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"Tatort" Die beste Wiederholung am Ostersonntag


Der Wiederholungsmarathon zu Ostern geht am Sonntag weiter: Die ARD zeigt einen "Tatort" aus 2015. Der lohnt sich trotzdem.
Von Sophie Albers Ben Chamo

"Haben Sie auch Kinder?", lautet die Frage, die Kommissar Sebastian Bootz besser unbeantwortet gelassen hätte. Hat er aber nicht, und so steckt der coole Kerl plötzlich selbst mitten drin im alles zersetzenden Strudel aus Schmerz und Hilflosigkeit. "Preis des Lebens" ist kein subtiler oder gar sensibler "Tatort". Hier wird emotional geholzt, was der Geschichte über Selbstjustiz, über Schuld und Sühne aber durchaus gut tut.

Der Vergewaltiger und Mörder Jörg Albrecht wird nach 15 Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Die Eltern seines Opfers entführen, foltern und töten ihn. Sie wollen Rache - und den Namen des Mannes, der das unfassbare Leid ihres einzigen Kindes gefilmt und ins Internet gestellt hat, um damit auch noch Geld zu machen. Als Albrechts Leiche gefunden wird, ist den Stuttgarter Kommissaren Lannert und Bootz klar, dass sie den zweiten Täter vor den Eltern finden müssen, sonst ist auch der tot. Tatsächlich finden sie den Mann und nehmen ihn in Schutzhaft. Doch dann verschwindet Bootz' 13-jährige Tochter Maja, von der er unglücklicherweise erzählt hatte, als der Vater des ermordeten Mädchens mit ihm im Auto saß. Die traumatisierten Eltern haben das Kind entführt und fordern im Austausch den zweiten Täter.

Trauma und Gerechtigkeit im "Tatort"

"Preis des Lebens" ist ein Trauma-Film: das Trauma der Eltern, deren Leben zerstört ist, die wissen, dass auch der Tod der Täter ihnen nicht helfen kann, und trotzdem nehmen sie Rache. Robert Hunger-Bühle als von Trauer und Wut ausgezehrter Vater beeindruckt sehr. Das Trauma, das Kommissar Lannert mit sich herumschleppt, seitdem er selbst einst Frau und Kind verloren hat, in dem erdrückende Erinnerungen hochkommen, die er mit Vernunft und Professionalität im Zaum zu halten sucht. Das Trauma, vor dem Bootz gerettet werden muss, der aber einen Vorgeschmack darauf bekommt, was Verlust und Ohnmacht bedeuten. Und schließlich das - natürlich abstrakte - Trauma des Zuschauers, dem mit Bildern und deutlichen Beschreibungen immer wieder vor Augen geführt wird, was die Eltern seit 15 Jahren durchleben. 

Kein Ausweg aus dem Seelendrama

Am Ende ist glasklar, dass Gerechtigkeit unmöglich ist. Dafür ist zuviel Gewalt geschehen - auch durch die Opfer. Das war auch schon in Christian Petzolds (deutlich subtilerem) "Toter Mann" (mit Nina Hoss) so, dem "Preis des Lebens" inhaltlich nahe steht. Oder auch in Krzysztof Kieślowskis schwerverdaulichem Meisterwerk "Ein kurzer Film übers Töten".

Es ist Richy Müllers zurückgenommener Lannert, der das Seelendrama auf den Punkt bringt, als er auf Bootz' verzweifeltes "Wenn Maja irgendwas passiert, werden wir nicht mehr die Alten sein!" entgegnet: "Das sind wir jetzt schon nicht mehr."

Die am Ostersonntag gezeigte "Tatort"-Folge "Preis des Lebens" wurde erstmals am 25. Oktober 2015 ausgestrahlt.

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