Manchmal sollte man es einfach rauslassen, das innere Kind. Es kann sonst nämlich ziemlich quengelig werden. Und das wäre gar nicht im Sinne von Björn Diemel (Tom Schilling). Der Anwalt und Mafia-Doppelboss hat in der zweiten Staffel des Netflix-Hits "Achtsam morden" ab 28. Mai schon genug zu tun - einen weiteren Quälgeist kann er jedenfalls nicht gebrauchen.
Von der inneren Ruhe ist bei Björn Diemel zu Beginn der zweiten Stelle nicht viel übrig geblieben. Dabei hatte er alle Probleme mit dem toten Mafiapaten in seinem Kofferraum achtsam gelöst und könnte nun mit seiner Tochter Emily und Noch-Frau Katharina (Emily Cox) in den österreichischen Bergen den ersten Familienurlaub seit Langem genießen.
Doch da ist eben jenes innere Kind mit seinem unbändigen Verlangen nach Kaiserschmarrn, Almdudler und Landjäger. Und wenn ein Kind nicht bekommt, was es will, dann kann das ziemlich unangenehm werden. Nicht nur für lustlose Kellner auf Almhütten.
Achtsamkeit hilft auch nicht immer
Also sitzt Diemel schneller, als ihm lieb ist, wieder seinem Achtsamkeits-Coach (Peter Jordan) gegenüber, der ihm dringend dazu rät, sein inneres Kind einfach mal freizulassen. Das führt natürlich wieder zu herrlich absurden Situationen in einer an absurden Situationen ohnehin nicht armen Serie. Zumal der Anwalt einmal mehr feststellen muss, dass Achtsamkeit kein Allheilmittel für die Leiden des modernen Menschen ist.
Einfacher wird das Leben mit dem inneren Kind an seiner Seite jedenfalls nicht. Der Anwalt muss sich mit seinem treuen Kompagnon Sascha (Murathan Muslu) noch um Überbleibsel aus der ersten Staffel kümmern und nicht nur einen, sondern mittlerweile zwei Mafia-Clans leiten. Dazu kommen Helikopter-Eltern, eine Erpressung, Allüren seiner baldigen Ex-Frau, ein neuer Love Interest (Friederike Kempter) und noch mehr Leichen.
Dass beim Spagat zwischen Rechtsberatung, achtsamer Gaunerkarriere und Liebesleben alles schiefgeht, was schiefgehen kann, gehört zur DNA der makabren Krimigroteske: Auch in den neuen Episoden mag der Humor nicht immer feingeistig sein, die Pointen sitzen trotzdem. Vor allem, weil man sich in dieser augenzwinkernden Gegenwartsdiagnose ein ums andere Mal selbst ertappt fühlt.