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Günter Wallraff über Missstände bei Burger King: "Wir konnten gar nicht alles zeigen"

Recherchen des "Team Wallraff" sorgten dafür, dass 89 Burger-King-Filialen geschlossen werden. Im Interview mit dem stern erklärt Günter Wallraff, wie die 3000 Jobs gerettet werden können.

Günter Wallraff ist der Kopf des Rechercheteams, das die Missstände in Burger-King-Filialen aufdeckte

Günter Wallraff ist der Kopf des Rechercheteams, das die Missstände in Burger-King-Filialen aufdeckte

Mangehafte Hygiene und systematische Ausbeutung von Mitarbeitern: Mit einem Team von RTL-Rerchercheuren und Undercover-Reportern brachte Günter Wallraff den Skandal um Burger King ins Rollen. Der Konzern zog die Reißleine und schloss alle 89 Filialen, die von der Yi-Ko Holding des Unternehmers Ergün Yildiz betrieben wurden. Im Interview äußert sich der Enthüller über die Recherchen und die Folgen.

Herr Wallraff, mit Ihren Recherchen haben Sie einerseits dafür gesorgt, dass das System Yildiz beendet wurde. Andererseits droht nun 3000 Menschen die Arbeitslosigkeit. Betrachten Sie Ihren Erfolg mit gemischten Gefühlen?


Wenn Mitarbeiter entwürdigt werden und an ihrem Job zerbrechen, sind Arbeitsplätze in dieser Form nicht erhaltenswert. Ich sehe unsere Recherchen und Veröffentlichungen aber erst als Erfolg, wenn die Mitarbeiter zu besseren Bedingungen weiterbeschäftigt werden.

Welche Verantwortung hat Burger King für die Mitarbeiter?
Burger King ist jetzt in der Pflicht. Mein Vorschlag ist, dass der Konzern alle 89 Filialen selbst übernimmt und daraus Musterbetriebe macht. So würde Burger King zeigen, dass er es besser kann und Kredit in der Öffentlichkeit zurückgewinnen.

Denken Sie, dass Yi-Ko für einen geordneten Übergang zur Verfügung steht?
Ich befürchte zwar, dass die Bücher schlampig geführt wurden. Aber genug Masse wäre im Falle eines Insolvenzverfahrens da. Yildiz hat jahrelang gut an seinem System verdient. Jeder Mitarbeiter sollte daher seine Forderungen geltend machen, so hat es ja auch die Gewerkschaft empfohlen.

Waren Sie bei Ihren Recherchen überrascht, dass sich die Zustände bei Yi-Ko in den vergangenen Monaten nicht verbessert haben?
Ich war darüber sehr enttäuscht. Wir hatten gehofft, dass sich die Zustände nach unserer Veröffentlichung gebessert haben. Aber das Gegenteil war der Fall. Wir hätten unsere Sendung dreimal so lang machen können, so viele betroffene Mitarbeiter haben sich bei uns gemeldet.

Sie haben sich in Ihrem Bericht noch zurückgehalten?
Ja, es gab Fälle von übelstem Mobbing. Und es gab noch mehr durchaus kritische Details, die wir nicht alle zeigen konnten. Uns war aber auch wichtig, Burger King nicht einfach pauschal in Sippenhaft zu nehmen. Ich glaube dem Deutschlandchef Herrn Bork ja, dass er die Zustände verbessern wollte, der Mann hat sich wirklich bemüht. Es hat aber nicht gereicht.

Ist das Problem denn auf die von Yi-Ko betriebenen Filialen beschränkt oder hat Burger King insgesamt ein Problem?
In der Branche insgesamt ist einiges im Argen. Auch von Konkurrenten wie McDonald's oder Kentucky Fried Chicken haben Angestellte und Kunden von Missständen berichtet. Aber nirgendwo traten die Probleme so geballt auf wie bei den Yi-Ko-Filialen von Burger King. Das ist schon ein absoluter Sonderfall.

Gehen Sie persönlich noch bei Burger King essen?
Nein: Weder zu Burger King noch zu McDonald's. Ich versuche mich gesund zu ernähren.

Interview: Daniel Bakir