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Burger-King-Filialen: Yi-Ko machte mit Ekel-Essen und Ausbeutung weiter

Nach der Aufdeckung von Hygienemängeln bei Burger King schied der Chef des Franchisenehmers Yi-Ko als Geschäftsführer aus - und blieb dennoch an der Macht, wie eine weitere Enthüllungsreportage zeigt.

Von Katharina Grimm

Eine geschlossene Filiale der Fast-Food Kette Burger King im Hauptbahnhof in München. Nach der fristlosen Kündigung des  Franchise-Vertrages bleiben die 89 Burger-King-Filialen des  Restaurantbetreibers Yi-Ko vorerst dicht.

Eine geschlossene Filiale der Fast-Food Kette Burger King im Hauptbahnhof in München. Nach der fristlosen Kündigung des
Franchise-Vertrages bleiben die 89 Burger-King-Filialen des
Restaurantbetreibers Yi-Ko vorerst dicht.

Die Decke ist feucht. Das, was dort durch Zement und Rigips sickert, ist kein Regenwasser, sondern stammt aus der defekten Kundentoilette. Die Wasserleitung ist offensichtlich kaputt, aber die Reparatur kostet Geld – und das würde man sich lieber sparen. Der zweite Teil der Enthüllungsrecherche bei der Fast-Food-Kette Burger King von Günther Wallraff und seinem Team auf RTL steht der ersten Veröffentlichung bei der Aufdeckung von Ekelerregendem und Mitarbeiterausbeutung in nichts nach. Auch diesmal haben die Reporter den Franchisenehmer Yi-Ko unter die Lupe genommen. Und zeigen: Die Missstände, die sie bereits im Frühjahr öffentlich gemacht haben, wurden nicht behoben. Und der Konflikt mit Burger King ist inzwischen so eskaliert, dass 3000 Mitarbeiter um ihre Zukunft bangen.

Um hinter die Fassade des Yi-Ko-Imperiums zu schauen, hat eine junge Frau undercover in verschiedenen Filialen gearbeitet. Dort trifft sie auf ausgebeutete Auszubildende, die kaum noch Schlaf finden vor Stress, die spätnachts die Burger-Restaurants verlassen, um frühmorgens wieder hinter der Fritteuse zu stehen. Wer eine Ausbildung bei Yi-Ko beginne, könne sich direkt vom Privatleben verabschieden, so zitiert der Bericht verschiedene Mitarbeiter. "Ich hab meine beste Freundin verloren", sagte eine junge Auszubildende und beginnt zu weinen. Aber nicht nur Stress ist ein Problem. Teilweise wird der Lohn verspätet gezahlt, wer krank wird, bekommt gar nichts. Der Grund dafür: Yi-Ko ist aus dem Bundesverband für Systemgastronomie ausgetreten. Bei Neuverträgen mit Mitarbeitern habe der Franchisenehmer nur noch den Mindestlohn zahlen müssen – alle Zuschläge für Nacht- Wochenend- und Feiertagsdienste seien ausgefallen. Auch auf Weihnachts- und Urlaubsgeld haben die Angestellten verzichten müssen.

Aber auch beim Essen erleben die Reporter unfassbare Zustände. Da werden alte Brötchen, deren Haltbarkeitsdatum längst abgelaufen ist, frisch etikettiert und verkauft. Auch Käse, Tomaten und der Salat hätten nicht mehr verwendet werden dürfen. Für den Kunden ist diese Täuschung nicht ersichtlich. Diese Masche ist kein einmaliger Fehlgriff, sondern hat System. Und ist strafbar, erläutert ein Experte. Dennoch waren die Mitarbeiter angehalten, genau so zu verfahren. Andernfalls wurde mit Abmahnung oder Kündigung gedroht.

Yildiz geht es nur um die Rettung seines Kapitals

Günther Wallraff und sein Reporterteam hatten seit dem Frühjahr 2014 verdeckt bei Burger King recherchiert. Schon damals waren unhaltbare Zustände ans Licht gekommen: Nicht nur Mitarbeiter wurden drangsaliert, sondern auch mit der Hygiene nahm man es in den untersuchten Yi-Ko-Filialen nicht allzu genau. "Wir haben entschlossen reagiert", sagt der Burger-King-Chef Andreas Bork, als ihn die das Team Wallraff mit den aktuellen Rechercheergebnissen konfrontierte. "Jetzt sehen wir, dass unsere Anstrengungen nicht funktioniert haben. Wir haben den Schlussstrich gezogen." Die Fast-Food-Kette kündigte dem Franchisenehmer Yi-Ko schon vergangene Woche die Verträge. Trotz juristischer Auseinandersetzungen sind inzwischen alle 89 betroffenen Filialen geschlossen worden.

Der größte und mächtigste Franchisenehmer, Ergün Yildiz, ist nun, wie es scheint, das größte Problem des Konzerns. Eigentlich hat sich der Chef der 89 Filialen im Mai 2014 nach der Ekel-Reportage von Wallraff auf Druck aus der Unternehmensführung zurückgezogen. Doch offensichtlich kehrte Yildiz zurück. "Er hat sich aktiv weiter eingemischt", sagt ein leitender Angestellter. Dies bestätigte auch ein Sprecher der Gewerkschaft NGG dem stern. Nach einem Monat sei Yildiz wieder auf der Bildfläche erschienen, so der NGG-Sprecher. Aggressiver Führungsstil und unhaltbare Zustände in den Filialen, fasst der Bericht das Arbeitsklima zusammen. "Das ist ganz klar die Handschrift von Yildiz", sagt Wallraff. "Die Besitzverhältnisse sind geblieben."

Offiziell leitet der Geschäftsführer Dieter Stummel die Yi-Ko Holding. Doch der hat nicht mal einen Schlüssel zu den Geschäftsräumen, wie der Report zeigt. "Das sei ein Witz", so Wallraff. Yildiz selbst gibt sich kämpferisch und zeigt sich bei einem Mitarbeiterprotest. "Ich werde kämpfen für meine Mitarbeiter. Es geht jetzt nur darum, die Arbeitsplätze zu sichern", sagt Yildiz vor einer Demo. Die er wohl selbst organisiert hat, inszeniert für die Presse. Ein Mitarbeiter bestätigt, dass es nur um Yildiz gehe und die Rettung seines Kapitals. Dafür waren Mitarbeiter zur Demo-Teilnahme genötigt worden.

Franchisesystem ist fehlerhaft

Nun sind die Filialen dicht. Wie es mit den Angestellten weitergehe, ist ungewiss. Dass der Ex-Immernoch-Chef Yildiz die Verantwortung für die Missstände tragen muss, ist durch den Report kaum von der Hand zu weisen. Jedoch ist Burger King sicherlich nicht unschuldig: Das Franchisesystem, das die gesamte unternehmerische Verantwortung auf die Franchisenehmer abwälzt und zeitgleich saftige Gewinne bei der Konzernmutter sprudeln lässt, ist keine Rechtfertigung für den aktuellen Eklat. So meldete sich die Mutter der jungen Auszubildenden bei der Konzernzentrale, um mit jemandem dort über die Misswirtschaft bei Yi-Ko zu sprechen. Die Antwort: Für Auszubildende sei man nicht zuständig.

Und hier zeigt sich der Schwachpunkt von Wallraffs Report: Der Konflikt im Hause Burger King ist auch hausgemacht.