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"Team Wallraff": Dieses Ekel-Essen wird in Kitas, Schulen und Altenheimen serviert

Verschimmeltes Essen und Fertigsoßen: Das Team um Günther Wallraff hat sich in Großküchen umgeschaut und ekelerregende Zustände vorgefunden. Schuld daran ist die falsche "Geiz ist geil"-Mentalität.

Von Andrea Zschocher

Warum wundern wir uns eigentlich über die Enthüllungen des "Team Wallraffs"? Der Verbraucher sollte endlich damit anfangen, bewusster zu essen.

Warum wundern wir uns eigentlich über die Enthüllungen des "Team Wallraffs"? Der Verbraucher sollte endlich damit anfangen, bewusster zu essen.

Bei "Team Wallraff" wurde es am Montag eklig. Die RTL-Sendung ist dafür bekannt investigativ Missstände zu untersuchen und damit im besten Fall Debatten anzustoßen. In der aktuellen Folge, die sich mit Essen aus Großküchen beschäftigte, kann man nur hoffen, dass schnell Lösungen gefunden werden. Denn das, was Günter Wallraff und sein Team da aufdeckten, war ekelerregend.

Reporterin Stefanie Albrecht wollte herausfinden, unter welchen Bedingungen Essen in Großküchen hergestellt wird. Dabei hatte sie besonders das Essen für Kitas, Schulen und Altenheime im Blick. Denn, so bestätigt auch Ernährungswissenschaftlerin Alexa Iwan, das Immunsystem von Kindern, Schwangeren und Alten ist besonders sensibel. Sie brauchen also eigentlich auch das hochwertigste Essen.

Bedingungen bei Großcaterern

Dem ist aber nicht so. Als Küchenhilfe im Praktikum heuerte Albrecht bei drei verschiedenen Großcaterern an. Alle wurden mit den drei Kochmützen ausgezeichnet, einem Qualitätssiegel der Hochschule Niederrhein. Das Essen, welches aus diesen Küchen stammt, soll laut Zertifikat besonders schmackhaft sein. Dennoch fand die Reporterin erhebliche Mängel, die an den Auszeichnungen zweifeln lassen. So wurden beim Wuppertaler Caterer Vitesca, wo täglich 25.000 Essen zubereitet werden, verschimmelte Lebensmittel und Waren mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum verarbeitet.

Auch das Cook & Chill-Verfahren, das für ein sicheres Essen garantiert, wurde nicht durchgehend angewendet. Statt, wie es das Verfahren vorschreibt, das Heißgekochte innerhalb von 90 Minuten auf 3 Grad herunterzukühlen, war das Essen in einem Fall noch 20 Grad warm. Daraus resultiert ein Keimherd, der im Zweifelsfall für die Kinder und alten Menschen gefährlich werden kann.

Das verwendete Fleisch hatte in mehreren Fällen bereits das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten. Der Rechtsanwalt Dr. Remo Klinger, der dazu befragt wurde, sieht darin eine Straftat.

Kochen ohne Hitze, Fleisch aus Asien

Hingegen nicht strafrechtlich relevant ist es, dass in einer Großküche, in der Essen für 600 Kinder zubereitet wird, gar nicht mehr gekocht wird. Stattdessen wurde Pulver mit kaltem Wasser zu einer Soße angerührt, abgepacktes Convenience-Essen hinzugegeben und das Ganze dann an Schulen in Duisburg verteilt. Das Fleisch wurde aus Asien und Mexiko geliefert, weil es im Einkauf billiger ist als einheimische Produkte.

In einer anderen Küche, in der die Journalistin Düzen Tekkal ein Praktikum verrichtete, wurde Rohkost ungewaschen angerichtet, nach der Raucherpause entfiel das Händewaschen. Ein Koch schmeckte das Essen mehrfach dadurch ab, dass er den Löffel in den Kochtopf steckte und ableckte. Angestellte erzählten, dass auch sie dort nicht essen, weil sie sich vor den hygienischen Bedingungen in der Küche ekeln.

Die Küche des Oldenburger Altenheims war, das ergaben Proben, mit Keimen überzogen. Nachgewiesen werden konnten E-Coli- Bakterien, Darmkeime und Schimmelpilze. Die mangelnden hygienischen Bedingungen sind aber nur ein Teil des Problems.

Billiges Kinderessen hat Konsequenzen

Der Preis ist der weitaus größere Missstand im Lebensmittelbereich. Ein Kitaessen kostet im bundesdeutschen Schnitt 2,40 Euro, ein Grundschulessen 2,83 Euro. In diesem Preis eingerechnet werden aber auch die Kosten für Personal, Lieferung und Verwaltung. Der Wareneinsatz wird oft nur mit 0,60 Euro pro Essen berechnet. Und für diesen Preis bieten einige Großküchen dann nur minderwertiges Essen an.

"Team Wallraff" traf Christian Schmidt, den Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft und wollte wissen, wieso die Besteuerung von Schulessen bei 19% liegt. Tierfutter wird nur mit 7% besteuert, mit gesenktem Steuersatz könnte der Einsatz für den Warenwert erhöht werden. Schmidt lehnte dies ab, will aber nun mit den Ländern darüber diskutieren. Auf die freiwilligen Qualitätsstandards angesprochen wiegelte Schmidt ab. Das sei seiner Meinung nach nicht zielführend.

Dabei wurde in der Sendung klar, dass die skandalösen Zustände in der Lebensmittelverarbeitung auch dadurch zustande kommen, dass es kaum einheitliche, rechtsverbindliche Regeln gibt. Es muss sich dringend etwas ändern an der "Geiz ist geil"- Mentalität. Es kann, das zeigte "Team Wallraff" deutlich, beim Essen für Kinder und alte Menschen nicht mehr darum gehen, dass der günstigste Anbieter gewinnt.