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"Team Wallraff"-Recherche Schuften bei Burger King – Angestellten-Ausbeutung mit System?

Burger King - Systemgastronomie oder Ausbeutung mit System?
Burger King - Systemgastronomie oder Ausbeutung mit System?
© Gerald Matzka / DPA
Zu wenig Personal, ewige Nachtschichten, bis zu 60 Überstunden im Monat: Recherchen der Investigativsendung "Team Wallraff" zeigen, unter welchen Bedingungen die Mitarbeiter bei Burger King schuften.

2014 recherchierten Günter Wallraff und sein Team zum ersten Mal beim Fast-Food-Riesen Burger King. Bei ihren Undercover-Einsätzen deckten die Investigativ-Journalistinnen und -Journalisten damals teils katastrophale Hygienemissstände und Arbeitsbedingungen auf. Das Unternehmen gelobte Besserung – aber hat sich in den letzten acht Jahren wirklich etwas geändert? Das wollte das Team jetzt mit neuen Recherchen herausfinden. Und leider lassen die neuen Aussagen von ehemaligen und aktuell angestellten Mitarbeitenden vor allem eines vermuten: Ausbeutung scheint hier nach wie vor System zu haben.

220 Arbeitsstunden pro Monat

In einem Fast-Food-Restaurant zu arbeiten, kann an sich schon enorm stressig sein: Burger braten im Akkord, den ganzen Tag auf den Beinen, Nachtschichten mit extremen Stoßzeiten, in denen hungriges Feiervolk – oft betrunken – den Laden stürmt. Doch was ein Ex-Mitarbeiter von Burger King Günter Wallraff im Interview über seine früheren Arbeitszeiten erzählt, geht weit darüber hinaus: "Teilweise sind das so 13, 14 Stunden. Das ist aber normal." Auch, dass das Telefon klingele, wenn man eigentlich krank sei. Ausnahmefälle? "Nein, das ist die Regel!", so der Informant. Die Folge: "Wenn du 220 Stunden im Monat arbeitest, dann hast du kein Privatleben mehr." Bei einer 40-Stunden-Woche bedeutet das, dass Mitarbeitende teilweise bis zu 60 Überstunden im Monat machen. 

Mitarbeitende werden spontan nach Hause geschickt – ohne Bezahlung

Die Lösung läge auf der Hand: Wenn die Schichten nicht ausreichend besetzt werden können, müssten eigentlich mehr Arbeitskräfte her. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Ein interner Wochenbericht aus einer Kölner Burger-King-Filiale aus dem Oktober 2021 zeigt, dass für alle Restaurants maximal 14 Prozent des Umsatzes für Personalkosten verwendet werden dürfen. Die Konsequenz: Macht eine Filiale zu wenig Umsatz, werden Mitarbeitende offenbar nach Hause geschickt und Schichten verschoben. Eine Bezahlung der ausgefallenen Stunden? Fehlanzeige. "Zu viel Personal darf unter keinen Umständen vor Ort sein", erklärt der Informant. "Es wird mehr Wert darauf gelegt, die Personalkosten unten zu halten, als den Umsatz zu fördern."

Vier Kinder, zwei Jobs, 24 Stunden Arbeit?

Und so müssen offenbar einige wenige vor Ort die Arbeit stemmen, für die eigentlich deutlich mehr Leute nötig wären – insbesondere am Wochenende. Eine aktuell bei Burger King angestellte Schichtleiterin klagt, sie wohne zwar mit ihren Eltern zusammen, habe diese aber in letzter Zeit gar nicht mehr zu Gesicht bekommen: "Jeden Tag Nachtschicht, Nachtschicht, Nachtschicht. Ich bin irgendwann verrückt geworden!" Ein anderer Mitarbeiter aus derselben Kölner Filiale berichtet Ähnliches: Er habe vier Kinder, zusätzlich noch einen Job in einer Bäckerei. "Ich mache niemals Pause. Ich arbeite 24 Stunden. Viel zu viel."

Diese Ausbeutung hat laut Günter Wallraffs erstem Informanten System: Gerade Angestellte mit Migrationshintergrund, die nur eine Duldung hätten und um ihren Aufenthalt bangen müssten, würden bei einem solchen Druck natürlich nicht zu Hause bleiben. "Lieber stelle ich jemanden ein, der gerade erst in Deutschland eingereist ist und der Sprache nicht mächtig ist und nicht weiß, welche Rechte er hat. Die kommen hierher, um ein besseres Leben zu haben, und werden dann ausgebeutet", so das harte Fazit des Ex-Mitarbeiters.

Dr. Sven Jürgens, Fachanwalt für Arbeitsrecht, ist von den "Team Wallraff"-Recherchen erschüttert: "Ich halte das, was Burger King hier macht, für eine riesengroße Sauerei. Es wird systematisch gegen arbeitsrechtliche Vorgaben verstoßen, es wird auf Kosten der Schwächsten versucht, den Profit zu maximieren. Es werden Mitarbeiter auf Verschleiß gefahren, es wird in Kauf genommen, dass die Mitarbeiter krank werden. Das ist ein fürchterlicher Missstand und das gehört definitiv abgestellt." 

Stellungnahme der "Burger King Deutschland GmbH"

"Team Wallraff" konfrontierte die Burger King Deutschland GmbH mit diesen Recherche-Ergebnissen. Diese antwortete wie folgt: "[Wir möchten] darauf hinweisen, dass Burger King Deutschland seit Mai 2022 neue Mehrheitseigentümer hat. Seitdem wurde ein umfassender Veränderungsprozess eingeleitet, der auch erhebliche Investitionen umfasst. Einige Ihrer Recherchen erfolgten lange vor diesen schrittweise eintretenden Veränderungen. (…)

Die neuen Eigentümer werden auch künftig in die Marke und in den deutschen Markt investieren, um operativ in den Restaurants noch besser zu werden und den Mitarbeitenden das Tagesgeschäft zu erleichtern. (…)

Nachdem wir von Ihren Vorwürfen erfahren hatten, haben wir - gemeinsam mit unseren Franchisepartner*innen - sofort gehandelt und entsprechende Maßnahmen ergriffen. Wir haben die benannten Restaurants umgehend geschlossen und ein außerordentliches, externes Audit für alle 750 Burger King Restaurants in Deutschland angeordnet, das bis spätestens Ende September 2022 abgeschlossen sein wird."

"Team Wallraff" am 29. September um 20:15 Uhr

Sind die Arbeitsbedingungen bei Burger King überall so schlimm? Hat das Unternehmen die extremen Hygienemängel, die "Team Wallraff" vor Jahren aufdeckte, inzwischen im Griff – oder essen Kundinnen und Kunden hier nach wie vor auf eigene Gefahr? Und geht bei der aktuellen Vegan-Kampagne des Burger-Giganten alles mit rechten Dingen zu? In der neuen "Team Wallraff"-Folge – am 29. September um 20:15 bei RTL oder zur gleichen Zeit hier im RTL + Livestream – erfahren Sie mehr!

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