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Kühn kuckt - die TV-Kolumne: "Schuper! Dolle Show!"

Am Samstag ist es so weit: Florian Silbereisen moderiert "Am laufenden Band", den Fernsehklassiker des seligen Rudi Carrell. Kann ein Erfolg werden - sofern Silbereisen die Tipps von stern-Redakteur Alexander Kühn beherzigt.

Wer, wenn nicht er? Wo doch bereits seine "Feste der Volksmusik" anmuten wie eine Reise in längst vergangene Jahrzehnte. Wenn er in die Kamera strahlt, lächeln sieben Millionen ARD-Zuschauer zurück; wenn er schunkelt, wackeln die Seniorenheime - er ist der Sonnenschein der Geriatrie, der Zivi der Nation: Florian Silbereisen. Showmaster. Harmonikaspieler. Sänger. Wunsch-Enkel. Er jodelt mit Maria Hellwig, trällert mit Mireille Mathieu, turtelt mit Dagmar Koller. Derart im Gestrigen wirkend, hat der 25-Jährige sich erstklassig qualifiziert, um an diesem Samstagabend in der ARD eines der größten Ereignisse aller Fernsehzeiten wiederaufleben zu lassen: "Am laufenden Band", in den siebziger Jahren zelebriert von Rudi Carrell.

Unvergessene Shows zu reanimieren, haben ja schon einige versucht; baden gingen sie alle. Andreas Türck verging sich 1995 an "Dalli Dalli", war so spitze, dass man ihn rasch wieder wegschloss. Jörg Kachelmann brauchte 1998 drei Ausgaben, um "Einer wird gewinnen" an die Wand zu fahren. Marco Schreyl hielt beim "Großen Preis" immerhin von 2000 bis 2004 durch. Verglichen mit dem warmherzigen Hänschen Rosenthal war Türck ein Eisklotz; Kachelmann gegen den eloquenten Kuli ein Autist; Marco Schreyl für jeden, der sich noch an den bildschirmfüllenden Big Wim Thoelke und dessen aus der Tiefe des Brustkastens empordröhnendes "Riiisikooo!" erinnerte, eine kraftlose Hungermücke. Sie sehen also, Herr Silbereisen, die Show steht und fällt mit dem Präsentator.

"Dolle Show"

Die Menschen möchten sich nicht umgewöhnen. Versuchen Sie also, Herr Silbereisen, so gut es geht Rudi Carrells Größe zu erreichen, in allem, was ihn ausmachte. Rauchen Sie zur Vorbereitung 60 Zigaretten am Tag, ernähren Sie sich von Bier. Schreien Sie die Bühnenarbeiter zusammen. Kneifen Sie Kolleginnen in die Nippel, rufen dabei "tut-tuuut!" und brechen in meckerndes Gelächter aus. Nuscheln Sie sich durch die Sendung, fragen Sie Ihre Gäste "Wasmachesieberuflich?", streuen Sie gelegentlich ein "schuper!" ein oder rufen anerkennend "dolle Show!". Und seien Sie stets davon überzeugt, dass Sie, nur Sie, der einzig wahre, beste Showmaster sind, den die Welt je gesehen hat. Wir jedenfalls, Herr Silbereisen, wünschen Ihnen für Samstag alles Gute.