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Suche nach Nebendarstellern (Un)freiwillig zum "Tatort"-Star


Die Regisseurin des neuen "Tatorts" mit dem Duo Ulmen/Tschirner fahndete mit Erfolg nach Nebendarstellern, die gar keine waren. Ohne Zustimmung hätten die Szenen nicht gezeigt werden dürfen.
Von Thomas Schmoll

Die Fahnungsliste war umfassend. Sie enthielt "rund 30 Weimarer und einige Touristen". Die Alle-Welt-Beschreibungen der Gesuchten versprach nicht unbedingt Aussicht auf Erfolg. Ausschau gehalten wurde zum Beispiel nach einer "Dame mit blonden Strähnchen im Haar und einem Kinderwagen. Sie isst eine Bratwurst." Oder auch: "Zwei Jugendliche, blond und schlank, einer hat eine dunkle Mütze auf, die Zwei scheinen viel Spaß zu haben." Und nicht zu vergessen, die "junge Frau mit dicker weißer Jacke und weißem Schal, die sehr intensiv ihr Handy bearbeitet". Eine Mutter mit blonden Strähnchen im Haar, eine wild SMS schreibende junge Frau oder auch zwei Burschen von ranker Gestalt und gut drauf - das passt auf etliche Millionen Deutsche und Touristen.

Trotzdem, der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) machte sich auf die Suche nach all den Menschen, die am 5. April auf dem Weimarer Marktplatz zwischen 7 und 19 Uhr "einem SEK-Einsatz am Rathaus" beiwohnten. Denn es ging um die Rettung einiger Szenen für den neuen "Tatort" mit Christian Ulmen und Nora Tschirner. Regisseurin Franziska Meletzky hatte sich so sehr in die Sequenzen verliebt, dass sie die Fahndung in Gang setzte. Es ist nämlich so, dass ein Film nur dann gezeigt werden kann, wenn die zu sehenden Personen ihre Zustimmung gegeben haben. Komparsen machen das natürlich von vornherein, wenn sie den Vertrag unterschreiben. Doch im Weimarer Fall waren die Bratwurst essende Mutter und die gut gelaunten Jugendlichen zufällig ins Bild geraten.

"Sie sehen sich am 26. Dezember 2013 im 'Tatort'!"

So starteten der MDR und Franziska Meletzky die Suche nach den (un)freiwilligen Schauspielern. Die Regisseurin nannte in dem Aufruf den Grund, warum sie gerne die Zustimmung der Zuschauer hätte. Denn mit einer Einverständniserklärung der Beteiligten "kann ich schöner schneiden". Ein Lockmittel, sich beim MDR zu melden, hatte die Filmschaffende auch: "Und Sie sehen sich am 26. Dezember 2013 im 'Tatort'!" Eine Rolle in dem Krimi zu bekommen, ist für viele Laiendarsteller - wie auch für professionelle Schauspieler - ein Traum. Und der wurde nun - Achtung Klischee! - durch Kommissar Zufall für ein paar Dutzend Menschen wahr, die sich nicht mal für einen Auftritt beworben hatten.

Über die Fahndung nach den (un)freiwilligen Komparsen wurde bundesweit berichtet. Der MDR erklärt voller Stolz, der "kleine Aufruf" habe "eine ganze Welle" ausgelöst. Der Weimarer "Tatort" habe "schon Schlagzeilen gemacht, bevor er überhaupt abgedreht worden war", schreibt der Sender auf seiner Homepage, als hätten Fernsehen, Radio, Presse und Onlinemedien über das Ermittlerduo Tschirner und Ulmen kein Wort verloren. Die Bilanz laut MDR: "Am Ende meldeten sich rund 70 Leute." Von den gesuchten 30 Statisten machte das Filmteam nach eigenen Angaben 18 Personen in Thüringen, Hessen und Bayern aus. "Über die Hälfte der fraglichen Szenen kann Franziska Meletzky nun verwenden", teilte der Sender mit. Welche Statisten es dann tatsächlich in den Film geschafft haben, "sehen Sie am 2. Weihnachtsfeiertag um 20.15 Uhr im Ersten", hieß es.

Für die Regisseurin hat die Aktion zudem die Erfahrung gebracht, dass Medien nicht nur Werbebühne und Journalisten nicht immer nur Fragesteller oder lästige Stalker sind, sondern auch freundlich und hilfreich sein können. "Normalerweise ist das für mich und meine Schauspieler so: Entweder man gibt ein Interview oder der Film wird gesendet. Der Rest ist teilweise Stalking von der Presse. In dem Fall haben alle zusammen gearbeitet und geholfen", wird die Künstlerin ztitiert. "Das war richtig schön."


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