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Abschied von Günther Jauch: "Ich weiß nicht warum - aber ich werde Sie vermissen"

Seit Jahren haben sie ihn Sonntag für Sonntag begleitet: Anlässlich der letzten Sendung von "Günther Jauch" nehmen die stern-Kritiker persönlich Abschied von dem Talkmoderator. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Von Andrea Zschocher

Günther Jauch

Zum letzten Mal begrüßt Günther Jauch am Sonntag seine Gäste im Berliner Gasometer.

"Tausch den Jauch"
Wenn man nach den Mails zwischen uns Autoren geht, war der Jauch-Talk nicht sonderlich beliebt. Wie bei keiner anderen Sendung flogen die Nachrichten hin und her, wenn der Sonntag nahte. Die Betreffs lauteten “Tausch den Jauch" oder "Jauch zu vergeben". Nicht selten hieß es auch "Jauch zu verschenken“. Damit verzichtete man auf sein Schreibhonorar, nur um nicht über Jauch schreiben zu müssen. Das hatte natürlich auch mit dem Sonntagstermin zu tun, manchmal fährt man übers Wochenende spontan mal weg. Ich fand es aber auch immer schwieriger, Jauch zu rezensieren als andere Talkshows. Es fehlte oft der rote Faden, an den man anknüpfen konnte. Man musste häufig einen Geröllhaufen zu einer Geschichte zusammenfügen. Einmal überschrieb ich meine Besprechung mit “Ist Ihr Gehalt eigentlich gerecht, Herr Jauch?“. Danach schlief ich schlecht, weil ich dachte, es gibt Aufregung. Nichts passierte. Einmal habe ich die Besprechung einfach vergessen. Ich schlief wie ein Stein. Dafür war der Montagmorgen umso aufregender.
Mark Stöhr


Fernsehen ohne Freund und Hund
"Abschied ist ein bisschen wie Sterben", sang Katja Ebstein einst. Der Abschied von Günther Jauch wirkt auf mich eher wie eine Befreiung aus einer Rolle, in der sich der beliebte Talkmoderator nie richtig eingefunden hat. Während er mit seinen neugierig unbekümmerten Fragen in Unterhaltungsformaten glänzt, wirkten diese in seinem Polit-Talk oft naiv bis deplatziert. Ich rechne es Günther Jauch jedoch hoch an, dass er aus eigenen Stücken die Biege macht. Als langweiligster Talk ist mir jener in Erinnerung, in der der ADAC seine gefälschte Pannenstatistik schönzureden versuchte. Am meisten berührt haben mich die Lebensgeschichten der beiden Auschwitz-Überlebenden Margot Friedländer und Eva Erben. Anschauen musste ich mir "Günther Jauch" übrigens stets alleine - weder mein Freund noch mein Hund interessierten sich die Bohne dafür.
Simone Deckner


Lieber Günther Jauch,
jeder Abschied ist wie ein kleiner Tod. Aber, ganz ehrlich, nach Ihrer letzten Sendung, dacht ich: Ich werde Sie nicht vermissen. Nicht, dass Sie das jetzt falsch verstehen: Ich habe wunderbare Erinnerungen an Sie. Damals, als Sie noch Moderator beim Bayerischen Rundfunk waren. Wenn ich Sie mal bei "Wer wird Millionär" sehe, denke ich gelegentlich daran. Und überhaupt: Wir haben ja am selben Tag Geburtstag.
Aber meine Erinnerung an all die Sonntagabende, die ich Ihnen zugesehen habe, weil ich - ein Privileg, ich weiß - Geld dafür bekommen habe, sind schon jetzt verblasst. Irgendwie ist Ihre Talkshow leider zu oft in sozialdemokratischer Mittelmäßigkeit versunken, mit zu vielen handelsüblichen Welterklärern und -verbesserern, die absehbare Statements und kalkulierte Provokatiönchen lieferten.
Irgendwann hab ich mal geschrieben: "So endet auch diese Sendung, die es gut gemeint hat, die sehr ernsthaft war - und bemüht. Aber eben nicht viel mehr erklären kann, als man sich selbst auch schon irgendwie gedacht hat."
Aber es ist halt auch nur eine Podiumsdiskussion.
Viele Grüße
Jan Zier
P.S.: Was mich echt mal interessieren würde: Haben Sie unsere ganzen Texte eigentlich je gelesen? Aber das ist jetzt wahrscheinlich wieder nur so eine Journalisten-Eitelkeit.


Herzförmige Kartoffeln und krumme Gurken
Mit Günther Jauch und mir, am Sonntagabend nach dem "Tatort" - das ist nie so wirklich was geworden. Ganz ehrlich: Der leicht verschnarchte "Inspektor Barnaby" im ZDF war mir immer lieber. Wenn man nicht schon beim "Tatort" wegdöst, dann holt man sich eben bei Großbritanniens langsamstem Ermittler den Rest. Dienstlich habe ich den Jauch einmal genießen dürfen. Es ging um herzförmige Kartoffeln, krumme Gurken und abgelaufenen Joghurt. Beschließt man so ein schönes Wochenende? Auch dass die RTL-Kollegen in der "Wer wird Millionär"-Redaktion mich beim Telefoncasting durchrasseln ließen, hat die Gefühle für Günther nicht wirklich vertieft. Ich mag ihn trotzdem, sage zum Abschied leise 'Servus'. Und probier es vielleicht nochmal bei RTL. Wo habe ich denn die Nummer hingelegt?
Ingo Scheel


Lieber Günther Jauch,
ich bin nicht schlechter in der Schule geworden, weil zu den Hausaufgaben die Radiosendung lief, die Sie damals, Mitte der 80er Jahre, beim BR moderierten. Im Gegenteil: Ich hörte Ihnen gerne zu. Hätte ich da schon Kritiken geschrieben, es wären wohl nur Lobeshymnen herausgekommen. Seit vier Jahren endet für mich mancher Sonntag vor den Fernseher, wo ich verfolgt habe, wie Sie die relevanten Geschehnisse anpacken. Ich hätte mir oft eine andere Themensetzung gewünscht. Und auf manche Themen hätte ich ohnehin gerne verzichtet. Eine Talkshow zu der Frage, wie es Michael Schuhmacher geht - was sollte das? Und dann Uli Hoeneß. Der reinste Talk-Exzess.

Aber auch Sie konnten dann und wann überraschen. Das haben Sie am besten geschafft, als im Mai 2012 ein Aktivist in die laufende Diskussion platzte. Er wurde von Sicherheitsleuten weggebracht, doch Sie holten ihn wieder zurück ins Studio mit den Worten: "Hier wird keiner einfach aus der Sendung wie in der Ukraine rausgehauen." Chapeau. Danke für diesen menschlichen Moment.
Davon gab es sonst nur wenige. Stattdessen eine Überdosis Einheits-Bla-Bla. Und Sie haben es meistens dahinlaufen lassen. Nachhaltig beeindruckt haben nur wenige Gäste. Dazu zählte Eva Mozes Kor, eine Auschwitz-Überlebende. Ihr Statement: "Wir müssen mit dem Anklagen aufhören." Es bringe nichts, ehemalige NS-Täter wieder und wieder zu beschuldigen. Denn: "Durch Anklagen können wir die Welt nicht verändern - wir haben auch bisher nichts damit erreicht." Eine wichtige Botschaft. Grundsätzlich und gerade in diesen Tagen.
Nun also ist die Zeit gekommen, in der Sie Ihre Moderationskarten endlich loslassen können. "Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, an keinem wie an einer Heimat hängen", formulierte es mal Hermann Hesse. Dennoch: So richtig weiß ich auch nicht, warum ich Sie am Sonntagabend vermissen werde, aber ich werde es tun. Manchmal. Es mag wohl daran liegen, dass ich mich schon in meiner Jugend an Sie gewöhnt habe. Zum Glück gibt ja immer noch "Wer wird Millionär?".
Sylvie-Sophie Schindler


Jauch wirkte oft lustlos
Sonntag ist "Tatort"-Zeit - und gleich im Anschluss erwartete mich des Öfteren Günther Jauch. Je häufiger ich die Talkshow beruflich sah, um darüber zu berichten, desto mehr fielen mir qualitative Unterschiede auf. Es gab Themen, wie etwa die Social-Freezing-Debatte oder die Diskussion über gerechtes Erben, die mir lange in Erinnerungen blieben, weil sie bereichernd waren, mit einer ausgewogenen Gästeauswahl überzeugten und aktuelle Stimmungen einfingen.
Und dann gab es die, die mich ärgerten. Weil es ein gutes Thema war, dass vollkommen beliebig präsentiert wurde. Die Gäste hatten sich entweder nichts oder so viel zu sagen, dass am Ende nur Geschrei zu vernehmen war. Allzu oft, so erlebte ich es, hielt sich Jauch zurück, statt einzuschreiten, Nachfragen zu stellen und die Moderation zu übernehmen. Lustlos wirkte der Moderator dabei, und ich ärgerte mich, dass statt ihm nicht jemand dort saß, der für seine Sendung brannte und sich mehr engagierte. Das kritisierte ich und wurde dafür vielfach kritisiert. Aber das gehört dazu.
Die Themengewichtung der Redaktion habe ich auch nach zwei Jahren nicht verstanden. Wochenlang wurden Gäste zu ein und demselben Thema geladen, andere dafür überhaupt nicht angesprochen. Was bleibt nach vier Jahren "Günther Jauch"? Vielleicht das Wissen, dass ein Polit-Talk nach dem "Tatort" irgendwie zum Sonntag dazugehört. 

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(