritten: Er kämpfte für al-Qaida, begrüßt die Scharia, seine Milizen griffen Anfang des Jahres die kurdischen Stadtteile Aleppos an. Ein erneutes Aufflammen bürgerkriegsähnlicher Zustände hatte damals al-Scharaas Deutschlandbesuch verhindert. Demonstrationen von Menschenrechts- und Minderheitsorganisationen werden während seines Deutschlandbesuchs erwartet.
Der Staatsbesuch gilt bei vielen Kritikern schon jetzt als der umstrittenste des Jahres. Doch bei der Bundesregierung und im Innenministerium sind die Erwartungen an den Syrer groß: al-Scharaa könnte eine Schlüsselrolle bei der sogenannten Abschiebeoffensive spielen. Wird der Mann Merz wichtigster Abschiebehelfer, fragen deswegen meine Kollegen im Berliner Büro.
5-Minuten-Talk: Alle sind verrückt nach Timmy
Timmy verliert Haut. Timmy atmet schwerer. Timmy, Timmy, Timmy. Seit Tagen geht uns das Schicksal des Wals in der Ostsee nahe, Medien setzen Liveticker auf, Meeresforscher erklären die Lage, Behörden rücken zu Rettungsaktionen aus. In der Ukraine und im Nahen Osten sterben Menschen. Und was machen wir? Verfolgen einen Wal, der sich verirrt hat.
Oder lassen sich etwa Lehren aus dem Fall ziehen? Kann es sein, dass uns das Schicksal des Säugers auch deshalb nahegeht, weil die Welt so komplex geworden ist? Und was sagt der Fall über uns als Gesellschaft? Die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz diskutieren Timmy und die Folgen.
Weitere Schlagzeilen im Überblick
Das passiert am Montag, dem 30. März 2026
- CSU-Chef Markus Söder besucht die USA
- Arnold Schwarzenegger erhält Ehrendoktorwürde der Universität Ulster in Großbritannien
- In der Türkei wird der Prozess gegen den ehemaligen Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu und Gegner von Präsident Recep Tayyip Erdogan fortgesetzt
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Warum werden wir so wie unsere Eltern, obwohl wir es nicht wollen? Die Erziehung der Eltern wirkt wie eine unsichtbare Erbschaft. Was das bedeutet und warum es sinnvoll ist, sich an die eigene Erziehung zu erinnern, erklären zwei Psychoanalytiker. Meine Kollegin Lisa Frieda Cossham versucht im Interview die Frage zu beantworten, die so viele von uns beschäftigt.
Ich werde Sie ab sofort für die kommenden sechs Wochen in den Morgen begleiten. Wie hat Ihnen mein erster morgenstern gefallen? Schreiben Sie es mir gerne? Schreiben Sie es mir gerne: alexandra.kraft@stern.de. Sie können dieses Morgen-Briefing auch als Newsletter in Ihr Postfach erhalten. Melden Sie sich einfach unter folgendem Link an.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag!
Alexandra Kraft