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"Team Wallraff" Burger King reagiert auf Skandal-Recherche – einige Filialen dicht, Hotline für Informanten geplant

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Die Recherche von "Team Wallraff" war erneut ein schwerer Schlag für Burger King – mit einem großen Statement betreibt die Fast-Food-Kette nun Schadensbegrenzung.
© Dave Rushen / Picture Alliance
Am Donnerstagabend ist Deutschland der Appetit vergangen. Zum zweiten Mal schlichen sich Reporter von "Team Wallraff" in verschiedene Burger-King-Filialen ein – und lieferten erschreckende Ergebnisse. Der Konzern gelobt nun – zum zweiten Mal – Besserung.

Ranziges Fleisch, alte Soßen, Hühnerfleisch statt veganer Alternative, Mäuse mit Spitznamen: Die schiere Masse an Verfehlungen, die "Team Wallraff" bei einer wiederholten Investigativ-Recherche in Burger-King-Filialen aufdeckte, war erschlagend. Nicht nur für Kunden, die tendenziell gerne mal einen schnellen Burger von einer der weltweit größten Fast-Food-Ketten essen, sondern natürlich auch für das Unternehmen selbst. Nach Ausstrahlung der Ekel-Folge bei RTL steht der Tag danach ganz im Zeichen der Wiedergutmachung. Wer die Webseite des Burgerbräters aufruft, erhält einen ellenlangen Fragenkatalog unter dem Motto "King ist, wer an sich arbeitet"

Burger King schreibt: "Wir wissen, dass es immer besser geht. Und dass es Themen gibt, an denen wir arbeiten müssen. Deswegen schauen wir ganz genau hin und manchmal helfen uns auch andere dabei, Themen zu identifizieren, die besser werden müssen. Für jeden Hinweis sind wir dankbar."

Burger King-Filialen geschlossen, Prüfungen verstärkt

Zu den Recherchen "der Medien" nimmt Burger King in der ersten Frage Stellung. Dort heißt es: "In letzter Zeit wurde über Vorfälle berichtet, die sich in fünf Burger-King-Filialen ereignet haben. Wir bedauern diese Vorfälle sehr und nehmen sie ernst. Und wir sind immer für Hinweise dankbar. Die betroffenen Restaurants wurden vorübergehend geschlossen, damit sie genau überprüft werden können. [...] Leider gelingt es uns bislang nicht immer, die hohen Standards vor Ort bei allen Mitarbeitenden zu verankern. Wir werden daher unsere Trainingskultur mit Nachdruck weiterentwickeln. Versprochen. Denn King ist, wer an sich arbeitet."

Im Weiteren geht es um die nun geschlossenen Filialen, die im RTL-Beitrag zu sehen waren. Einige von ihnen, so Burger King, seien nach "gründlichen Überprüfungen, intensiven Schulungen, umfassenden Reinigungsarbeiten und einem erneuten Audit" wieder eröffnet worden. Bei anderen werden im Rahmen der Schließung nun Umbauten und "weitere Maßnahmen" durchgeführt, was eine längere Schließung voraussetzt.

Zu den Vorwürfen der Mitarbeitenden, was schlechte Arbeitsbedingungen betrifft, hält sich das Unternehmen kurz. Burger King gehöre zu den "Gründungsmitgliedern des Bundesverbands der Deutschen Systemgastronomie" und biete "für jede Lebenslage das passende Arbeitsmodell". Hinsichtlich der Gehälter verweist Burger King auf den geltenden Tarifvertrag, dessen Stufen in diesem Dokument ersichtlich sind.

Der niedrigste Stundenlohn wird dort mit 10,82 Euro brutto – also 1829 Euro brutto monatlich – angegeben, das höchste Gehalt, welches Führungskräften oberhalb der Bezirksleiterebene vorbehalten ist, liegt bei 4097 Euro brutto monatlich, umgerechnet ergibt das einen Stundenlohn in Höhe von 24,24 Euro brutto. Zumindest die ersten drei Tarifgruppen fallen damit unter den gesetzlichen Mindestlohn von 12 Euro, der ab Oktober gilt. Hier ist mit baldigen Erhöhungen zu rechnen.

RTL ergänzt, dass Burger King zudem eine Hotline für Informanten plane. Burger King erklärte: "Bei der Hotline können sie – in einem sicheren und vertraulichen Rahmen – über Probleme berichten, die wir dann direkt adressieren können. Sie wird von einem unabhängigen externen Anbieter betreut.“

Keine Entschuldigung für fleischhaltige Vegan-Burger

Ausweichend wird es, wenn es um die Vorwürfe von "Team Wallraff" geht, dass Burger King es bei den pflanzenbasierten Produkten, also den veganen Alternativen, nicht so genau nehme. Zur Erinnerung: Bei den Recherchen kam es wiederholt zu Fällen, bei denen die Angestellten teils vegane und Fleischprodukte vertauschten, zum veganen Burger herkömmliche Mayonnaise nutzten und für das Frittieren der veganen Zutaten das gleiche Fett nutzten wie für das Fleisch.

Burger King flüchtet sich an dieser Stelle in Marketing-Phrasen und schreibt: "Drin ist, was drauf steht! Seit August 2022 haben wir spezielle Verpackungen für Plant-based Produkte. Und wir benutzen zum Beispiel eine separate Fritteuse, die ausschließlich für fleischfreie Produkte wie Pommes genutzt wird. Auch alles andere, was mit unseren vegan lizenzierten Produkten in Kontakt kommt, ist entsprechend farbig markiert. Außerdem gibt es nur noch eine vegane Mayo für all unsere Produkte."

Das alles war offiziell auch schon vor den Recherchen von "Team Wallraff" der Fall, wurde aber eben in der Praxis nicht gelebt. Zu diesen Vorwürfen findet sich an der Stelle weder eine Erklärung, noch eine Entschuldigung.

Ekel bei Burger King: Undercover-Aufnahmen zeigen katastrophale Zustände bei Fast-Food-Kette

Neuer Eigentümer betreibt auch andere Ketten

Zum Schluss weist die Fast-Food-Kette erneut darauf hin, dass Burger King auf dem Weg der Besserung ist – was auch an neuen Eigentümern liege. Es heißt: "Seit Mai 2022 hat Burger King Deutschland neue Eigentümer. Sie bringen nicht nur viele Jahre Gastronomie-Erfahrung mit, sie wissen auch, wie man Prozesse sicher und schnell vorantreibt, Mitarbeiter*innen motiviert und Gäste begeistert. Alle zusammen machen wir Burger King jeden Tag ein Stückchen besser – in Dingen, die bereits gut sind und in Dingen, die heute noch nicht gut genug sind. Denn genau das macht einen King aus."

Tatsächlich hatte die Hannoveraner Baum-Gruppe ihre Beteiligung an Burger King Ende 2021 an den amerikanischen McWin Food Ecosystem Fund verkauft, wie das "Handelsblatt" berichtete. Hinter dem Fond stecken die US-Investoren Henry McGovern und Steve Winegar. McGovern ist einer der Gründer von Amrest, einem börsennotierten, spanischen Gastro-Konzern. Zur Gruppe gehören Hunderte Filialen von Kentucky Fried Chicken, Pizza-Hut-Standorte, Starbucks-Shops und vieles mehr. 

Es bleibt abzuwarten, ob sich dieses Mal wirklich etwas ändert. 2014 waren Reporter der RTL-Investigativ-Sendung schon einmal verdeckt in Filialen des Fastfoodriesen unterwegs. Die Zustände, die sie damals vorfanden, waren derart schlimm, dass schließlich 89 Franchise-Filialen dicht machen mussten. Langfristige Änderungen folgten aus dem damaligen Skandal offenbar kaum.

"Team Wallraff" lief am 29. September um 20:15 Uhr bei RTL oder ab sofort auf Abruf bei RTL+.

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