"Tatort: Könige der Nacht"
Mit Sozialkritik in die Sommerpause

  • von Elisa Eberle
Nach einem Leichenfund in der Limmat sind die Kommissarinnen Tessa Ott (Carol Schuler, links) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) schockiert von der Brutalität der Täter.
Nach einem Leichenfund in der Limmat sind die Kommissarinnen Tessa Ott (Carol Schuler, links) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) schockiert von der Brutalität der Täter.
© SRF/Sava Hlavacek

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Ein toter Callboy beschäftigt die Zürcher Kommissarinnen Tessa Ott (Carol Schuler) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) im letzten "Tatort" vor der Sommerpause. Gleichzeitig sorgt sich eine Geflüchtete aus Äthopien um ihre Zukunft.

Der letzte neue Sonntagskrimi im Ersten vor der extra langen Sommerpause kommt in diesem Jahr aus der Schweiz: In ihrem elften gemeinsamen Einsatz ermitteln die Zürcher Kommissarinnen Tessa Ott (Carol Schuler) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) dabei in einem besonders sozialkritischen Fall. "Tatort: Könige der Nacht" heißt der Film von Claudio Fäh (Regie) und Mathias Schnelting (Buch), der von illegalen Flüchtlingen in der Schweiz, einem ermordeten Callboy und einem "Sugardaddy" im Richteramt erzählt.

Alles beginnt mit einer Pizzalieferung zu später Stunde. Die Fahrradkurierin Moya Alemu (Nambitha Ben-Mazwi) ist sichtlich nervös, als sie das scheinbar menschenleere Hochhaus betritt und den Aufzug in den 23. Stock nimmt. Oben angekommen wird sie von einem netten jungen Mann empfangen. Moya übergibt die Bestellung und will schnell wieder los, muss sich dann jedoch vor zwei Security-Leiten verstecken. Irgendetwas, so viel wird nicht nur dem geübten Krimi-Publikum schnell klar, läuft hier gewaltig falsch. Vor allem da Moya wenig später Zeugin wird, wie zwei vermummte Männer, einen Plastiksack mit einer Leiche aus dem Gebäude schaffen.

Ein toter Mann und viele Fragen

Als am nächsten Morgen die übel zugerichtete Leiche des Callboys Ruben Jovanov (Yves Weckemann) aus der Limmat gefischt wird, erkennt Moya den jungen Mann aus dem Hochhaus. Zur Polizei gehen kann sie allerdings nicht, denn sie lebt illegal bei ihrer Freundin Sanaa Mukambo (Nancy Mensah-Offei), für die sie auch die Kurierschichten übernimmt. Als eine Nachbarin misstrauisch wird, müssen Moya und der Junge Yaro (André Nkot Olinga), um den sie sich kümmert, abermals fliehen.

In der Wohnung des toten Callboys treffen die Ermittlerinnen Grandjean und Ott derweil überraschend auf zwei Männer: Lukas Keller (Yusuf Arslan) und Christian Brock (Liliom Lewald) sind beide vorbestraft und suchen verzweifelt nach einer Kamera. Christian gelingt nach einem gewaltvollen Zusammenstoß mit Grandjean die Flucht, Lukas erzählt beim Verhör von Rubens Sugardaddy, bei dem es sich zur allgemeinen Überraschung um den angesehenen Richter Dr. Urs Jacobi (Stefan Merki) handelt. Doch die Verstrickungen gehen noch viel weiter, und bald gibt es eine zweite Leiche...

Sozialkritik, Action und Überraschungen

"Tatort: Könige der Nacht" ist ein über weite Strecken fesselnder Krimi, der nicht zuletzt von einem tiefen Mitgefühl für die verzweifelte Moya und den kleinen Jungen lebt. Auch wenn sie im Verlauf des Filmes einen wichtigen Beitrag zum Erfolg der Mordermittlungen beiträgt, ist ihr persönliches Schicksal am Ende weiter ungewiss. So sind es nicht zuletzt soziale Fragen nach Gerechtigkeit und Machtgefällen, die Regisseur Claudio Fäh in seinem ersten "Tatort" zum Thema macht.

Der 51-jährige Schweizer lebt seit 1999 in Los Angeles und ist dort vor allem für actionreiche B-Movies wie die beiden Filme "Sniper: Reloaded" (2011) und "Sniper: Homeland Security" (2017) bekannt. Auch im "Tatort: Könige der Nacht" arbeitet er mit Action-, Suspense- und Horror-Elementen. Auch wenn das Drehbuch von Krimi-Experte Mathias Schnelting hier und da auf ein paar Zufälle zu viel setzt, ist die Auflösung am Ende doch mehr als überraschend.

Wann geht es mit dem "Tatort" weiter?

Mit dem "Tatort: Könige der Nacht" schickt die ARD den Sonntagskrimi in eine extralange Sommerpause. Normalerweise dürfen sich Krimi-Fans noch bis in den Juni hinein über neue Filme der Marken "Tatort" und "Polizeiruf 110" freuen. Dass das Erste in diesem Jahr bereits an Anfang Mai auf Wiederholungen setzt, hängt unter anderem mit der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko zusammen. Diese startet am Donnerstag, 11. Juni.

Der erste neue Sonntagskrimi im Ersten ist für Sonntag, 13. September, um 20.15 Uhr angekündigt. Mit insgesamt 19 Wochen handelt es sich somit um die längste Sendepause in der Geschichte der Reihe. Ob es im Herbst mit zuerst mit einem "Tatort" oder einem "Polizeiruf" weitergeht, ist noch nicht bekannt.

Die Zukunft des Schweizer "Tatort" ist derweil bereits gesichert: Ein zwölfter Film unter dem Arbeitstitel "Tatort: Schuldig" wurde bereits 2025 gedreht. Neben Carol Schuler und Anna Pieri Zuercher als Ermittlerinnen sind auch Rachel Braunschweig als Staatsanwältin Anita Wegenast und Aaron Arens als IT-Spezialist Noah Löwenherz wieder dabei.

Tatort: Könige der Nacht – So. 03.05. – ARD: 20.15 Uhr

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