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TV-Kritik "Stepping Out" Das war gar nicht super, Mario


Sie hatte ihrem Liebsten die Hochzeit in Aussicht gestellt, wenn er ordentlich tanzt: Doch aus der Ehe zwischen Natascha Ochsenknecht und Umut Kekilli wird wohl vorerst nichts. Zum Streit kam es zwischen Tanzjuror Joachim Llambi und Macho Mario Basler.
Von Andrea Zschocher

Nach "Let's dance" nun also "Stepping out". Fast könnte man meinen, bei der neuen Tanzshow handelt es sich um einen Aufguss des Altbewährten. Denn wieder geht es um Jive, Cha-Cha-Cha und Walzer, wieder moderieren Daniel Hartwich und Sylvie Meis, wieder sitzen Motsi Mabuse, Joachim Llambi und Jorge Gonzalez  in der Jury. Und wieder versuchen mehr oder weniger Prominente mit ihren Tanzkünsten zu glänzen und die Gunst der Zuschauer zu gewinnen.
Wieso auch nicht, wird man sich bei RTL gedacht haben, die Devise "mehr vom selben" ist manchmal nicht verkehrt und hat in den letzten Jahren doch so gut funktioniert.

Stepping out könnte Promipaare zerstören

Aber halt, es ist eben nur fast die gleiche Show. Ein entscheidendes Detail wurde verändert. Die meist nur regelmäßigen RTL-Zuschauern bekannten Promis, unter ihnen Bauer Bruno und "Bachelorette" Anna,  tanzten diesmal nicht mit Unterstützung von Profitänzern, sondern mit ihren Lebenspartnern. Und, noch gemeiner, die Tanzpartner werden einzeln bewertet. Wenn also Marvin Albrecht, der Rosenkavalier von "Bachelorette" Anna Hofbauer, am Ende mehr Punkte bekommt, dann, so vermutlich die Hoffnung der Sendungsmacher, kann das schon zu Stress führen. Und statt, wie bei "Let's dance" Promilieben zu stiften, könnten bei "Stepping out" doch auch mal welche zerstört werden. 
Gut, die "Bachelorette"- Teilnehmer sind kein gelungenes Beispiel, klebten sie aneinander wie warmgewordenes Karamell und versicherten sich in einer Tour, dass sie "mega Bock auf die Herausforderung" hätten und sich überhaupt unheimlich doll lieben würden.

Das komplette Gegenteil des glücklichen Paares waren GZSZ- Schauspieler Felix von Jascheroff und seine Freundin Lisa Steiner. Bei denen kriselte es gewaltig, sie selbst sahen die Tanzshow als Versuch, ihre Liebe zu retten. Ob das gelingt wird die Zeit zeigen. Bereits im Interview zur Show wirkte es, als sei die Beziehung eigentlich vorbei. "Ich kann die Scheiße nicht", hörte man da von Lisa. Juror Llambi fand für die vertrackte Situation genau die richtigen Worte. "Ihr habt da viel über euren Beziehungsstress geredet, da muss ich sagen: Ist mir egal." Und so wie Llambi geht es vermutlich vielen Menschen.

Leiden für die Quote

Obwohl, ein bisschen leiden natürlich immer gut ist, dafür sind Sendungen wie "Stepping out" schließlich da. Auch wenn Joelina Drews und Freund Marc Aurel Zeeb die mit Abstand beste Show des Abends lieferten, bei Sätzen wie "Mein Name ist die Tochter von Jürgen Drews" möchte man das junge Mädchen vor einer Fernsehkarriere bewahren. Wer weiß, was das Töchterchen sonst noch von sich preisgibt. Natürlich hatte es auch ihr Vater, Jürgen Drews, in die Sendung geschafft, als er, mit leicht schiefem Gesang und kratziger Stimme, ein Duett mit seine Tochter anstimmte. Schlimm war das, obwohl es mit Tanzen doch so gar nichts zu tun hatte.

Leiden im ganz sprichwörtlichen Sinne mussten aber auch einige Teilnehmer bei "Stepping out". Sternekoch Björn Freitag brach sich während der Proben die Hand. Das mag Mitleidspunkte für die Performance geben, aber der Mann war während des Discofox mit seiner Frau Anna zu fast keinem Schritt zu bewegen. "Am Rande des Taktes" nannte Joachim Llambi diesen Auftritt. Ehefrau Anna Freitag warf sich hingegen mächtig ins Zeug, vielleicht sucht sie einen Job als Tänzerin. Immerhin gab sie im Interview ihren Beruf mit "Sternekochfrau" an. Bleibt die Frage: Ist "Sternekochfrau" die neue "Spielerfrau"?

Eben jene ist, im weitesten Sinne, Doris Büld, die Lebensgefährtin von Ex-Fußballer Mario Basler. Er "war früher mal ein ordentlicher Fußballer", sie arbeitet heute als "Donna de Casa", neudeutsch für Hausfrau. Gemeinsam tanzten sie den Cha-Cha-Cha, und das ziemlich schlecht. Jurorin Motsi Mabuse brachte es auf den Punkt, denn "alles, was man falsch machen kann, war falsch".

Ein Herz für die Außenseiter

Das Schauspielerpaar Mimi Fiedler und Bernhard Bettermann, über die ihr Tanzcoach sagte "ich kenne die beiden leider nicht", tanzten einen guten Tango Argentino. Dennoch wirkte das Paar unsympathisch. Fürs Weiterkommen hat es gereicht, aber in aller Regel fiebern die Zuschauer doch eher mit den Underdogs oder denen, die liebenswürdig erscheinen.

So wie "Bauer sucht Frau" Kandidat Bruno Rath, der gemeinsam mit seiner Frau Anja einen langsamen Walzer tanzte. Fast kullerten nach dem Auftritt vor Rührung die Tränen bei den Beiden. Es sei "bis zum Ende romantisch, ehrlich und authentisch" gewesen, urteilte Motsi Mabuse. Das ist ein bisschen brav und bieder, ja vielleicht sogar langweilig, aber so sind die meisten Paare, die bei "Stepping out" angetreten waren.

Etwas aus dem Rahmen fielen Natascha Ochsenknecht und Umut Kekilli. Dieses Paar eckte an. Sie tanzten, wie Bruno und Anja, einen langsamen Walzer. "Ihr habt es super, super aus dem Takt getanzt, und das ist super super schlecht", urteilte Llambi daher auch. Und trat dann noch hinterher. "Der Bauer ist abgegangen wie eine Rakete gegen dich".
Ochsenknecht und Kekilli mussten die Show dann auch bereits am ersten Abend wieder verlassen. Andere waren viel schlechter als sie, aber wie meist, wenn die Zuschauer das letzte Wort haben, gewinnen die Außenseiter. Oder die, die es richtig gut können. Oder es fliegen die, die keiner leiden mag.


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