Als die Serie "Merz gegen Merz" vor sieben Jahren im ZDF Premiere feierte, ahnten wohl nur wenige, dass einst ein mächtiger Namensvetter des titelgebenden (Ex-)Ehepaars ins Kanzleramt ziehen würde. Nun wird die Erfolgsserie von Autor Ralf Husmann abermals in einem Spielfilm – und erstmals unter Merz' Kanzlerschaft – fortgesetzt: Im nunmehr dritten 90-Minüter "Merz gegen Merz – Geständnisse" verschlägt es Christoph Maria Herbst und Annette Frier diesmal als längst geschiedene Eheleute, die aber kaum ohne einander können, zu einer Preisverleihung. Samt Familienanhang, versteht sich. Das gemeinsame Wochenende bringt wie gewohnt viel Durcheinander und offenbart unbekannte Seiten der liebenswert-chaotischen Charaktere.
Erik Merz (Herbst) soll – zu seiner und aller Überraschung – einen wichtigen Unternehmer-Ehrenpreis verliehen bekommen. Doch der geschiedene Junggeselle will nicht allein zur Gala, bei der zwar kein Kanzler, dafür aber der Bundespräsident erwartet wird. Und so fragt er kurzerhand seine Ex-Frau Anne (Frier) und den gemeinsamen Sohn Leon (Philip Noah Schwarz), ob sie ihn zum Event begleiten. Nach einigem Zögern sind sie dabei, wenngleich nicht allein: Die gesamte Patchwork-Bagage versammelt sich im schicken Kölner Spa-Hotel, das fortan zum fast alleinigen Handlungsort wird. Ralf Husmann, der das Drehbuch diesmal gemeinsam mit Annekathrin Lang verfasste, schafft in der dritten Spielfilmfortsetzung seiner 2019 gestarteten Serie so fast eine Art Kammerspiel.
Beziehungsprobleme auf engstem Raum
Im Hotel prallen erwatungsgemäß die Familien- und Beziehungs-Problemchen auf engstem Raum aufeinander: Anne nähert sich Erik, der einen Geschäftspartner beeindrucken will, mit ungewohnten Rollenspielchen an – ist dann aber von ihrem plötzlich auftauchenden Partner Jonas (Nikolaus Benda) genervt, der vor allem Party, aber nicht die Probleme der gemeinsamen Event-Agentur im Blick hat und sie zudem vor aller Welt "Schluppi" nennt. Ebenfalls kriselt es in der Beziehung von Leon und seiner Frau Soraya (Süheyla Ünlü), die vor allem ihre Karriere im Blick hat, was er mit einem kindischen "Hör doch mal auf so rumzubossen" quittiert.
Dramatisch wird es auch für die älteren Semester: Während die Demenz von Annes Vater Ludwig (Michael Wittenborn) immer wildere Blüten treibt ("Sind Sie neu hier im Heim?", fragt er den Rezeptionisten), will sich seine Frau Maria (Claudia Rieschel) nicht mehr allein um ihn kümmern – und kommt in Begleitung von Silvia (Alexandra von Schwerin), mit der sie offensichtlich mehr als nur eine Freundschaft teilt. Eriks Eltern sind nur halb eingeladen, kommen aber dennoch – und während Papa Günter (Bernd Stegemann) genervt ist ("Der will uns doch gar nicht dabeihaben"), freundet sich Mutter Renate (Carmen-Maja Antoni) mit einer Dragqueen an und entdeckt ganz andere Freuden des Lebens.
Liebenswerte Figuren, viel Humor
Unter Regie von Felix Stienz kommt der neue "Merz gegen Merz" wieder sehr charmant, leichtfüßig und bisweilen albern, aber auch tragikomisch und lebensklug daher. Das liegt in erster Linie an den liebenswerten Charakteren von Ralf Husmann, der mit Christoph Maria Herbst einst auch den "Stromberg"-Kult schuf. Gerade das Duo Frier und Herbst zeigt meisterhaft und mit viel Humor die innere Zerrissenheit von Menschen, die zwischen der Sicherheit des Alten und dem Mut zum Aufbruch feststecken.
"Jedes Schnitzel hat seinen Preis – und jetzt hab ich auch einen", schlägt Erik Anne seine Idee für den Einstieg seiner Dankesrede vor. "Ich würde da nicht rein mit 'nem Schnitzel", gibt sie sich skeptisch. Derlei herrliche Dialoge und ein einfühlsamer Blick auf menschliche Schwächen zeichnen auch die nach "Hochzeiten" und "Geheimnisse" dritte filmische Fortsetzung von "Merz gegen Merz" aus. Dass das clevere Drehbuch, das die kammerspielhafte Enge zwischen Hotelzimmern, Buffet und Spabereich wunderbar auszuspielen weiß, bisweilen auch mit manchem Kalauer ("Mehr Falten als Peter Maffay") aufwartet – geschenkt.
Und der Kanzler? Ganz ohne Anspielung kommt der Film dann doch nicht aus: "Merz – nicht wie der Monat, sondern wie der Dings", unkt das Ex-Ehepaar an einer Stelle. Bleibt abzuwarten, ob das Kanzleramt auch bei der nächsten Fortsetzung der nach wie vor hochamüsanten und längst nicht auserzählten Reihe noch mit dem Namensvetter besetzt ist.
Merz gegen Merz – Geständnisse – Do. 21.05. – ZDF: 20.15 Uhr