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TV-Kritik

"Promi Big Brother", Tag 7: Da fällt selbst den Moderatoren nix mehr ein - so langweilig war "Promi Big Brother" noch nie

Der Tag nach der "Promi Big Brother"-Party kennt zwei Extreme: Weiterfeiern bis zum Attest. Oder eben Wundliegen. Im Luxuslodder-Bereich folgte auf die Sauf-Sause der Kater. Schade eigentlich.

Von Ingo Scheel

Katja Krasavice bei "Promi Big Brother"

Im Hinterhof riecht es nach Bratwurst. Auf dem Balkon wehen zwei Schlüpfer vom Wäscheständer. Zahnpasta ist alle. Eine Wespe bumpert gegen die Fensterscheibe. Irgendwo bellt ein Hund. Nebenan hört jemand Creedence Clearwater Revival. Sonst noch was? Ach genau, das war es: "Promi Big Brother" ist am Laufen.

Gebt mir ein H, gebt mir ein A, gebt mir ein N, gebt mir ein G, O, V, E, R! Am Tag nach dem prä-promisken Pool-Petting fällt hier alles in sich zusammen. Unternehmen Hangover im Luxusbereich. Daniel Völz döst, Pascal Behrenbruch rangelt auf der Couch hin und her, Katja Krasavice und Chethrin Schulze tragen ihre Schampus-Schädel Richtung Bidet und zurück. Abteilung Baustelle hat auf der anderen Seite der Wand mental mitgefeiert und hängt solidarisch ebenfalls ab und durch.

Sophia Vegas' sorgt für Aufregung

Nur kurz gibt es ein paar Ausschläge auf der Aktionsskala, unwirklich und überraschend wie Wetterleuchten, kurze Blitze aus einer anderen Welt: Katja Krassewitze buchstabiert "Relativitetstheorie" und influenct plötzlich irgendetwas von Einstein. Alphonso Williams beschwert sich über menschliche Mogelpackungen: "Ich wollte die Mutter Wollny hier drinne haben. Und bekomme dann so ein Wrack!" Nebenbei gibt es kryptische Kalendersprüche und Wandtattoos: "Der beste Lehrer ist die fucking Baustelle!". Sätze, die dann wohl nicht einmal mehr Einstein relativ nachvollziehbar erklären könnte.

Zum Aufreger, Verzeihung, zum Aufflackern gereicht Sophia Vegas' Entscheidung, sich in den Mutterschutz zurückziehen, zwischendrin wird einmal die Jalousie zwischen Luxus und Baustelle hochgezogen. Wie am Schalter einer Kinderpost stehen sich da die Parteien gegenüber, die einen in dem Zustand, in dem die anderen auch gern wären: Geduscht, zerfeiert. Und einen vollen Kühlschrank im Rücken. Geht dann auch schnell wieder runter, der olle Rolladen. Später müssen Pascal und Chethrin Kartoffelsäcke anziehen, zur Strafe dafür, dass sie einen Kinderriegel und eine Käseecke in den Baustellen-Bereich verbracht haben. Dabei weiß doch jeder, dass hier Füttern verboten ist.

Silvia Wollny rätselt über Umut Kekilli: "Woher kenne ich dich?"

Bei Silvia Wollny führt die Unterzuckerung denn auch direkt zu unterschwelligen Hunger-Übersprüngen. Im Gespräch mit Umut Kekilli - das Thema letztlich egal, man könne sich ja auch einfach "über Klopapier unterhalten", so ihre Kommunikationstheorie - nennt sie den Fußballer plötzlich "Unox". Unox Kekilli - Bestes nach Art des Hauses. Da ist beim Woher-kenn-ich-dich-raten der Weg zum Ochsenschwanz, nein, zum Ochsendorf, na ja, also irgendso eine ältere Dame, jedenfalls nicht mehr weit. Schade, dass das schöne Gespräch nicht weitergeht, so tiefgründig sollte es in dieser gefühlt vier Tage langen Sendung nicht mehr werden.

Geredet wurde aber auch abseits des Nullgeschehens in den beiden Wohnbereichen, nebenan verbrannte das Moderatoren-Duo Schopp/Lufen wertvolle Zeit, die man auch mit Makramée oder Altpapier wegbringen hätte verbringen können, beim Studiotalk mit Gästen, darunter Ex-Bewohnerin Evelyn Burdecki und Promi-Profi Vanessa Blumhagen, die beide aussahen, als hätte sie jemand beim Anziehen gestört, woraufhin sie schließlich mit der halben Klamotte losgelatscht sind. 

Wer nun dachte, dass es spannungsärmer nicht geht, dem wurde jenes Stilmittel vor Augen geführt, das auch im Dschungelcamp das Geschehen Richtung Paralyse treibt. Ganz genau: die Feldpost. Was am Lagerfeuer der Brief, das sind in diesem Falle leicht verwackelte Handy-Filme von denen da draußen, die die Zeit ohne ihre jeweilige "gute" Freundin, Omma oder entfernte Bekannte zum Durchatmen nutzen, an die da drinnen. Menschen in großflächig bedruckten T-Shirts, mit kleinen und großen Hunden, an Schreibtischen oder auf dem Supermarkt-Parkplatz, die scheinbar, einem stillen Abkommen verpflichtet, allesamt nur eine Botschaft zum  Aussenden parat haben: Du rockst das Ding!

Pascal Behrenbruch muss "Promi Big Brother" verlassen 

Und als wäre es damit nicht genug, musste sich am Ende auch noch duelliert werden und es durfte jemand die Sendung verlassen. Erst wurde auf Eisenblöcke gehämmert, an Gummibändern gelutscht und durch Strumpfhosen geblasen - geblasen (!), durch Strumpfhosen (!), wie Jochen Schropp, der Kandidatinnen schon mal mit "Mäuschen" anredet, unbedingt nochmal wiederholen musste - und danach mit Gummibändern das Haus vom Nikolaus gegen eine Glaswand gespeichelt. Challenges, so zusammengetackert, man würde sich lieber von Jürgen Milski auf irgendeinem Ratespiel-Sender das Wort "Senf" buchstabieren lassen. Ach ja, der Rauswurf: Pascal Behrenbruch hat es hinter sich. Der Glückliche.

Katja Krasavice bei "Promi Big Brother"